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Nach Anschlag mit 13 Toten : Erdogan sieht Türkei im Visier des Terrors

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Im Südosten der Türkei hat eine Autobombe zahlreiche Menschen verletzt und mindestens 13 getötet. In der Kayseri explodierte der Sprengstoff in einem Bus voller Soldaten. Der türkische Präsident kündigte Vergeltung an.

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          Nach dem abermals tödlichen Anschlag auf Sicherheitskräfte in der Türkei sieht Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan das gesamte Land im Visier von Terrororganisationen. Die Anschläge gälten nicht nur Soldaten und Polizisten, „sondern allen unseren 79 Millionen Bürgern“, hieß es nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Samstag in einer Mitteilung Erdogans. Man wisse, dass die Angriffe in Verbindung stünden mit den Entwicklungen in Syrien und im Irak, aber auch mit wirtschaftlichen „Schwankungen“ in der Türkei. Die Terrorgruppen würden „im Geiste der nationalen Mobilmachung“ bekämpft werden.

          Zuvor hatte es bei einer vermutlich durch eine Autobombe ausgelösten Explosion in der Zentraltürkei nach Angaben der türkischen Armee mindestens 13 tote Soldaten gegeben. Zudem gebe es 48 Verletzte. Die Armee schloss nicht aus, dass es auch zivile Opfer gab. Rettungsfahrzeuge seien vor Ort. Die Detonation traf am Samstagmorgen einen Bus, in dem Soldaten gesessen haben und zerstörte diesen vollständig. Der Gouverneur der Provinz Kayseri, Suleyman Kamci, sprach von einem „terroristischen Anschlag“. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete unter Berufung auf Kamci, ein Selbstmordattentäter habe die Bombe gezündet.

          Anschlagsort weit entfernt vom Kurdengebiet

          Die Explosion ereignete sich in der Stadt Kayseri, etwa 300 Kilometer südöstlich von Ankara. Der Sender NTV zeigte Bilder von dem zerstörten Bus von dem Rauch aufstieg. Die Industriestadt im Südosten der Türkei liegt weit entfernt vom Kurdengebiet und gilt normalerweise als ruhig. Laut einer Mitteilung der Streitkräfte hatten die Soldaten einen freien Tag und die Erlaubnis, diesen außerhalb der Kaserne zu verbringen. Den Angaben zufolge handelte es sich bei den Opfern um Soldaten der unteren Dienstgrade.

          Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Ähnliche Anschläge hat in den vergangenen Monaten vor allem die TAK („Freiheitsfalken Kurdistans“) verübt, eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die türkische Regierung geht derzeit davon aus, dass die PKK Schuld an de Anschlag ist. „Derzeit deuten alle Hinweise auf die PKK hin“, sagte der stellvertretende Regierungschef und Regierungssprecher Numan Kurtulus gegenüber dem Sender NTV.

          Die türkischen Behörden verhängten – wie inzwischen nach solchen Anschlägen üblich – eine Nachrichtensperre. Die pro-kurdische Oppositionspartei HDP verurteilte den Anschlag auf das Schärfste. Nach dem Anschlag von Istanbul am vergangenen Wochenende hatten die Behörden mehr als 200 Politiker der prokurdischen HDP festgenommen. Bei zwei Bombenexplosionen waren in Istanbul 44 Menschen getötet worden. Zu dem Doppelanschlag hatte sich die TAK bekannt.

          Wird deutlich: Der türkische Präsident Recep Tayip Erdogan

          Die TAK verübt Anschläge in Metropolen wie Istanbul und Ankara. Die PKK beschränkt sich bei ihren Angriffen auf die mehrheitlich kurdische Südosttürkei, in der der Kurden-Konflikt vergangenes Jahr nach dem Zusammenbruch einer Waffenruhe wieder voll entflammt ist.

          Seit der Eskalation des Konflikts zwischen den Kurden und der türkischen Regierung im Sommer 2015 lehnt Ankara jeden Dialog mit der HDP ab. Sie betrachtet die Oppositionspartei als politischen Arm der PKK. Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnet ihre Politiker regelmäßig als „Terroristen“. In den vergangenen Monaten weitete die Regierung ihr Vorgehen gegen die HDP und ihren regionalen Ableger, die DBP, aus.

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