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Mitten in der Pandemie : Österreichs Gesundheitsminister tritt zurück

Angeschlagen: Österreichs Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) verkündet am 13. April in Wien seinen Abschied. Bild: Reuters

Der Rücktritt des grünen Gesundheitsministers Anschober in Österreich erfolgt zwar nicht aus politischen, sondern aus gesundheitlichen Gründen. Er kommt jedoch zu einem kritischem Zeitpunkt.

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          In Österreich hat Gesundheitsminister Rudolf Anschober am Dienstagvormittag seinen Rücktritt angekündigt. Der Grünen-Politiker hatte in den vergangenen Wochen zweimal einen Kreislaufzusammenbruch erlitten. Es wird erwartet, dass der Grünen-Vorsitzende und Vizekanzler Werner Kogler noch am Dienstag einen Nachfolger benennt. Der Wechsel soll dann Anfang kommender Woche vollzogen werden.

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Auch wenn Anschobers Rücktritt nicht aus politischen, sondern aus gesundheitlichen Gründen erfolgt, kommt er zu einem Zeitpunkt, der in zweierlei Hinsicht kritisch ist. Zum einen ist die Pandemielage in Österreich weiterhin bedenklich, vor allem im Osten des Landes. Die Infektionsraten stagnieren zwar, doch die Intensivstationen der Krankenhäuser sind nahe an ihrer Kapazitätsgrenze. Die Schließungen und Ausgangsbeschränkungen wurden in dieser Region bis zum 2. Mai verlängert.

          Der Sputnik-Vorstoß von Kurz

          Zum anderen ist auch die „türkis-grüne“ Koalition von ÖVP und Grünen in einer Krise. Die Grünen kritisieren den Koalitionspartner insbesondere wegen umstrittener Postenbesetzungen der früheren ÖVP-FPÖ-Koalition, ebenfalls unter Bundeskanzler Sebastian Kurz. Die ÖVP hat zuletzt mit Kritik an grünen Personalentscheidungen offen zurückgeschlagen.

          Zuletzt hat das ÖVP-geführte Bundeskanzleramt auch zunehmend in die Kompetenz des Gesundheitsministeriums eingegriffen. So erklärte Kurz die Absicht, rund eine Millionen Dosen des russischen Impfstoffs „Sputnik V“ zu erwerben. Sein Vorstoß wegen der Impfstoffverteilung innerhalb der EU und seine offene Kritik an einem dafür zuständigen Spitzenbeamten im österreichischen Gesundheitsministerium vor einem Monat äußerte er, während Anschober krankgemeldet und nicht erreichbar war.

          Anschober hat, wie er am Dienstag in seiner Rücktrittserklärung mitteilte, in den vergangenen Wochen zweimal einen Kreislaufzusammenbruch erlitten. Er musste jeweils für mehr als eine Woche krankheitshalber vertreten werden. Anschober nahm zwar grundsätzlich auch für Minister in Anspruch, krank werden und sich davon erholen zu dürfen. Doch sei dies jetzt eine Sondersituation. „In der schwersten Gesundheitskrise seit Jahrzehnten braucht die Republik einen Gesundheitsminister, der zu hundert Prozent fit ist. Das bin ich nicht“, sagte der 60 Jahre alte Politiker.

          „Ich habe wirklich versucht, alles zu geben“, sagte Anschober. „Und ich habe mich dabei ganz offensichtlich überarbeitet. Seit einigen Wochen fühle ich mich, bin ich nicht mehr völlig fit.“ Vor einem Monat habe er einen Kreislaufkollaps gehabt, danach habe er es „noch einmal versucht“. Es sei „kein Burnout, ich weiß, wie sich das anfühlt, da würde ich jetzt nicht mehr dastehen – das ist, wie wenn ein Stecker aus dir rausgezogen wird“.

          Vor einigen Jahren hatte Anschober als oberösterreichischer Landesminister ein Burnout erlitten und hatte sich zur Erholung eine Auszeit genommen. Dass er mit der Erkrankung so offen umgegangen war, wurde kontrovers diskutiert und überwiegend positiv beurteilt. Auch jetzt begründete Anschober seinen offenen Umgang mit der Erkrankung damit, dass er ein Zeichen dafür setzen wolle, dass Krankheit keine Schande sei.

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