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Österreichs Bundeskanzler : Wie Sebastian Kurz die Widersprüche vereint

Sebastian Kurz vor dem Portrait Bruno Kreiskys in seinem Büro in Wien. Bild: Jacqueline Godany

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz ist Europäer mit einem ausgeprägten Sinn für Sparsamkeit. Kritik an seiner Haltung weist er im Gespräch mit der F.A.Z. zurück – und erklärt, wie er das 750-Milliarden-Euro-Hilfspaket der EU verteilt sehen will.

          6 Min.

          Gut ein halbes Jahr ist es her, dass Sebastian Kurz wieder als Bundeskanzler in die Regierungszentrale am Wiener Ballhausplatz eingezogen ist. Wie schon in seiner kurzen ersten Amtszeit, der „türkis-blauen“ Koalition seiner christdemokratischen ÖVP mit der rechten FPÖ, hat Kurz das „Kreisky-Zimmer“ als Arbeitsraum gewählt. Der in dunklem Holz vertäfelte Raum wird so genannt, weil der legendäre sozialdemokratische Kanzler Bruno Kreisky so lange darin gesessen hat. Aber eigentlich wurde er nach 1945 in der durch einen Bombentreffer schwer beschädigten alten Staatskanzlei unter der Ägide Leopold Figls eingerichtet, eines ÖVP-Mannes. An der Wand hängen Fotografien von beiden, Kreisky und Figl.

          Stephan Löwenstein
          (löw.), Politik

          Der parteipolitisch ambivalente Doppelbezug dürfte Kurz nicht unrecht sein. Figl war eine Gründerfigur. Kreisky hat Österreich im Inneren reformiert und in der Welt eine Rolle gegeben, die über seine geographische Größe hinausreichte. Kurz hat nun auch schon einige Male über die Grenzen seines Landes hinweg auf sich aufmerksam gemacht. Zunächst vor allem durch seine Jugend – immer noch ist er, regierungserfahrenstes Mitglied seines Kabinetts und dienstältester Parteichef in Österreich, erst 33 Jahre alt. Aber auch durch seine Positionierungen, sei es in der Frage der Migration, sei es zum EU-Budget oder zuletzt zur Verteilung europäischer Corona-Hilfsgelder.

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