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Mittelmeer : Österreich wirft Seenotrettern Kooperation mit Schleppern vor

  • Aktualisiert am

Flüchtlinge im Mittelmeer auf dem Schiff einer spanischen Hilfsorganisation Bild: dpa

Die Kritik an Hilfsorganisationen im Mittelmeer nimmt zu. Einzelne NGOs arbeiten laut Österreichs Innenminister direkt mit Schleuserbanden zusammen. Sein deutscher Amtskollege de Maizière spricht von einer inhumanen Konstellation.

          Österreichs Innenminister Wolfgang Sobotka hat Strafen für „selbst ernannte Seenotretter“ im Mittelmeer gefordert. Einzelnen Hilfsorganisationen warf er in der „Bild“-Zeitung vom Dienstag vor, direkt mit Schlepperbanden vor der libyschen Küste zu kooperieren. Wichtig sei, „dass selbst ernannte Seenotretter aus Europa nicht mehr bei den Schleusungen helfen, nicht mehr mit den Banden kooperieren“, sagte der Minister. Natürlich dürfe niemand im Mittelmeer ertrinken. „Wir müssen aber trotzdem unterbinden, dass sogenannte Helfer weiterhin mit ihren Booten in libysche Hoheitsgewässer eindringen und dort die Flüchtlinge von den Schleppern direkt übernehmen.“ In Italien seien in diesem Jahr bereits mehr als 85.000 Flüchtlinge angekommen. „Es ist absehbar, dass sich die Lage zuspitzt, dass das nicht gut geht“, sagte er.

          Kritik kam auch von Bundesinnenminister Thomas de Maizière. „Im Moment ist die Instanz, die entscheidet, wer nach Europa kommen darf, eine kriminelle Organisation: die Schlepper. Und das Auswahlkriterium ist das Portemonnaie des Flüchtlings“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe vom Dienstag. Das sei die inhumanste Konstellation.

          Wirtschaftliche Motive für die Flucht

          „Die Italiener untersuchen Vorwürfe gegen NGOs: Zum Beispiel, dass Schiffe ihre Transponder regelwidrig abstellen, nicht zu orten sind und so ihre Position verschleiern. Das löst kein Vertrauen aus. Mein italienischer Kollege sagt mir auch, dass es Schiffe gibt, die in libysche Gewässer fahren und vor dem Strand einen Scheinwerfer einschalten“, sagte der Bundesinnenminister weiter. Damit würden sie Schlepper das Ziel vorzugeben. Die Menschen, die kommen, seien vermehrt nicht vom Bürgerkrieg verfolgte Syrer oder Iraker, sondern Afrikaner, insbesondere Westafrikaner, die aus wirtschaftlichen Motiven nach Europa wollen. „Anders als bei Schutzbedürftigen besteht hier keine Bereitschaft bei uns und bei allen anderen Mitgliedstaaten zur Aufnahme“, sagte der Minister.

          Ruben Neugebauer, Pressesprecher von der Organisation Sea-Watch, wies Vorwürfe als „völlig haltlos“ zurück. „Wir stellen den Transponder nicht zielgerichtet ab“, sagte er. „Unsere Suchscheinwerfer schalten wir nur bei einem konkreten Rettungsruf aus der Notleitstelle in Rom ein.“

          Angesichts des andauernden Flüchtlingsandrangs aus Libyen sucht die EU intensiv nach neuen Gegenmaßnahmen. Die Außenminister der EU-Staaten hatten am Montag Ausfuhrbeschränkungen für Schlauchboote und Außenbordmotoren, die zum Transport von Migranten genutzt werden könnten, beschlossen. Zudem sollen die Vermögen von Hintermännern der libyschen Schleuserbanden eingefroren und deren Mitglieder mit Einreiseverboten belegt werden.

          Österreich bekräftigte seine Drohung, Grenzkontrollen an der viel befahrenen Route nach Italien einzuführen. „Wir machen den Brenner zu, wenn die Zahl der illegalen Einwanderer nach Österreich weiter steigt“, sagte Innenminister Sobotka der „Bild“. „Binnen 24 Stunden können wir mit Soldaten die Grüne Grenze abriegeln und mit Zoll und Polizei scharfe Grenzkontrollen realisieren.“ Schon jetzt sei „ein Drittel der in Österreich aufgegriffenen Migranten nicht in anderen EU-Staaten registriert worden“, sagte der Innenminister. „Das heißt: Sie wurden von kriminellen Banden auf illegalen Routen zu uns geschleust.“

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