https://www.faz.net/-gpf-ag427

Kickls FPÖ und Corona : Ungeimpft und stolz darauf

FPÖ-Chef Herbert Kickl bei einer Pressekonferenz in Wien am 9. September Bild: Reuters

FPÖ-Chef Herbert Kickl hat in Österreich Klage eingereicht, weil jemand behauptet hatte, er sei heimlich gegen Corona geimpft worden. Das will Kickl nicht hinnehmen. Denn seine Partei bemüht sich um Impfgegner.

          2 Min.

          Herbert Kickl, der Vorsitzende der rechten Partei FPÖ und frühere Innenminister Österreichs, hält es für „massiv ehrenrührig und kreditschädigend“, wenn jemand seine Darstellung in Zweifel zieht, er sei nicht gegen Covid geimpft. Kickl hat am Dienstag eine entsprechende Klage beim Handelsgericht Wien eingebracht. Sie richtet sich gegen Peter Rosam, Herausgeber einer kulinarischen Zeitschrift namens Falstaff. Weil Rosam als guter Bekannter von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gilt, wird er gelegentlich auch zu politischen Dingen befragt, so vergangene Woche auf der Onlineplattform Oe24. Und da sagte er, offensichtlich im Bewusstsein, dass das ein heikler Punkt ist, er habe gehört, Kickl sei „heimlich“ geimpft, „das wäre natürlich der Überhammer“.

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Die Sache ist deswegen heikel, weil Kickl sich in Österreich an die Spitze derjenigen gestellt hat, die alle Covid-Maßnahmen für grundlose Freiheitseinschränkungen halten und auch eine Impfung ablehnen. Im August zog er die Sinnhaftigkeit einer Impfung generell in Frage und rief stattdessen dazu auf, das Immunsystem zu stärken, beispielsweise mit „Vitaminpräparaten“, „mit Bitterstoffen zu arbeiten“, sich möglichst viel an frischer Luft zu bewegen „und einen zwischenmenschlichen Umgang zu pflegen, der nicht von Angst dominiert ist“. Er selbst sei ungeimpft und wolle das auch bleiben.

          Weiter nach außen als Kickl kann man kaum schwenken

          Seit er Norbert Hofer als Parteivorsitzenden gestürzt hat, hat sich die FPÖ hinter Kickl versammelt und trägt diese Fundamentalopposition in Sachen Corona mit. Allerdings mit Nuancen. Hofer selbst gab bekannt, er habe sich impfen lassen, weil er das für sinnvoll halte. Der oberösterreichische FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner, der selbst eine sehr schwere Covid-Erkrankung erlitten hat, äußerte sich ähnlich und blieb nur insoweit auf Kickls Linie, als er die Freiwilligkeit betonte. Haimbuchner ist in Linz Landesminister in einer ÖVP-FPÖ-Koalition, er ist sozusagen als Regierungsrechter ein Antipode zum Fundi Kickl. Kommenden Sonntag wird in Oberösterreich gewählt, spannend wird die Frage, wie die Haimbuchner-FPÖ abschneidet. Zumal dort auch eine Art Coronaleugner-Partei antritt, die in eine durchaus wahrnehmbare Größe angenommen hat.

          Österreichweit hat so eine Formation wenig Raum: Weiter nach außen als Kickl kann man kaum schwenken. Peinlich war allerdings dieser Tage die Enthüllung, dass nicht nur die Realos Hofer und Haimbuchner, sondern zahlreiche weitere Funktionäre der FPÖ längst geimpft sind. Umso wichtiger ist es Kickl, gerichtlich festhalten zu lassen, dass das Gerücht, er sei geimpft, „von vorn bis hinten erlogen ist“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Grund zur Freude: Franziska Giffey, Olaf Scholz und Manuela Schwesig am Morgen nach dem Wahlsonntag im Willy-Brandt-Haus in Berlin

          Regierungsbildung : Deutschland rückt nach links

          In Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin ist die Linke der bevorzugte Koalitionspartner, im Bundestag sitzen jetzt lauter Jusos. Auch die Grünen-Fraktion ist jünger und linker geworden. Was folgt daraus?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.