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Österreich und Russland : Keine Knickse mehr vor Putin

Ein Tänzchen mit Putin: Die damalige österreichische Außenministerin Karin Kneissl im August 2018 mit ihrem Hochzeitsgast aus Moskau. Bild: dpa

Wien kritisiert Moskau im Fall Nawalnyj und schließt Sanktionen nicht aus. Österreich hält aber an „Nord Stream 2“ fest.

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          Im August hat Österreich einen russischen Diplomaten ausgewiesen. Sein Verhalten habe „nicht der Diplomatenkonvention“ entsprochen, so lautete die diskrete offizielle Begründung. Der eigentliche Grund sickerte aber schnell durch: Der Russe war ein Spion. Ein Österreicher soll jahrelang Betriebsgeheimnisse eines Hightech-Unternehmens an ihn als Führungsoffizier verraten haben. Jedenfalls wurde ein Strafverfahren gegen den Österreicher in einer nichtöffentlichen Verhandlung mit einer Diversion (Absprache) und einer hohen Geldstrafe abgeschlossen. Anschließend wurde der Russe ausgewiesen. Wie immer war aus Moskau kein Schuldeingeständnis zu hören, sondern Empörung über die „unbegründete Entscheidung“.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Dass die Österreicher dem russischen Bären in dieser Weise auf die Tatzen getreten sind, ist sehr ungewöhnlich. Noch nie in der Zweiten Republik hat man einen russischen Diplomaten ausgewiesen. Auch als die Mehrzahl der EU-Länder 2018 auf den Nowitschok-Giftanschlag gegen Sergej Skripal auf britischem Boden mit der Ausweisung russischer Diplomaten reagierte, hielt man in Wien die Füße still. Bundeskanzler Sebastian Kurz verwies damals auf die österreichische Neutralität und die Tatsache, dass Wien Sitz vieler internationaler Organisationen sei. Außerdem habe das Land eine Tradition als Brückenbauer zu Russland bei gleichzeitiger fester Verankerung im Westen.

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