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Österreich : Erdrutschsieg für FPÖ bei Vorentscheid um Präsidentenamt

Auf dem Weg an die Spitze in Österreich: Norbert Hofer am Wahlabend in Wien Bild: dpa

Zeitenwende in Österreich: Die rechte FPÖ hat die erste Runde der Präsidentenwahl nach Hochrechnungen mit mehr als 36 Prozent klar gewonnen. Die Kandidaten der Regierungsparteien erreichten nicht einmal die Stichwahl.

          In Österreich hat der Kandidat der Rechtspartei FPÖ, Norbert Hofer, in der ersten Runde der Bundespräsidentenwahl einen klaren Sieg errungen. Hofer erhielt im vorläufigen Endergebnis 36,4 Prozentpunkte. Die von den Regierungsparteien SPÖ und ÖVP benannten Bewerber blieben mit jeweils 11,2 Prozent weit abgeschlagen zurück.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Die Entscheidung um das höchste Staatsamt fällt in einer Stichwahl am 22. Mai. Aussichten darauf, gegen Hofer in die Stichwahl zu gehen, hatten die parteilose frühere Höchstrichterin Irmgard Griss und der Grüne Alexander Van der Bellen. Beide lagen am frühen Sonntagabend dicht beieinander, am Ende belegte Van der Bellen mit 20,4 Prozentpunkten jedoch den zweiten Platz vor Griss (18,5) und nimmt somit an der Stichwahl teil.

          Zum ersten Mal seit 1945 hat damit kein Politiker der bisher bestimmenden Parteien SPÖ und ÖVP mehr die Chance, das Staatsoberhaupt zu stellen. In jeder Direktwahl hatten die beiden Parteien der großen Koalition zusammengenommen mehr als drei Viertel der Wähler hinter sich vereinigt, jetzt ist es nicht einmal mehr ein Viertel. Schon vor der Wahl war angesichts der schlechten Umfragewerte für die Kandidaten Andreas Khol (ÖVP) und Rudolf Hundstorfer (SPÖ) über mögliche Konsequenzen in Parteien und Regierung spekuliert worden.

          Gab sich vor Schließung der Wahllokale siegessicher und könnte bei der Stichwahl noch gegen Hofer antreten: die parteilose frühere Höchstrichterin Irmgard Griss am Sonntag in Wien

          Als Nachfolgekandidaten für den SPÖ-Vorsitzenden und Bundeskanzler Werner Faymann gelten der Chef der staatlichen Bahngesellschaft ÖBB, Christian Kern, sowie neuerdings Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil. Doskozil sagte allerdings kurz vor der Wahl in einem Gespräch mit der F.A.Z., dass er überhaupt erst ein Vierteljahr in der Bundespolitik tätig ist, dass er keinerlei weitere Ambitionen habe. Auch der ÖVP-Vorsitzende und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner steht unter innerparteilicher Kritik. Als Rivalen gelten Außenminister Sebastian Kurz und der Fraktionsvorsitzende Reinhold Lopatka.

          FPÖ mit bestem Ergebnis in bundesweiten Wahlen

          Die FPÖ feierte das bei weitem beste Ergebnis, das sie in bundesweiten Wahlen je erzielen konnte. Zwischen 1,5 und 1,6 Millionen der 6,4 Millionen Österreicher gaben dem Kandidaten der Freiheitlichen ihre Stimme. Deren Parteivorsitzender Heinz-Christian Strache hat in den letzten Jahren versucht, die FPÖ als nicht-radikale rechte Kraft nach dem französischen Vorbild des Front National Marine LePens zu positionieren.

          Hofer trat im Wahlkampf umgänglich auf, vertrat aber in der wichtigsten Sachfrage, der Migration, ohne Abstriche die migrationsabwehrende Politik der FPÖ. Bislang bekleidet er das Amt des dritten Nationalratspräsidenten. Hofer ist mit 45 Jahren der bei weitem jüngste der Kandidaten. Er ist in zweiter Ehe verheiratet und hat vier Kinder. Infolge eines Unfalls mit einem Gleitschirm ist er leicht gehbehindert.

          Lag nach den ersten Hochrechnungen knapp vor Griss auf dem zweiten Platz und könnte ebenfalls gegen Hofer in die Stichwahl gehen: der Grüne Alexander Van der Bellen

          Wie Strache gehört er einer Mittelschüler-Burschenschaft an. Insgesamt sechs Kandidaten standen zur Wahl. Neben Hofer, Griss, Van der Bellen, Hundstorfer und Khol bewarb sich der schillernde frühere Bauunternehmer Richard Lugner. Seine Kandidatur wurde jedoch eher als Kuriosum wahrgenommen, er erhielt auch nur 2,4 Prozent.

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