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Österreich : Mehr als Schuhplattler

  • -Aktualisiert am

Heinz-Christian Strache: Schafft er's? Bild: dpa

In Österreich liegt die FPÖ in Umfragen vorn. Sie hat, was gerade SPÖ und ÖVP derzeit nicht haben: Geschlossenheit, straffe Organisation, zugkräftige Themen - und eine klare Führungsfigur.

          Josef Klotz zieht die Augenbrauen hoch. Der ehemalige Bürgermeister von Leutasch in Tirol zweifelt am Erscheinungsbild seiner ÖVP - und an der Zugkraft ihres Vorsitzenden Michael Spindelegger, des österreichischen Außenministers und Vizekanzlers in der vom SPÖ-Chef, Kanzler Werner Faymann, geführten Koalitionsregierung. Edi Kiefl, Klotz' Nachbar, stimmt ihm zu. Die 2006 wieder aufgelegte und 2008 erneuerte „große“ Koalition, die demoskopisch keine mehr ist, bleibe in allen derzeitigen Umfragen knapp unter fünfzig Prozent Zustimmung. Mit Liesl und Irmgard, ihren Frauen, sind sich die beiden Rentner einig: Wenn sich SPÖ und ÖVP nicht am Riemen reißen und vor allem die ÖVP nicht aus ihrem anhaltenden Tief kommt, werden sie von den Freiheitlichen in der nächsten Nationalratswahl überflügelt. Wenn die FPÖ dann ohnehin nicht erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik den Kanzler stelle, so werde ihr Vorsitzender Heinz-Christian Strache doch bei der nächsten Regierungsbildung entscheidend mitreden.

          Dass Strache das Kanzleramt ansteuert, macht er bei jedem seiner Auftritte klar. Unlängst auf dem FPÖ-Parteitag in Graz riss er mit der Bekundung „Ja, ich stelle den Anspruch, denn ich bin davon überzeugt, ein besserer Kanzler für Österreich zu sein als dieser Herr Faymann“ die Delegierten zu Beifallsstürmen hin. Er werde als Kanzler nicht alles anders, aber vieles besser und gerechter machen. Und um seine Zuhörer sogleich von Déjà-vu-Gedanken an die ÖVP-FPÖ-Koalitionsbildung zu Jahresbeginn 2000 abzubringen, fügte er hinzu, dass er bei einem eventuellen Wahlsieg nicht gedenke, einer anderen Partei die Kanzlerschaft zu überlassen.

          Damals hatte Jörg Haider Wolfgang Schüssel den Einzug ins Kanzleramt ermöglicht, obwohl die FPÖ bei gleichem Mandatsstand mit der ÖVP die stärkere Partei war, da die Freiheitlichen 415 Stimmen mehr erhielten als die Volkspartei. Und wiederum als historische Reminiszenz - Haider war seinerzeit nicht selbst in die Regierung gegangen, sondern als Landeshauptmann in Kärnten geblieben - ließ Strache wissen, dass er in einer nach der nächsten Wahl zu bildenden Koalitionsregierung auch das Amt des Vizekanzlers übernähme: „Was auf einer Visitenkarte steht, ob Kanzler oder Vizekanzler, das ist völlig sekundär.“ Entscheidend sei, dass der Partner die unabdingbaren programmatischen Vorgaben der FPÖ im allfälligen Regierungsprogramm zu akzeptieren habe.

          Frühere Weggefährten: Strache mit Jörg Haider in Wien

          Das Parteiprogramm ist wieder „deutscher“

          Das neue Parteiprogramm, das Strache mitnimmt auf die Fahrt in eine eventuelle Regierung(sbeteiligung), ist mit seiner Beschränkung auf „zehn freiheitliche Gebote“ nicht nur kürzer als jedes FPÖ-Programm seit Gründung der Partei 1956. Es ist vor allem wieder „deutscher“ als das bisherige aus dem Jahr 1997, welches schon 2005 - nach der von Haider betriebenen Abspaltung des BZÖ (Bündnis Zukunft Österreich) - Korrekturen in diese Richtung erfuhr. Jetzt bekennt sich die FPÖ wieder zum national-freiheitlichen Wurzelwerk, das in den Freiheitskampf der 1848er Revolutionäre zurückreicht und starke antiklerikale sowie antihabsburgische (und also großdeutsche) Reflexe aufwies. „Sprache, Geschichte und Kultur Österreichs sind deutsch. Die überwiegende Mehrheit der Österreicher ist Teil der deutschen Volks-, Sprach- und Kulturgemeinschaft“, lautet der Schlüsselsatz, den Haider einst in die Fußnoten verbannen und durch das Bekenntnis zum „wehrhaften Christentum“ ersetzen ließ.

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