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Österreich : Haiders Schwester

  • -Aktualisiert am

Die neue FPÖ-Hoffnung: Haider mit Schwester Ursula Haubner Bild: AP

Nach dem Desaster bei der Europawahl haben Österreichs Freiheitliche eine neue Vorsitzende: Ursula Haubner, die Schwester des früheren Frontmannes Jörg Haider.

          Seit Jörg Haider zu zerstören gefiel, was er zwischen 1986 und dem Eintritt der bis dahin von ihm geführten Freiheitlichen in die Regierung mit der Volkspartei Anfang 2000 aufgebaut hatte, tauschte die FPÖ mit berserkerhaftem Zutun des Kärntner Landeshauptmanns ihre Spitzenleute aus, wie gemeinhin Hemden gewechselt werden.

          Auf Susanne Riess-Passer folgte in den Wirren des Koalitionsbruchs nach der von Haider gesteuerten Knittelfelder Insubordination der damalige Verteidigungsminister Herbert Scheibner. Dessen 13 Tage währender Interimsvorsitz im September 2002 wurde von jenem Mathias Reichholds bis Ende Oktober gerade mal um 27 Tage übertroffen.

          Weltanschauliche Zerrissenheit

          Auch Herbert Haupt, zunächst interimistisch, seit Dezember 2002 regulärer FPÖ-Obmann, ist zwischen Haiders verdeckter oder offener Vorgabe, was die Partei zu tun oder zu lassen habe, und dessen Zaudern, auch nominell die Parteiführung wieder zu übernehmen, letztlich aufgerieben worden. Ihn löst jetzt, da die Partei nach dem niederschmetternden Europawahlergebnis auch in der weltanschaulichen Zerrissenheit zwischen "Nationalen" und "Liberalen" wieder dort angekommen ist, wo sie 1986 stand, Ursula Haubner ab.

          Obwohl Haider damit wohl letztmalig den Sprung zurück an die Spitze der Freiheitlichen ablehnte, bleibt die Führung der Partei in der Familie. Seine ältere Schwester hat nicht nur als Staatssekretärin an der Seite des Sozialministers Haupt gewirkt, sondern die FPÖ in Wirklichkeit bereits geführt, da sie ihm nach den schweren Niederlagen bei den Landtagswahlen in Tirol und Oberösterreich im Oktober 2003 als geschäftsführende Obfrau (Vorsitzende) zur Seite gestellt worden ist.

          „Verläßliche Partnerin"

          Seitdem wirkte sie dort gewiß nicht ohne Absprache mit ihrem Bruder, wenngleich bekannt ist, daß sie in Geradlinigkeit, Eigenständigkeit und Zähigkeit einmal eingenommene Positionen vertritt. Gleichwohl ist sie ihrem Bruder "eine verläßliche Partnerin", besonders dann, wenn sie, bekannt für gemäßigte Wortwahl und verbindliche Art, kitten muß, was wegen seiner nicht selten unmäßigen, mitunter rauhen und verletzenden Diktion birst.

          Ursula Haubner wurde am 22. Dezember 1945 in Bad Goisern in Oberösterreich geboren. Die vormalige Hauswirtschaftslehrerin, Mutter und Großmutter, kam über die Kommunalpolitik in den oberösterreichischen Landtag und übersiedelte nach Wiederauflage der ÖVP/FPÖ-Koalition 2003 nach Wien.

          Keine ungeteilte Zustimmung

          Der versierten Sozialpolitikerin kommt es nun zu, ihrer angeschlagenen Partei wieder Selbstvertrauen zu geben. Mit Vizekanzler Hubert Gorbach war es ihr bis zum Europawahldesaster schon gelungen, zu einer partiellen Beruhigung in der - mit Ausnahme von Haiders Wahlsieg in Kärnten im März - von Niederlagen und Turbulenzen heimgesuchten Partei beizutragen. Mit ungeteilter Zustimmung kann Frau Haubner trotz einstimmiger Nominierung im Vorstand wohl nicht rechnen, zumal die "Nationalen", vom erfolgreichen Vorzugsstimmenwahlkampf des Publizisten Andreas Mölzer gestärkt, verhalten Distanz zu ihr anklingen ließen. Sie wird daher nicht umhinkönnen, Mölzer, den einzigen der FPÖ verbliebenen Europaabgeordneten, in jenen bereits angekündigten "Kreis der besten Köpfe" zu berufen, mit dem sie sich umgeben will und in dem ihr Bruder den Ton an- und die Marschrichtung vorgeben dürfte.

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