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Kurz trifft Moskaus Botschafter : Österreich erwägt Beschaffung von Sputnik V

Sebastian Kurz am Dienstag in Wien Bild: dpa

Wien erwägt eine Million Dosen Sputnik V zu kaufen. Eine Entscheidung sei jedoch noch nicht getroffen. Damit sollten Lieferengpässe bei den von der EU bestellten Vakzinen ausgeglichen werden.

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          Österreich erwägt sehr konkret, noch in diesem Monat in einen Kauf insgesamt einer Million Dosen des russischen Impfstoffs Sputnik V einzusteigen. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) traf sich zu diesem Thema in Wien mit dem russischen Botschafter zu einer Unterredung und sagte anschließend: „Wir sind auf den letzten Metern, und eine Bestellung von Sputnik kann wahrscheinlich schon nächste Woche erfolgen.“ Nach mehreren Wochen Gesprächen befinde man sich in der „Detailabstimmung“. „Wenn wir Sputnik bestellen, dann werden wir noch im April 300.000 Dosen, im Mai 500.000 Dosen und 200.000 Dosen Anfang Juni erhalten. Eine sehr zeitnahe Lieferung wäre hier somit möglich.“ Wien möchte damit die Ausfälle anderer Impfstoffe, die über die Europäische Union bestellt wurden, vor allem von Astra-Zeneca, ausgleichen.

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Österreich würde sich damit einigen anderen mitteleuropäischen EU-Ländern anschließen, die mit Russland bereits Lieferungen vereinbart haben, allen voran Ungarn, aber auch Tschechien und die Slowakei. Ob und gegebenenfalls wann Wien das tut, ob eine Zulassung durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA abgewartet oder ein nationales Notzulassungsverfahren in Gang gesetzt wird, ist aber noch völlig offen. Auch das Treffen Kurz‘ mit dem Botschafter gilt in Wien nicht als entscheidender Schritt. Eine Entscheidung würde von der gesamten ÖVP-Grüne-Regierung getroffen.

          Telefonat mit Putin

          Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat dazu geäußert, man prüfe „aktuell alle Möglichkeiten“, um möglichst rasch mehr Impfstoff zu erhalten. „Klar ist: jeder in Österreich eingesetzte Impfstoffe muss wirksam und sicher sein.“ Kurz ließ sich mit den Worten zitieren, es dürfe beim Impfstoff „keine geopolitischen Scheuklappen geben“. Einzig maßgeblich sei, ob er „wirksam und sicher ist, nicht woher er kommt“.

          Aus dem Bundeskanzleramt wurde bestätigt, es werde über die Lieferung von 300.000 Dosen im April, 500.000 Dosen im Mai und 200.000 Dosen Anfang Juni verhandelt. Es sei eine Vertraulichkeitsvereinbarung mit Russland zum Austausch von Dokumenten unterschrieben worden. Die österreichischen Gesundheitsbehörden würden Zugang zu den Dokumenten erhalten. Entschieden sei noch nichts.

          Kurz hat den Angaben zufolge am 26. Februar mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert und über mögliche Lieferungen von Sputnik V nach Österreich gesprochen. Anschließend habe es intensiven Kontakt mit den russischen Stellen, die für den internationalen Vertrieb des Impfstoffs zuständig sind, gegeben. Das Gesundheitsministerium und Finanzbehörden seien dabei eingebunden gewesen.

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