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Öltanker-Angriff : Die nächste Schlacht im Schiffskrieg zwischen Iran und Israel

Amtseinführung: Ali Chamenei und Ebrahim Raisi am 3. August in Teheran Bild: dpa

Nach dem Drohnenangriff auf einen Öltanker steuert Iran auf eine verschärfte Eskalation mit dem Westen zu. Mitten in diesem Konflikt ist Hardliner Ebrahim Raisi in das Präsidentenamt eingeführt worden.

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          Die Amtszeit des neuen iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi beginnt mit einem akuten Konflikt. Bei einem Drohnenangriff auf einen Öltanker sind am vergangenen Donnerstag nahe der Meerenge von Hormus zwei Besatzungsmitglieder, ein Rumäne und ein Brite, getötet worden. Zunächst hatte der iranische Staatssender al-Alam verlauten lassen, die Attacke sei eine Vergeltung für die israelischen Angriffe auf iranische Militärstellungen in Syrien. Der Tanker M/T Mercer Street, der von Daressalam nach Fudschairah am Eingang der Meerenge unterwegs war, fährt zwar unter liberianischer Flagge und er gehört einer japanischen Firma. Betrieben wird das Schiff aber von der Firma Zodiac Maritime, die dem israelischen Geschäftsmann Eyal Ofer gehört.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          Das iranische Außenministerium, noch geleitet von Spitzendiplomaten, die dem scheidenden Präsidenten Hasan Rohani nahestehen, ruderte am Montag dann zurück. Außenamtssprecher Saeed Chatibzadeh sagte, wer Belege für eine Täterschaft Irans habe, solle sie doch vorlegen. Iran jedenfalls weise alle Anschuldigungen zurück. Denn für „Unsicherheit, Terror und Gewalt“ sei Israel verantwortlich.

          Einen „schrecklichen Fehler“ begangen

          Der Ort des Angriffs und die Art der eingesetzten Drohnen, von denen eine unter der Schiffsbrücke des 183 Meter langen Tankers einschlug, machen eine Täterschaft Irans jedoch sehr wahrscheinlich. Darauf legte sich inzwischen der amerikanische Außenminister Antony Blinken fest, der den Angriff nicht unbeantwortet lassen will. Auch der israelische Ministerpräsident Naftali Bennett erwartet von der Staatengemeinschaft, Iran klarzumachen, dass es einen „schrecklichen Fehler“ begangen habe.

          Iran und Israel führen seit zwei Jahren einen Schiffskrieg. Zuletzt hat mutmaßlich Israel im April vor der Küste von Djibouti das iranische Schiff Saviz angegriffen und beschädigt. Der Angriff sei eine Vergeltung für vorangegangene Angriffe Irans gegen israelische Schiffe, hieß es. Eine Gefahr sind auch iranische Schnellboote, die neuerdings mit Kampfdrohnen ausgestattet sind. Erstmals sind in der vergangenen Woche Menschen bei solchen Angriffen zu Tode gekommen. Diese Eskalation dürfte es dem amerikanischen Präsidenten Joe Biden erschweren, in den Verhandlungen zu dem von seinem Vorgänger Donald Trump aufgekündigten Atomabkommen zu einer Einigung mit Iran zu kommen.

          Die iranischen Medien berichten über diesen Vorfall kaum. Zwar verfolgt die iranische Bevölkerung aufmerksam die Vergeltungsdrohungen Israels, der USA und auch Großbritanniens. Doch ihr Interesse gilt vorrangig ihren eigenen Problemen in Iran selbst. Offenbar wollte Raisi auf dies eingehen, als er bei seiner Amtseinführung ein vages Zehn-Punkte-Programm zu den drängendsten Problemen der Bevölkerung vorlegte. So hat selbst die offizielle Inflationsrate 43 Prozent erreicht, die Dürre verschärft die Wasserknappheit, und Iran steht vor dem Höhepunkt der fünften Pandemiewelle. Raisi, der bedauerte, die Hand Chameneis wegen der Pandemie nicht küssen zu können, wurde nirgends konkret. Chamenei forderte die Iraner auf, keine schnelle Besserung zu erwarten und geduldig zu sein.

          Keine Impfstoffe aus dem Westen

          Für den vergangenen Montag hat die Regierung 411 Covid-19-Todesfälle bekannt gegeben. Das Gesundheitsministerium rechnet in den kommenden Wochen mit einer täglichen Todeszahl von 600 bis 800. Geimpft sind weniger als acht Prozent der Bevölkerung. Ein Grund dafür ist, dass Chamenei den Import von Impfstoffen aus dem Westen grundsätzlich ablehnt. Ein weiterer Grund dürfte sein – darauf lassen Äußerungen Rohanis aus den vergangenen Tagen schließen –, dass sich die Führung von den Lockdowns erhofft hat, dass die Bevölkerung zu Hause bleibt und sie damit besser kontrollierbar ist. Das Gesundheitsministerium hat nun vorgeschlagen, das Militär solle einen zweiwöchigen harten Lockdown sicherstellen.

          Mit robusten Razzien unterdrücken derzeit die Sicherheitskräfte die Proteste, die sich wegen der Dürre und der sich zuspitzenden Wasserknappheit in der Provinz Chusistan entzündet haben. Da die meist arabischen Stämme der Provinz bewaffnet sind, werden blutige Auseinandersetzungen nicht ausgeschlossen. Seit einer Woche ist der Nachrichtenfluss aus Chusistan jedoch versiegt, weil das Regime das Internet in der Unruheprovinz völlig ausgeschaltet hat.

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