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Obdachlose Migranten : Odyssee in Bosnien

Das vorläufige Ende einer Odyssee: Migranten auf dem Weg zurück ins Lager Lipa, nachdem ihre Aufnahme in anderen bosnischen Städten gescheitert war. Bild: AP

In Bosnien irren Hunderte Migranten obdachlos umher. Der Ton der Menschen ihnen gegenüber ist ein ganz anderer als in Deutschland. Niemand will sie aufnehmen.

          7 Min.

          Bradina ist ein Dorf in Bosnien, gelegen etwa eine Dreiviertelstunde Autofahrt südwestlich von Sarajevo. Es ist für nichts berühmt, aber immerhin für etwas berüchtigt, auch wenn der Ort nichts dafür kann: In Bradina wurde im Jahr 1889 Ante Pavelić geboren, der spätere kroatische Faschistenführer und Massenmörder, der 1959 im spanischen Exil starb. Außerdem war das Dorf zu Beginn des Bosnien-Kriegs im Mai 1992 Schauplatz eines Massakers, bei dem mehrere Dutzend bosnisch-serbische Zivilisten von kroatischen und muslimischen Truppen ermordet wurden. 

          Das brennende Lager Lipa am 23. Dezember. Insassen hatten Feuer gelegt, nachdem bekannt wurde, dass das Lager geräumt würde.
          Das brennende Lager Lipa am 23. Dezember. Insassen hatten Feuer gelegt, nachdem bekannt wurde, dass das Lager geräumt würde. : Bild: AP
          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Seit dieser Woche gibt es ein drittes Ereignis, das mit dem Ort in Verbindung steht: Nachdem bekanntgeworden war, dass die Regierung in Sarajevo einige hundert Migranten auf einem Kasernengelände des Ortes unterbringen wollte, gingen die Leute in Bradina auf die Straße und protestierten dagegen. Man werde die Ansiedlung der Fremden in ihrem Ort nicht zulassen, teilten sie mit. Ihre Drohung muss glaubwürdig gewesen sein, denn die Regierung nahm von ihren Plänen schließlich wieder Abstand. Die betroffenen Migranten – vor allem Männer aus Südasien – irren seither in einem Land umher, das sie nicht will.

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