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Obamas Nominierungsparteitag : Krönungsmesse für einen Straßenkämpfer

Ungebrochenes Talent, für sich einzunehmen: Barack Obama am Montag in Louisiana, wo der amerikanische Präsident Getroffene des Hurrikans Isaac besuchte Bild: Reuters

Wenn die Nominierung gefeiert und das blau-weiß-rote Konfetti zusammengekehrt sind, wird man sehen, wie sich Barack Obama verändert hat. Aus dem Idealisten ist ein Straßenkämpfer geworden - nicht weniger gefährlich für seinen Konkurrenten als 2008.

          Auf die Frage, was eigentlich aus „Hoffnung und Wandel“ geworden ist, hat Barack Obama eine einfache Antwort: Die Republikaner sind schuld, dass daraus nichts geworden ist. Möglicherweise ist es nicht ganz so einfach; aber dass die Opposition den Präsidenten, der heilen und versöhnen wollte - freilich auf seiner Seite des politischen Feldes -, nicht mit Erfolgsmedaillen überhäufen wollte, das ist zweifellos richtig.

          Daher fällt die Bilanz Barack Obamas allenfalls gemischt aus; die vermeintlich größte Errungenschaft der ersten vier Jahre, die Gesundheitsreform, ist gleichzeitig sein größtes Handicap. Viel geblieben ist von der elektrisierenden Stimmung des Jahres 2008 nicht. Das Land ist so zerrissen wie eh und je, die Gegner schlagen unverdrossen aufeinander ein; die ideologische Polarisierung ist zur Grundkonstante der Politik der Vereinigten Staaten geworden.

          Eine Niederlage hätte biblische Dramatik

          Und so kämpft Barack Obama um seine Wiederwahl; die nationalen Umfragen geben ihm nur noch einen geringen Vorsprung vor seinem republikanischen Herausforderer Romney. Obama führt in einigen der sogenannten Schlachtfeld-Staaten, dort also, wo die Wahl entschieden wird. Dort investiert er Zeit, Geld und alle nur denkbaren Wahlkampfressourcen. Aber sicher kann er sich seiner Sache nicht sein.

          Man stelle sich vor, Obama würde nicht wiedergewählt: Dann teilte er das Schicksal des älteren Bush, der seine Niederlage 1992 vor allem dem Drittkandidaten Ross Perot zu „verdanken“ hatte, oder er wäre auf einer Stufe mit Jimmy Carter, dem glücklosesten aller demokratischen Präsidenten. Für einen Mann, der als Heilsbringer der Menschheit gefeiert wurde, wäre das ein Absturz von nicht minder biblischer Dramatik. Aber darauf sollte man nicht sein ganzes Geld wetten.

          Obama nimmt den Kampf auf

          Warum man darauf nicht wetten sollte, wird man von diesem Dienstag an auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten wieder erleben können. Selbst wenn der Slogan der Wahlkampagne 2012, „Vorwärts“, keinen Preis für Originalität verdient, so wird Barack Obama wieder sein großes Talent vorführen, andere zu begeistern und für sich einzunehmen. Und die Basis der Demokraten wird nicht (viel) weniger mobilisiert sein als die des Gegners.

          Wenn Obama offiziell zum Kandidaten der Partei nominiert und die Krönungsmesse gelesen ist, dann wird es heißen: Es ist der Präsident, der die Wahl verlieren kann. Man wird dann freilich auch sehen, wie das politische Geschäft Barack Obama verändert hat und wie sehr seine Transformation vorangeschritten ist. Aus dem Idealisten, dem sein Rivale das Etikett „gescheitert“ anzuhängen versucht, ist ein eiskalter Straßenkämpfer geworden.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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