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Obamas Krieg : Gegen den Terror der Islamisten

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Amerika hat keine Wahl: Präsident Barack Obama - im Hintergrund Außenminister John Kerry und UN-Botschafterin Samantha Power Bild: dpa

Vom Friedensnobelpreisträger zum „Kriegspräsidenten“: Barack Obama ist der zentrale Akteur in einem Konflikt, der viele Jahre dauern kann. Aber er hat keine Wahl; die Gefahr, die von dem „Islamischen Staat“ ausgeht, zwingt ihn zum Handeln.

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          Auf die Frage, was die größte Herausforderung für einen Staatsmann sei, soll Harold Macmillan geantwortet haben: „Ereignisse, mein Junge, Ereignisse.“ Offenkundig hatte der britische Premierminister die Erfahrung gemacht, dass Vorhaben, Pläne und Prioritäten dem Druck aktueller Ereignisse nicht unbedingt standhalten. Dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama wird Macmillans Quintessenz des Regierens wohl kaum durch den Kopf gegangen sein, als er vor der UN-Generalversammlung die Welt zum Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ aufrief. Aber auch Obama hat Erfahrungen gemacht, die in der Konsequenz nicht in sein ursprüngliches Konzept passen und ihn zu einer Neuordnung der Prioritäten zwingen.

          Vermutlich hätte es sich der Nachfolger George W. Bushs nicht vorstellen können, dass er einmal selbst als „nächster Kriegspräsident Amerikas“ tituliert werden würde - er, der seinen Einzug ins Weiße Haus zum nicht geringsten Teil dem Versprechen verdankt, das Gegenteil von Bush sein zu wollen. Allein dafür bekam er schon den Friedensnobelpreis. Jetzt ist er, ob er will oder nicht, der zentrale Akteur in einem Konflikt, der viele Jahre dauern kann.

          Ein „Krebsgeschwür“

          Die Weltläufte folgen nun mal nicht einem Wahlkampfmotto, und sei es noch so schön. Die Welt ist nicht „repariert“, sie droht vielmehr an vielen Stellen aus den Fugen zu geraten. Der islamistische Terror stirbt nicht ab, er stürzt Hunderttausende, ja Millionen ins Unglück; er ist ein „Krebsgeschwür“, von dem Staaten und Kontinente befallen sind.

          Und den Neustart, den Obama im amerikanisch-russischen Verhältnis anstrebte, hat die russische Expansion in der Ukraine zu einem politisch-diplomatischen Fiasko werden lassen. Über künftige Zusammenarbeit mit Russland spricht ein angesichts der Aggression Moskaus desillusionierter amerikanischer Präsident nurmehr konditioniert: Wenn Russland wieder den Weg der Diplomatie und des Friedens einschlage, sei Zusammenarbeit wieder möglich. Wenn!

          Aber es ist die dramatische Entwicklung im Nahen und Mittleren Osten, es sind Bilder von Enthauptungen und Berichte über Greueltaten, die Obama - und nicht nur ihn - zu dem Eingreifen zwingen, das er bislang zu vermeiden suchte: Er führt Krieg in einer Region, in der er Amerikas „Fußabdruck“ möglichst klein halten wollte. Das stand nicht in den Wahlkampfdrehbüchern der Jahre 2008 und 2012. Aber Obama hat keine Wahl; die Gefahr, die von dem „Islamischen Staat“ für Völker und Staaten in der Region und für westliche Interessen ausgeht, zwingt ihn zum Handeln.

          Dieses Engagement drängt andere Vorhaben in den Hintergrund und macht hochfliegende Pläne zu Makulatur: Was wird aus den Kürzungen im Verteidigungsetat? Es steht dahin, ob das Vorgehen gegen die Terrormilizen Obama zu neuem Ansehen bei den Wählern verhilft, die bislang an seiner Führungsfähigkeit zweifelten. Keinen Zweifel kann es allerdings daran geben, dass seine Präsidentschaft fortan eine neue Überschrift trägt.

          Obamas Führungsfähigkeit wird sich auch an der Form des Kampfes gegen den islamistischen Terror beweisen. Es ist unerlässlich, dass dieser Kampf auf einer möglichst breiten Basis steht, zumal der Terror keine Grenzen kennt. Nicht nur westliche Länder, vor allem arabisch-muslimische Länder müssen Teil dieser Allianz sein, die, wenn sie Erfolg haben soll, trotz Interessendivergenzen und Rivalitäten Bestand haben muss. Obama hatte vollkommen recht mit seinem Appell an die muslimische Welt, die Ideologie des Extremismus, die sich mit Al Qaida, „Islamischer Staat“ und anderen Terrororganisationen verbindet, ein für alle Mal zu ächten. Er hatte auch recht mit seinem Appell, den innerislamischen Religions- und Bürgerkrieg nicht nur nicht mehr anzufachen, sondern ihn zu beenden.

          Verstörende Faszination einer mörderischen Ideologie

          Das eine wie das andere ist auch nach „9/11“ gefordert worden. Nach den Angriffen auf New York und Washington war die Frage gestellt worden, was insbesondere in der arabisch-muslimischen Welt so „falsch“ laufe, dass junge Männer erst zu Massenmördern und als solche zu Volkshelden werden könnten. Als Grund war häufig ein Modernisierungsdefizit im weitesten Sinne identifiziert worden, verbunden mit einem seltsamen Gemisch aus Unterlegenheits- und Überlegenheitsgefühlen gegenüber dem Westen.

          Nach wie vor erliegen viele junge Muslime, auch im Westen, der verstörenden Faszination einer mörderischen Ideologie des Extremismus, die sich religiös drapiert und der vor allem Muslime zum Opfer fallen, wie das Beispiel Pakistan belegt. Deswegen müssen an erster Stelle die brodelnden muslimischen Gesellschaften selbst diesen Extremismus niederringen, selbst wenn die Auseinandersetzung lange dauern sollte. Bemänteln und rechtfertigen dürfen sie ihn nicht.

          Der Arabische Frühling von 2011 ist einem blutigen Winter gewichen. Die Aufbruchstimmung liegt unter Trümmern begraben. Der amerikanische Präsident wiederum wollte sich vor allem jenen Dingen widmen, die in Amerika im Argen liegen - nun befindet er sich (wieder) im Krieg gegen einen todbringenden Extremismus. Er braucht Standfestigkeit - und Verbündete, um den Krieg zu gewinnen.

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