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Obama-Rede : Wir, das Volk

Präzises Bild amerikanischer Wirklichkeit: Barack Obama bei Abschiedsrede Bild: Reuters

Ein eindringlicher Appell an die amerikanische Bevölkerung: Barack Obama hat eine brillante Abschiedsrede gehalten, die voller Wucht war. Damit zeigt er, wofür er in Erinnerung bleiben wird.

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          Welches Zeugnis würde sich Barack Obama, der erste schwarze Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten, selbst ausstellen? Befriedigend oder unbefriedigend, gerade so geschafft oder viel mehr als gedacht? Wenige Tage vor dem Auszug aus dem Weißen Haus hat Obama Bilanz gezogen, und die fiel aus seiner Sicht positiv aus: von der Überwindung der Rezession über die Neutralisierung der atomaren Bedrohung durch Iran bis zur Gesundheitsreform reichte seine Erfolgsgeschichte: Amerika sei heute ein besserer, ein stärkerer Platz als vor zu Beginn seiner Amtszeit. Das mag so sein. Aber wie viele Millionen Amerikaner, die Donald Trump gewählt haben, einen Mann, der von Unzufriedenheit, Zorn und Verdruss auf „die Eliten“ und „das System“ lebt, würden diese Feststellung wohl teilen?

          Klaus-Dieter Frankenberger

          Redakteur in der Politik.

          Tatsächlich stellte auch Barack Obama die dunklen Seiten und die Gefährdungen der amerikanischen Demokratie in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen in Chicago – Gefährdungen, die aus wirtschaftlicher Ungleichheit, der neuerlichen Entfremdung der Rassen, der sozialen, kulturellen und politischen Segregation sowie aus der Delegitimierung der Politik an sich erwachsen; aus der Verweigerung von Dialog und Kompromiss; die aus eigenen Wahrheitswelten entstehe. Es war ein ziemlich genaues Bild der amerikanischen Wirklichkeit, das Obama zeichnete, er, der die Amerikaner miteinander versöhnen wollte und doch ein zutiefst aufgewühltes, zerrissenes Land hinterlässt. Sein Nachfolger Trump wurde nicht beim Namen genannt, aber mehr als einmal konnte er sich angesprochen fühlen: als Obama zur Verteidigung der Werte und Grundprinzipien eines der Welt zugewandten Amerikas und zum Kampf gegen Extremismus, Intoleranz und Chauvinismus aufrief.

          Seine Abschiedsrede an das amerikanische Volk war brillant und voller emotionaler Wucht, so wie viele der Reden, die Barack Obama im Laufe der beiden Amtszeiten gehalten hat, im Lande selbst oder irgendwo auf der Welt. Dafür wird Obama, dessen Botschaft des Wandels so viele inspiriert hatte, ganz gewiss in Erinnerung bleiben. Der Appell an die „gewöhnlichen Leute“, für das Gemeinwesen einzustehen und Veränderungen ins Werk zu setzen, hatte etwas unerschrocken Optimistisches – nicht nur angesichts der autoritär-populistischen Unberechenbarkeit des neuen Präsidenten.

          Abschiedsrede Obamas : „Es war die Ehre meines Lebens“

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