https://www.faz.net/-gpf-6v8o2

Obama in Ostasien : Hurra, oje, Amerika ist da

Selbstbewusst: Obama verlässt Bali und lässt den mitgereisten Journalisten von einer siegreichen Gipfelschlacht berichten Bild: Reuters

Obama hat auf seiner Reise durch die Pazifikregion einige Pflöcke eingeschlagen. China zwängte er eine unbequeme Debatte über die Konflikte im Südchinesischen Meer auf.

          4 Min.

          Der pazifische Präsident kam, sah und siegte. So jedenfalls stellte ein amerikanisches Delegationsmitglied den Auftritt Barack Obamas dar, als er Journalisten auf dem Rückweg vom Ostasiengipfel, an Bord der „Air Force One“, unterrichtete. Der chinesische Premierminister Wen Jiabao, so wird der Regierungsvertreter von der „New York Times“ wiedergegeben, sei auf dem Gipfel in Bali von Amerika und den meisten asiatischen Staaten „in die Defensive“ gedrängt worden. „Grantig“ sei Wen gewesen, am Ende aber „konstruktiv“.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Zwei Tage lang hatte sich das tropische Konferenz-Ressort in die Bühne eines Machtkampfs verwandelt. Während Peking von vornherein deutlich gemacht hatte, dass es nicht über den schwelenden Territorialkonflikt im Südchinesischen Meer zu sprechen wünsche, nutzte Obama gleich die erste Gelegenheit, diesen Plan zu durchkreuzen.

          Er sehe diesen sechsten Ostasiatischen Gipfel, an dem die Vereinigten Staaten zum ersten Mal teilnehmen durften, als „Hauptarena“, um auch über die Sicherheit der Meere zu sprechen, sagte er nach seiner Ankunft in Nusa Dua. Zu diesem Zeitpunkt wusste man nur, dass der philippinische Präsident Aquino fest hinter Obama stand.

          Kampfansage an Peking

          Als die 18 Staats- und Regierungschefs am Samstag zum ersten Mal in dieser Formation zusammensaßen - jeder hatte nur einen Berater mitgebracht -, meldete sich einer nach dem anderen zu Wort, um eine „multilaterale Lösung“ des Territorialstreits zu fordern. Das kam einer Kampfansage an Peking gleich. China wollte nicht nur das Thema vermeiden, sondern strebt eine bilaterale Beilegung des Konflikts mit den betroffenen Staaten an. Nach 14 Redebeiträgen schaltete Obama sein Mikrofon ein und zog einen - amerikanischen - Strich unter das Gesagte: Weder habe Amerika Ansprüche im Südchinesischen Meer, noch beziehe es Partei, begann Obama seine kurze Rede.

          Sehr wohl hätte die Vereinigten Staten aber ein großes Interesse an der Sicherheit der Meere im allgemeinen und der im Südchinesischen Meer im besonderen - und zwar „als pazifische Anrainermacht, als Seenation, als Handelsnation und als Sicherheitsgarantiemacht in der Asien-Pazifik-Region“. Die Antwort Wen Jiabaos soll laut amerikanischer Angaben immerhin „ohne Tiraden“ ausgefallen sein. Wen habe zwar noch einmal wiederholt, dass der Gipfel nicht der geeignete Ort für die Debatte sei, aber er habe nicht mehr auf seiner Forderung beharrt, den Konflikt bilateral beizulegen. Womöglich hatte auch ein kurzfristig angesetztes Zwiegespräch zwischen Obama und Wen Wirkung gezeigt.

          Bilderstrecke

          Geklärt ist damit nichts, aber Washingtons verbucht schon einen ersten Etappensieg seiner neuen Pazifik-Offensive. China, so scheint es, wird nun erst einmal damit leben müssen, dass die Streitigkeiten unter Beteiligung Washingtons verhandelt werden. Der Konflikt um das Südchinesische Meer schwelt seit Jahrzehnten und führte gelegentlich zu Auseinandersetzungen. China reklamiert fast den gesamten Seeraum für sich, inklusive der öl- und gasreichen Spratley- und Paracel-Inseln und der zentralen Seehandelsrouten.

          Lokale Gebietsansprüche und zum Teil Stützpunkte unterhalten aber auch andere Staaten, darunter die Philippinen, Vietnam und Taiwan. Im Sommer ließ die autoritäre Regierung in Hanoi Demonstrationen gegen eine Aktion der chinesischen Marine zu, bei der zwei vietnamesische Explorationsboote zum Abdrehen gezwungen wurden. In den siebziger und achtziger Jahren war es zwischen Vietnam und China schon zu Gefechten um die Paracel-Inseln und um Gebiete der Spratleys gekommen. Auch die Philippinen waren in Scharmützel mit China verwickelt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Transatlantische Risse: Jens Stoltenberg, Angela Merkel und Donald Trump beim Nato-Gipfel im Dezember 2019 in Großbritannien.

          Trump und Europa : Es kann noch schlimmer kommen

          Schon jetzt ist dank Trumps Rhetorik und Politik des Spaltens viel Gift im transatlantischen Verhältnis. Sein möglicher Wahlsieg im November könnte den Westen nachhaltig schwächen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.