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Obama in London : Mehr Lob, mehr Last

„Sehr besondere” Verbindung: Obama und Königin Elisabeth II. im Buckingham Palast Bild: AFP

Die Briten freuen sich über das wieder erwachte Interesse Amerikas, dessen Präsident in London nicht müde wird, das bilaterale Verhältnis zu rühmen - und fragen nach dem Preis dafür.

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          Die „besondere Verbundenheit“ zwischen den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich ist anlässlich des Staatsbesuches des amerikanischen Präsidenten in London um eine ganze Handvoll weiterer Attribute bereichert worden. Es sei nicht nur eine besondere, sondern eine „unentbehrliche“ Partnerschaft, beteuerten Präsident Obama und Premierminister Cameron in einem gemeinsamen Zeitungsartikel, ja es sei eine „natürliche Partnerschaft“ und eine „felsenfeste“ dazu.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der britische Außenminister Hague hatte zuvor in einer Begegnung mit seiner amerikanischen Kollegin Clinton die Adjektive „einzigartig“ und „außerordentlich“ verwendet, auch ein „unverzichtbar“ probierte er aus, welches von Hillary Clinton alsbald wiederholt wurde.

          Die gegenseitigen Wortgirlanden verraten auf britischer Seite Erleichterung, deuten seitens des „besonderen Partners“ Amerika aber auch ein wiedererwachtes Bedürfnis nach britischer Unterstützung an. Vor mehr als zwei Jahren, als der neue charmante Präsident Obama sein ovales Büro im Weißen Haus bezog und dort als erstes die Churchill-Bronzebüste wegräumte, die sein Vorgänger Bush aufgestellt hatte, stockte den Briten der Atem. Düstere Ahnungen über das Britannien-Bild Obamas bestimmten diese Tage der Ungewissheit, schließlich hatte Obamas Großvater in Kenia einst unter Übergriffen der britischen Kolonialherren gelitten.

          Michelle Obama und die Königin

          „Heimkehr“ in ein tristes Durchgangsdorf

          Außerdem fiel es der damaligen britischen Führung - dem von eigenem Unvermögen und der dramatischen Finanzkrise geplagten Premierminister Brown - eher schwer, einen persönlich-wohlwollenden Kontakt zum neuen amerikanischen Präsidenten zu finden; erst nach langem Drängen gelang es Brown beispielsweise während einer UN-Tagung in New York, einen kurzen Gesprächstermin unter vier Augen mit Obama zu ergattern - der dann ohne viel Aufhebens in einer nahegelegenen Teeküche im UN-Hauptquartier stattfand.

          Und ein banger Moment ergab sich auch während der ersten Begegnung der britischen Königin mit dem amerikanischen Staatsoberhaupt und seiner Gattin: Michelle Obama legte der Queen im Hinausgehen freundlich die Hand um die Taille - ein protokollarischer Übergriff ohnegleichen, der aber am Ende doch eher als Freundschaftsgeste empfunden wurde. Immerhin empfing die Königin ein paar Monate später Madame Obama und ihre beiden Töchter auch privat im Buckingham Palace; die Kinder wurden sogar in einer Kutsche um den Palast chauffiert.

          Mittlerweile jedenfalls fühlt sich die britische Regierung zu neuen selbstbewussten Urteilen ermutigt: Die Verbindung zu Washington sei schon „sehr besonders“, stellte William Hague bereits vor ein paar Tagen fest, und fügte keck hinzu: „Ich glaube, je länger eine amerikanische Regierung an der Macht ist, desto mehr weiß sie das zu schätzen.“ Tatsächlich verfolgt Obama offenkundig gleich zwei Absichten mit den Schmeicheleinheiten, die er an seine Gastgeber richtet. Der erste, innenpolitische Zweck trat schon während der Stippvisite in Irland zu Beginn seiner Europa-Reise zutage.

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