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Obama bestürzt : Wachmann in Holocaust-Museum getötet

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Ein 88 Jahre alter Mann hat im Holocaust-Museum in Washington einen Wachmann erschossen. Der Mann soll schon in der Vergangenheit als Rassist und Antisemit aufgefallen sein. Präsident Barack Obama zeigte sich entsetzt.

          2 Min.

          Präsident Barack Obama, der erst vergangene Woche das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar besucht und dort die Holocaust-Leugner in aller Welt als gefährliche Feinde der Freiheit gebrandmarkt hatte, zeigte sich entsetzt. Ein mutmaßlicher Neonazi hat am Mittwoch bei einer Schießerei im Holocaust Museum einen schwarzen Wachmann erschossen. Der Vorfall zeige, „dass wir wachsam sein müssen gegenüber Antisemitismus und Vorurteilen aller Art“, hieß es am Abend in einer Erklärung Obamas.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Am Mittwoch ist zunächst lange völlig unklar, was vorgefallen ist. Der Interviewtermin im Holocaust-Museum - mit dem Herausgeber der neuen „Enzyklopädie der Lager und Ghettos von 1933 bis 1945“, Geoffrey Megargee - ist um zwei Uhr nachmittags. Weil der Straßenverkehr, zumal über die Potomac-Brücken, in Washington selbst um die Mittagszeit unberechenbar ist, macht man sich besser frühzeitig auf. Es ist kurz nach ein Uhr, und es sind nur noch wenige Meter bis zum Museum, als die Kreuzung zur Independence Avenue von der Polizei abgesperrt wird.

          Todesschütze ein Rassist

          Von den Nachrichtensendungen im Radio ist nicht zu erfahren, was vorgefallen ist. Im Holocaust-Museum nimmt niemand das Telefon ab, weder der Interviewpartner noch der Pressesprecher. Die Polizisten vor den gelben Absperrbändern wollen nur von einer „Security Situation“ im Museum wissen, hier komme jedenfalls niemand durch.

          Zum Zeitpunkt des Schusswechsels hielten sich in dem Museum mehrere tausend Menschen auf, darunter auch zahlreiche Schulkinder

          Gegen 13.30 Uhr gibt es die ersten dürren Meldungen von einer Schießerei im Eingangsbereich des Museums. Bald weiß man, dass der Mörder des 39 Jahre alten schwarzen Wachmanns Stephen Tyrone Johns der seit Jahrzehnten einschlägig bekannte 88 Jahre alte weiße Rassist, Antisemit und Holocaust-Leugner John von Brunn (Foto) ist. Von Brunn eröffnete im Eingangsbereich des Museums, wo sich die Sicherheitsschleusen befinden, kurz vor 13 Uhr mit einem Gewehr das Feuer auf Johns, ehe er von einem anderen Wachmann mit mehreren Schüssen niedergestreckt wurde. Am Donnerstag war der Zustand von Brunns weiter kritisch.

          Von Brunn unterhielt eine antisemitische Internetseite mit dem Titel „Das Heilige Westliche Reich“, veröffentlichte im Selbstverlag ein Buch, in welchem er zur Auslöschung der Juden und zur „Reinigung“ der weißen Rasse von Juden und Schwarzen aufrief. 1981 war von Brunn, mit einer Pistole bewaffnet, ins Gebäude der amerikanischen Zentralbank eingedrungen, um aus Zorn über hohe Zinsen Geiseln zu nehmen, den damaligen Gouverneur der „Fed“, Paul Volcker, eingeschlossen.

          Von Brunn wurde zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt - von „Neger-Geschworenen“ und einem „Juden-Richter“, wie er später schrieb. Im Wagen von Brunns, der offenbar alleine handelte und zuletzt in Annapolis in Maryland lebte, wurde nach dem Anschlag auf das Museum ein Notizbuch mit möglichen weiteren Anschlagszielen in Washington gefunden.Am Tag nach der Bluttat blieb das Museum, das seit 1993 allen Opfern des Nationalsozialismus sowie späterer Genozide gewidmet ist, aus Respekt vor dem erschossenen Wachmann geschlossen. Die Fahnen wehten auf halbmast. Und es begann die Debatte aufs Neue, ob das den meisten Amerikanern fast schon heilige Recht auf die freie Meinungsäußerung nicht doch eingeschränkt werde müsse - wenn es etwa um die Leugnung des Holocausts und um Rassenhass gehe. Auf einschlägigen Internetseiten amerikanischer Neonazis wurde die Tat von Brunns mit „Sieg Heil!“ kommentiert.

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