https://www.faz.net/-gpf-a29va

Proteste in Belarus : Lukaschenka bleibt nur noch die Gewalt

Spezialeinheiten der Polizei rücken am späten Abend des 11. August in Minsk gegen Demonstranten vor Bild: AP

Dass der Herrscher in Belarus im eigenen Volk keine Unterstützung mehr hat, macht ihn noch abhängiger von Russland. Die EU sollte jetzt schnell Sanktionen beschließen, die für das Regime schmerzhaft sind.

          3 Min.

          Aleksandr Lukaschenka lässt seine Wahlkommission behaupten, er habe die Präsidentenwahl in Belarus am Sonntag mit dem gleichen Ergebnis gewonnen wie die Wahl vor 26 Jahren, durch die er an die Macht gekommen ist: 80 Prozent der Stimmen. Damals war das Ergebnis echt – es war die einzige freie Wahl, die Belarus je erlebt habt. Jetzt ist es eine Farce, die jeden Abend unzählige Menschen in Minsk und vielen anderen Städten zum Protest auf die Straßen treibt – obwohl sie wissen, was sie dort erwartet: Maskierte Spezialkräfte der Polizei, die willkürlich Bürger verhaften, mit Schlagstöcken enthemmt auf wehrlos am Boden liegende Demonstranten einprügeln, Autofahrer aus ihren Autos zerren, mit Leuchtgranaten und Gummigeschossen in die Menge zielen.

          Die brutalen Szenen aus Minsk sind die dramatische Kündigung des stillschweigenden Gesellschaftsvertrags, der eine der beiden Säulen war, auf denen Lukaschenkas Herrschaft über Belarus über ein Vierteljahrhundert geruht hatte. Als Lukaschenka 1994 an die Macht kam, bestand sein Versprechen in einer Rückkehr zu der relativen sozialen Sicherheit der Sowjetunion, die verlorengegangen war.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            im F.A.Z. Digitalpaket

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Wo geht es lang? Wegweiser zu einer kommunalen Zulassungsstelle

          Warten aufs Nummernschild : Chaos in der Zulassungsstelle

          Wer sein Auto zulassen will, muss wegen der Corona-Einschränkungen teils wochenlang auf einen Termin beim Amt warten. Bürger verzweifeln, Händler und Industrie toben. Was läuft da schief? Ein Ortstermin.