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Nukleargipfel in Seoul : Obama warnt vor Atomterrorismus

Barack Obama auf dem Nukleargipfel in Seoul Bild: AFP

Der amerikanische Präsident Obama hat vor der Bedrohung durch atomaren Terrorismus gewarnt. Auf dem Nukleargipfel in Seoul forderte er Nordkorea und Iran auf, auf ihre Atomwaffenprogramme zu verzichten. China rief Washington zur Mäßigung auf.

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          Begleitet von Warnungen an die Regierungen in Nordkorea und Iran hat der amerikanische Präsident Obama auf dem zweiten Weltgipfel für nukleare Sicherheit vor der Bedrohung durch den Terrorismus gewarnt. Atomarer Terrorismus bleibe für die Menschheit „eine der größten Bedrohungen“, sagte Obama am Montag in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Es gebe auf der Welt genug atomares Material für mehrere Atomwaffen „ohne angemessene Schutzvorkehrungen“. „Terroristen und kriminelle Banden versuchen die Kontrolle darüber zu bekommen.“ Zugleich forderte er die Regierungen in Nordkorea und Iran auf, auf ihre Atomwaffenprogramme zu verzichten.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Nordkorea müsse den Mut haben, nach Frieden zu trachten, sagte Obama vor Beginn des Gipfeltreffens über atomare Sicherheit in einer Rede vor Studenten in Seoul. Das Regime in Pjöngjang solle auf den im April geplanten Abschuss einer Rakete verzichten, mit denen Nordkorea nach offiziellen Angaben nur einen Satelliten ins Weltall schießen will. „Es sollte jetzt klar geworden sein, dass ihre Provokationen und das Streben nach Atomwaffen nicht die Sicherheit gebracht haben, die sie erreichen wollten“, sagte er.

          Es gebe in der Welt keine Belohnung für Provokationen mit Atomwaffen mehr. Nordkorea hatte 2006 und 2009 je einen Atomwaffentest unternommen, auf den der UN-Sicherheitsrat mit verschärften Sanktionen reagiert hatte. An Iran gerichtet sagte der amerikanische Präsident, es sei noch immer Zeit für eine diplomatische Lösung des Streits über die drohende atomare Bewaffnung des islamischen Landes durch die Diplomatie. „Doch die Zeit ist kurz“, warnte Obama.

          Obama sagte zudem, er wolle im Mai mit dem russischen Präsidenten Putin über eine weitere Reduzierung der Atomwaffen der beiden Mächte sprechen. Amerika könne sein Atomwaffenarsenal weiter abbauen, ohne seine Sicherheit und die Sicherheit seiner Verbündeten zu gefährden, sagte er.

          Hu ruft Amerika zu Mäßigung auf

          Bundesaußenminister Westerwelle mahnte Nordkorea und Iran ebenfalls und sprach sich für eine Welt ohne Atomwaffen aus. In einer Rede an der Universität Hanyang sagte er, das bedeute auch, Nordkorea davon abzuhalten, „die Welt mit seiner nuklearen Strategie zu bedrohen“. Auch Iran müsse dazu gebracht werden, vollständig und transparent mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zusammenzuarbeiten.

          Der harte Kurs des amerikanischen Präsidenten gegenüber Iran stieß während des Gipfeltreffens, das am Abend begann, nicht überall auf ungeteilte Zustimmung. Chinas Präsident Hu Jintao rief die Vereinigten Staaten zur Mäßigung auf. Alle Seiten müssten Ruhe bewahren, damit die Lage nicht außer Kontrolle gerate, sagte er. Auch Japan hat Bedenken gegen einen zu harten Kurs. Das Land hängt bei der Ölversorgung zu mehr als 80 Prozent von Lieferungen aus der Golfregion ab. Jede Verschärfung des Konflikts birgt daher große Risiken für die japanische Wirtschaft in sich. Der japanische Regierungschef Noda wollte die Konferenzteilnehmer nach Informationen aus Tokio über eine deutliche Verschärfung der Sicherheitsbestimmungen gegen mögliche terroristische Angriffe informieren.

          Erst vor kurzem waren die Schutzmaßnahmen Japans gegen atomaren Terrorismus von einer unabhängigen Kommission zur Untersuchung der Atomkatastrophe in Fukushima als unzureichend kritisiert worden. So seien mindestens 50 Arbeiter in Fukushima bei den Aufräumungsarbeiten der havarierten Atomreaktoren beteiligt gewesen, von denen nicht einmal die Lebensläufe bekannt gewesen seien. Noda kündigte in Seoul an, die Sicherheitsstandards an Atomkraftwerken zu verstärken. Zudem soll es künftig nicht nur um Atomkraftwerke Sperrzonen geben, sondern auch um atomare Forschungseinrichtungen. Zudem sollten die Computersysteme von Atomanlagen besser geschützt werden.

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