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NRW-Ministerpräsident in Rom : Ein Heimspiel für Armin Laschet

Armin Laschet bei seinem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte am Mittwoch in Rom Bild: dpa

Bei seiner Rom-Reise wird der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen behandelt wie ein Staatenlenker der europäischen Oberklasse. Laschet selbst betont die engen Verbindungen zu Italien – und die Bedeutung der Treffen mit Papst Franziskus für ihn.

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          Wenn an deutschen Auslandsvertretungen der Tag der Deutschen Einheit begangen wird, gibt es gewöhnlich bei einer Party in der Botschaftsresidenz für viele viel zu essen und zu trinken. Seit Jahr und Tag ist es üblich, dass die einzelnen Bundesländer reihum so etwas wie die Patenschaft für Einheitsfeiern in wichtigen Ländern übernehmen: Sie liefern regionaltypische Speisen und Getränke, gerne auch Musik dazu. Das kostet die Bundesländer zwar Geld, hat aber einen Werbeeffekt.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Dieses Jahr war bei den Feiern zu 30 Jahren Einheit in Italien Nordrhein-Westfalen als Pate beziehungsweise Ausrichter an der Reihe. Weil es in Rom gleich zwei diplomatische Vertretungen mit jeweils eigener Residenz gibt – die bilaterale sowie die beim Heiligen Stuhl –, hätte Düsseldorf gleich zwei Partys von ordentlicher Größe ausrichten dürfen. Weil aber im Pandemiejahr 2020 vieles anders ist, mussten die geplanten Partys zu Abendessen im kleinen Kreis geschrumpft werden – unter Einhaltung der einschlägigen Abstands- und Hygieneregeln.

          Vertraut mit europäischer Außen- und Sicherheitspolitik

          Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ist ungeachtet der komplizierten Pandemie-Umstände dennoch wie geplant zu den Einheitsfeiern nach Rom gekommen. Den Ausflug in die italienische Hauptstadt mitten in der heißen Phase der Kampagne um den CDU-Vorsitz konnte sich Laschet gefahrlos leisten. In Berlin war er am Mittwoch, dem ersten Tag seiner Romreise, auch als Abwesender überaus präsent: bei der Vorstellung der von zwei Journalisten verfassten Biographie über ihn durch den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder.

          Überhaupt vermittelte Laschet in Rom den Eindruck, dass diese Auslandsreise sowieso ein Heimspiel sei. Mit europäischer Außen- und Sicherheitspolitik, auch mit dem leidigen Streit um eine gemeinsame EU-Migrationspolitik im Mittelmeerraum, vom Maghreb bis zur Levante, ist Laschet seit seinen Tagen als Europaabgeordneter vertraut. Also seit gut zwei Jahrzehnten. Wie schlimm Länder wie Italien (eher mäßig) und Griechenland (eher sehr) mit dem Migrationsproblem überfordert sind, wie man mit autokratischen Herrschern in der Türkei, in Russland und anderswo umgehen soll (eher leise mit ihnen reden statt sie bloß auszuschimpfen), dazu hat der gelernte Realpolitiker Laschet seine erfahrungsgesättigten Überzeugungen.

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          Als Regierungschef des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes, das zum Beispiel mehr Einwohner hat als 21 der 27 EU-Mitgliedsstaaten, steht Laschet bei Auslandsreisen sowieso die Behandlung eines Staatenlenkers der europäischen Oberklasse zu. Die wurde ihm in Rom auch zuteil. Schon vorab hatte ihn das Mailänder Blatt „Corriere della Sera“ zum Interview geladen, und gleich zum Auftakt wurde Laschet am Mittwoch von Ministerpräsident Giuseppe Conte im Palazzo Chigi empfangen. Laschet sprach sich nach dem Treffen für gemeinsame deutsch-italienische Projekte zum „Wiederaufbau“ nach der Pandemie aus. Als Beispiele nannte Laschet die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung sowie Infrastrukturprojekte.

          Auch bei der Entwicklung der Wasserstofftechnologie könne man von Synergien profitieren, zuvörderst zwischen Italien und Deutschland, aber auch im gesamten Mittelmeerraum und mit den arabischen Ländern, zu denen Italien traditionell gute Beziehungen unterhalte. In Rom wisse man es wohl zu schätzen, so Laschet, dass sich gerade Deutschland und Frankreich für den monumentalen „Recovery Fund“ der EU eingesetzt hätten, von dem Italien mit 209 Milliarden Euro einen Riesenanteil erhalten soll.

          Zweite Privataudienz beim Papst

          Deutschland hänge „als exportstarker Industriestandort maßgeblich vom wirtschaftlichen Erfolg Italiens ab“, hatte Laschet dem „Corriere“ gesagt und angefügt: „Deutschland und alle anderen europäischen Länder können nur stark sein, wenn auch Italien und der Süden Europas stark sind.“

          Am Donnerstagvormittag empfing Papst Franziskus Laschet zu einer Privataudienz im Vatikan. Für ihn als Katholiken seien Begegnungen mit dem Heiligen Vater immer von besonderer Bedeutung, hatte Laschet am Vorabend des Treffens mit Franziskus gesagt. Da die Ministerpräsidenten der Bundesländer – neben dem Bund – eigenständige Konkordats-Partner des Heiligen Stuhls sind, gehören Privataudienzen beim Papst, dem Oberhaupt des Kirchenstaates, für die deutschen Länderchefs fast schon zum diplomatischen Routineprogramm bei Visiten im Vatikan.

          Für Laschet war es die zweite Privataudienz bei Franziskus. Bei der ersten, im Mai 2018, war es vor allem um das friedliche Zusammenleben der Religionen, die Lage im Nahen Osten und in Syrien sowie um die Aufnahme von Flüchtlingen gegangen. Mit Blick auf die neue Enzyklika „Fratelli tutti“, die Franziskus am Wochenende in Assisi vorstellen wird, dürfte es bei der Begegnung Laschets im Vatikan auch um die Bewältigung und die Folgen der Pandemie gegangen sein.

          Nach der Audienz beim Papst sprach Laschet im Vatikan außerdem noch mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, dem „Ministerpräsidenten“ des Heiligen Stuhls. Für Donnerstagnachmittag war die Begegnung mit Außenminister Luigi Di Maio vorgesehen. Und am Abend schließlich, zum Abschluss des großen Besuches, die Einheitsfeiern im verkleinerten Kreis.

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