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NRA-Chef Wayne LaPierre : Ein treffsicherer Lobbyist

  • -Aktualisiert am

Unbeugsam: NRA-Leiter Wayne LaPierre bei einer Konferenz konservativer Aktivisten im Februar Bild: AFP

Wayne LaPierre gilt eigentlich nicht als Waffennarr, wurde gar bei Schießübungen ausgelacht. Doch als Leiter der mächtigen Waffenlobby NRA lacht keiner mehr über ihn.

          Zuletzt hatten sich viele Amerikaner Ende 2012 eingeredet, dass ein Weiter-so im Waffenrecht unvorstellbar sei. In Connecticut hatte ein Amokläufer zwanzig Grundschüler und sieben Erwachsene erschossen. Präsident Obama weinte im Weißen Haus. Republikaner arbeiteten mit Demokraten Vorschläge aus, um bestimmte Sturmgewehre zu verbieten und mehr Waffenkäufer zu überprüfen. Dann zog Wayne LaPierre die Notbremse. „Das Einzige, was einen Bösen mit einer Schusswaffe aufhält“, erklärte der Chef der „National Rifle Association“ (NRA) Tage nach dem Schulmassaker, „ist ein Guter mit einer Schusswaffe.“ Im Kongress ließen LaPierre und seine Mitarbeiter keine Zweifel aufkommen: Schon ein Votum dafür, überhaupt eine Debatte über das Waffenrecht im Plenum zuzulassen, werde Senatoren eine schlechte Bewertung einbringen. Denn regelmäßig benotet die NRA die „Verfassungstreue“ von Politikern.

          Das bekommt jetzt der Bundesstaat Florida zu spüren. Die NRA klagt gegen ein Gesetz, das den Gebrauch und Erwerb von Schusswaffen strikter regelt. Die Organisation sieht darin einen Verstoß gegen den zweiten Verfassungszusatz.

          Ihre Machtposition hat sich die NRA unter LaPierres Führung erarbeitet. Seit 1991 leitet der Achtundsechzigjährige die Organisation als geschäftsführender Vizepräsident, für die er seit mehr als 40 Jahren arbeitet. Das ist eine sonderbare Karriere für einen Mann, der eher Aktenfresser als Waffennarr, eher Stratege als mitreißender Redner ist. Im Gegensatz zu vielen Nachbarn im ländlichen Virginia ging LaPierre als junger Mann ungern auf die Jagd. Auch in den Streitkräften hat er nie gedient; die Einberufung nach Vietnam konnte er vermeiden. Bei der NRA wurde LaPierre anfangs von den Kollegen ausgelacht, wenn er am Schießstand die Pappkameraden verfehlte.

          Umso treffsicherer erwies sich der Politologe als Lobbyist. Nach dem Schulmassaker von Parkland benutzt Präsident Trump heute NRA-Sprachregelungen und verlangt die „Härtung“ der Schulen durch Bewaffnung von Lehrern. LaPierre wirft derweil den Demokraten und Medien vor, die „Tragödie“ in Florida „auszunutzen“, um unbescholtene Bürger zu entwaffnen und so ihrer Freiheit zu berauben. Vor konservativen Aktivisten schlug er kürzlich den gleichen Ton an wie 2012, als er vor einer „massiven Obama-Verschwörung“ zur Beschlagnahmung aller Waffen warnte. Jetzt freilich regiert im Weißen Haus ein Unterstützer, der LaPierre sogleich für seine Rede rühmte: „Viele Leute begreifen einfach nicht“, twitterte Trump, „dass Wayne . . . und die Leute von der NRA großartige amerikanische Patrioten sind. Sie lieben unser Land und werden das Richtige tun.“

          In dieser Umarmung liegt für LaPierre die größte Gefahr – denn selbst Trump hatte sich beispielsweise offen dafür gezeigt, das Mindestalter für den Kauf von Sturmgewehren auf 21 Jahre zu erhöhen. Auch wenn der Präsident gerade wieder davon abrückt, Wayne LaPierre erklärt solche Ideen aber seit Jahr und Tag zu Teilen einer „sozialistischen Agenda“. Er wird alle Hebel in Bewegung setzen, um auch diesmal Reformen zu verhindern.

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