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Kosovo-Serbien-Abkommen : Normal ist das noch nicht

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Eine Brücke, die nicht verbindet: Die Serben im nördlichen Teil der Stadt Mitrovica haben sich abgeschottet gegen kosovarische Einflüsse Bild: dpa

Ein Brüsseler Handschlag bedeutet den Serben im Nord-Kosovo wenig. Sie befürchten, dass ein Abkommen zwischen Belgrad und Prishtina ihnen das Leben im Alltag noch schwerer machen wird.

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          Auf der Brücke über den Ibar versperren noch immer Betonblöcke und Geröllhaufen die Fahrbahn. Schon vor zwei Jahren hatten Serben aus Mitrovica-Nord die Barrikaden aufgeschüttet, um den Abzug aller der kosovarischen Regierung gehorchenden Zöllner und Polizisten von den Grenzübergängen zu erzwingen. Soldaten der internationalen Schutztruppe Kfor räumten die meisten Barrieren gegen erbitterten Widerstand beiseite.

          Doch diese eine Blockade blieb stehen. Denn von der Normalisierung zwischen Serben und Kosovaren, die im April in Brüssel beschlossen wurde, ist in der ethnisch geteilten Stadt im Norden des jungen Staates nichts zu spüren. Die etwa 13.000 Serben im nördlichen Teil der Stadt stemmen sich gegen jede Form von Einmischung in ihre Angelegenheiten. Sie leben in ständiger Angst vor den verhassten Nachbarn auf der anderen Seite des Flusses.

          Nach Jahren des schwelenden Konflikts haben die Ministerpräsidenten Serbiens und des Kosovos, Ivica Dačić und Hashim Thaçi, in diesem Frühjahr unter dem sanften Druck der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton ein Abkommen über die Normalisierung ihrer Beziehungen ausgehandelt. Es besagt, dass sich die mehrheitlich serbischen Gemeinden und Enklaven im Kosovo zu einem Gemeindeverbund mit weitgehenden Vollmachten zusammenschließen dürfen.

          Ein Besuch in einer improvisierten Parallelwelt

          Im Gegenzug müssen sie sich in den kosovarischen Staat eingliedern und serbische Parallelstrukturen aufgeben. Das 15 Punkte umfassende Abkommen vom 19. April wird schon jetzt als historisch bezeichnet, obwohl die Details der Vereinbarung und die Schritte zu ihrer Verwirklichung noch längst nicht ausgehandelt sind. Viele der insgesamt wohl gut 100.000 Serben in den serbischen Gemeinden im Kosovo jedenfalls fürchten um ihre Arbeitsstellen und ihre Freiheit. Manche drohen, sich dem Normalisierungsplan zu widersetzen.

          Das wäre fatal für Belgrad, denn die EU, die in dieser Woche über den offiziellen Beginn von Beitrittsverhandlungen mit Serbien entscheidet, fordert einen reibungslosen Ablauf. Ein Gang durch das nördliche Mitrovica gleicht einem Besuch in einer improvisierten Parallelwelt. Seit dem Ende des Kosovo-Krieges 1999 haben sich die Serben hier mit eigenen Schulen, eigener Polizei und Justiz eingerichtet. Die serbische Universität und das Krankenhaus sind die größten Arbeitgeber. Die neu erbaute serbisch-orthodoxe Kirche auf einem Hügel wird nachts aufwendig angestrahlt und ist von dem albanischen Teil der Stadt aus sichtbar.

          In den meisten Straßen zwischen den Wohnblocks bleibt es jedoch dunkel. Viele Häuser haben eigene Wassertanks, manche eigene Generatoren; Wasser und Strom fallen gerade nachts oft aus. Es ist ein unbequemes und vergleichsweise teures Leben in dieser Trutzburg am Rande des Kosovos. Als Entschädigung hat Belgrad den Kosovo-Serben bisher höhere Gehälter gezahlt, 150 Prozent der in Serbien üblichen Bezüge. Außer diesen Beamtengehältern gibt es in Mitrovica-Nord kaum Verdienstmöglichkeiten.

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