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Nordzypern : Von Erdogan unterstützter Tatar gewinnt Präsidentenwahl

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Anhänger des türkischen Nationalisten Ersin Tatar (l.) freuen sich über dessen Wahl in Nordzypern. Bild: AFP

Ersin Tatar hat die Stichwahl in der international nicht anerkannten Republik Nordzypern für sich entschieden. Der von Ankara unterstützte Kandidat setzte sich gegen Mustafa Akinci durch und will eine Zwei-Staaten-Lösung vorantreiben.

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          Die international nicht anerkannte Republik Nordzypern hat einen neuen Präsidenten gewählt. Die Wähler stimmten nach vorläufigem Endergebnis mit 51,47 Prozent der Stimmen für den bisherigen Regierungschef Ersin Tatar, wie der türkisch-zyprische Staatssender BRT am Sonntag berichtete. Tatar von der konservativen Nationalen Einheitspartei (UBP) setzte sich in einer Stichwahl gegen seinen Herausforderer und den bisherigen Präsidenten der geteilten Mittelmeerinsel, Mustafa Akinci, durch. Der unabhängige Akinci erhielt 48,26 Prozent der Stimmen. Der 72 Jahre alte Politiker gestand seine Niederlage ein.

          Tatar, der von Ankara unterstützt wird, tritt für eine Zwei-Staaten-Lösung ein; mit dem griechisch dominierten Süden und dem türkischen Norden als eigene Nationen. Akinci vertritt dagegen die Position, dass eine Vereinigung trotz Schwierigkeiten der einzige Weg zum Frieden sei. Er hatte der Türkei vorgeworfen, sich zu Gunsten von Tatar in die Wahl eingemischt zu haben. „Wir wissen, dass Dinge passiert sind, die nicht hätten passieren sollen“, sagte Akinci nach seiner Stimmabgabe. In einer Rede am Abend sagte der scheidende Präsident: „Wir haben eine Wahl durchgemacht, die nicht normal war ... Dieses Ergebnis bedeutet das Ende meiner 45-jährigen politischen Karriere. Ich wünsche unserem Volk alles Gute.“

          Zu der Stichwahl war es gekommen, weil bei der Abstimmung eine Woche zuvor kein Kandidat die erforderliche absolute Mehrheit der Stimmen erreicht hatte. Bei der ersten Wahlrunde war Tatar mit 32,35 Prozent der Stimmen ebenfalls auf den ersten Platz gekommen. Akinci wurde mit 29,84 Prozent Zweiter. Die Partei des Drittplatzierten Tufan Erhürman hatte sich nach dem ersten Wahlgang hinter Akinci gestellt. Insgesamt hatten sich elf Kandidaten zur Wahl gestellt. Rund 200.000 Menschen waren zur Stimmabgabe aufgerufen.

          Die Wahl fand inmitten eines Streits zwischen der Türkei mit Griechenland und der Republik Zypern um Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer statt. Zypern ist seit 1974 nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention geteilt. 1983 erklärten sich die türkischen Zyprer im nördlichen Drittel der Mittelmeerinsel für unabhängig. Das wird nur von der Türkei anerkannt, die dort militärisch noch immer stark vertreten ist. Im Süden der Insel sitzt die international anerkannte Regierung von Zypern, die Teil der EU ist. Die Republik Zypern gehört seit dem 1. Mai 2004 zur Europäischen Union.

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