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Energiekrise : Dreht Russland uns das Gas ab?

Erdgasdämmerung: In Lubmin erreicht russisches Gas deutschen Boden. Noch. Bild: dpa

Nord Stream 1 wird wegen einer Wartung geschlossen. Falls Russland die Leitung dann nicht wieder öffnet, wird es eng. Aber es gibt einen Ausweg: Sparen.

  • -Aktualisiert am
          6 Min.

          Am Grunde der Ostsee geht am Montag vielleicht eine Ära zu Ende. Die Pipeline Nord Stream 1 wird zur Wartung abgeschaltet. Eigentlich nichts Besonderes, das passiert jedes Jahr so. Aber jetzt ist Krieg. Russland hat die Ukraine überfallen, der Westen mit Sanktionen reagiert. Er liefert Waffen an die Ukraine, und Russland schlägt zurück. Putin drosselt den Gasfluss nach Europa. Die Pipeline durch Polen liegt schon still, in den Röhren durch die Ukraine und die Türkei strömt das russische Gas nur noch mit halber Kraft. Zuletzt kamen pro Woche nur noch eine Milliarde Kubikmeter in der EU an. Ein Rückgang um zwei Drittel. Die Auswirkungen auf die EU sind immens, die Energiepreise hoch wie nie.

          Und genau jetzt wird Nord Stream 1 zur Wartung abgeschaltet. Glaubt jemand, dass die Leitung danach schön regulär wieder ans Netz gehen wird? Wirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen jedenfalls nicht. Der zieht mit der Botschaft durchs Land: Vielleicht ist es ganz aus. Vielleicht kommt da nichts mehr. Die Partner in der Koalition sehen das ähnlich. Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Alexander Graf Lambsdorff erinnert daran, dass das Kappen von Energielieferungen zu Putins Standard-Folterwerkzeug gehört. Erst kürzlich habe er den russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk für Ölexporte aus Kasachstan gesperrt, weil Kasachstan seinen Ukrainekrieg nicht klar unterstützt. „Die Möglichkeit, dass es zu einer Abschaltung kommt, ist real“, sagt Lambsdorff. In der SPD ist man nicht viel optimistischer. Zu glauben, dass Nord Stream 1 nach der Wartung wieder anläuft, wäre „russisches Roulette“, sagt der Abgeordnete Timon Gremmels, einer der führenden Energiepolitiker der Fraktion. Wenn die Wartung zu Ende sei, werde man aus Moskau vielleicht hören: „Wir würden ja gern, aber wegen der Sanktionen fehlen uns wichtige Teile, und deshalb können wir nicht.“

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