https://www.faz.net/-gpf-8dbl9

Nordkoreas Raketentest : Warum provoziert Kim Jong-un die Welt wieder und wieder?

Gelöste Heiterkeit beim Blick auf die (militärischen) Weltläufte: Nordkoreas Diktator Kim Jong-un Anfang November in Pjöngjang Bild: Reuters

Nordkoreas Staatsführer testet eine Rakete und die Welt sieht angespannt zu. Will er damit Zugeständnisse für sein ausgelaugtes Land erpressen? Oder ist er schlicht irre und würde selbst einen Atomkrieg riskieren? Sicher ist: Ihn als ungefährlichen Spinner abzutun, wäre gefährlich. Eine Analyse.

          2 Min.

          Am Sonntag hatte Nordkoreas Staatsführer wieder einmal das, was er am liebsten hat: Die ziemlich ungeteilte Aufmerksamkeit der ganzen Welt. Der Test einer Langstreckenrakete als solcher kam nicht mehr überraschend, allenfalls der genaue Zeitpunkt. Nordkorea hatte nämlich angekündigt, den Test irgendwann zwischen dem 8. Februar und dem 25. Februar zu starten. Die internationale zivile Luftfahrt hatte sich entsprechend vorbereitet. Niemand hatte also damit gerechnet, dass das einhellig negative Echo auf die nordkoreanische Ankündigung Kim Jong-un stoppen würde.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Für den jungen Mann an der Spitze Nordkoreas geht es weiterhin hauptsächlich darum, das Überleben des Regimes zu sichern. Dieses Ziel hatte auch schon sein Vater. Aber bei Kim Jong-il hatte man wenigstens noch das Gefühl, er habe so etwas wie einen Plan. Bei ihm wechselten sich nämlich Provokationen und Friedensgesten regelmäßig ab. Mit dieser Taktik schaffte er es im Laufe der Jahre, seine Gesprächspartner zu allerlei Zugeständnissen zu veranlassen.

          Auch China heißt Kims Gebaren längst nicht mehr gut

          Kim Jong-un dagegen fährt etwa seit dem dritten Atomtest 2013 einen immer offeneren Konfrontationskurs gegenüber der Außenwelt. Auch China findet längst nicht mehr gut, was der eigenwillige Nachbar veranstaltet. In Südkorea wird für möglich gehalten, dass Kim Jong-un durch den Atomtest und den Test der Langstreckenrakete nach innen Stärke demonstrieren wollte. Diese Interpretation ist nicht unbedingt abwegig. Zwar überschlägt sich die nordkoreanische Propaganda mit Lobpreisungen des Führers. Aber seit mehr als zwei Jahren sind ständige Personalveränderungen zum Kennzeichen seiner Herrschaft geworden.

          Diese tragen einerseits den Charakter eines normalen Generationswechsels. Aber mehrere Veränderungen auf einer Position innerhalb relativ kurzer Zeit deuten entweder darauf hin, dass der angeblich doch unfehlbare Führer nicht so genau weiß, wen und was er will. Oder sie zeigen an, dass sich auch innerhalb der Elite Widerwillen gegen den Kurs Kim Jong-uns regt. Von ruhigem, überlegtem Regieren kann jedenfalls in Pjöngjang nicht die Rede sein.

          Höchste Konzentration: Kim Jong-un hat Nordkorea noch mehr isoliert als sein Vater Kim Jong-il.

          Da sich Kim gleichzeitig von Amerika militärisch unmittelbar bedroht sieht, versucht er sein Land irgendwie unangreifbar zu machen. Ruhe gäbe er möglicherweise, wenn sich Washington bereit fände, Nordkorea offiziell als Atommacht anzuerkennen und „auf Augenhöhe“ mit Kim zu verhandeln. Aber es gibt Beobachter, die selbst für diesen Fall bezweifeln, dass sich die Festungsmentalität in Nordkorea lösen würde.

          Keiner will eine Atommacht Nordkorea

          Zu einer solchen Anerkennung wird es aber sicher nicht kommen. Denn nicht nur Amerika, sondern auch alle anderen Atommächte wollen Nordkorea nicht in ihrem Kreis sehen. Selbst wenn das anders wäre, hätte eine solche „Lösung“ sehr unangenehme Konsequenzen. Wenn Nordkorea offiziell Atommacht sein darf, wer könnte dann – zum Beispiel – Japan daran hindern, sich ebenfalls nuklear zu bewaffnen? Ein atomar bewaffnetes Japan wiederum würde China zu verstärkten Rüstungsanstrengungen bewegen, das wiederum die Vereinigten Staaten herausfordern. Der Kreislauf eines ungebremsten Wettrüstens wäre in Gang gesetzt.

          Kim Jong-un ist das alles vermutlich ziemlich gleichgültig. Er sieht nur sich und das, was er für sein Land hält. Und weil es offensichtlich niemanden gibt, der seinen Blick für die Realitäten der Welt öffnen könnte, tut diese Welt gut daran, dem jungen Mann in Nordkorea auch dann aufmerksam auf die Finger zu schauen, wenn gerade einmal keine Atombombe explodiert oder eine Rakete gen Himmel steigt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Test für Reiserückkehrer im rheinland-pfälzischen Bitburg

          Kritik an Risikogebieten : Zahl der Neuinfizierten abermals über 1000

          Die Zahl der Corona-Neuinfektionen bleibt weiter vierstellig. Zugleich übt der Deutsche Hausärzteverband Kritik an pauschalen Risikogebieten. „Wahnwitzig“ sei auch, dass Ärzte Hotelbuchungen von Reiserückkehrern kontrollieren sollen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.