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Nordkoreas Raketenstart : Japan zeigt Verteidigungsbereitschaft

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Die gestiegene Bedrohung, die von Nordkorea für seinen Nachbarn Japan ausgeht, gibt denjenigen Argumente an die Hand, die für eine international aktivere Rolle der japanischen Armee eintreten. Die Regierung weiß das zu nutzen.

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          Die nordkoreanische Raketenbedrohung hat in diesen Tagen Japan dazu bewegt, sich von einer ungewohnten Seite zu präsentieren. Seit bekannt wurde, dass Nordkoreas Rakete über Japan fliegen würde und Raketenteile etwa 120 Kilometer entfernt von der japanischen Küste ins Meer fallen könnten, hat die japanische Regierung ihrer pazifistisch eingestimmten Bevölkerung Verteidigungsbereitschaft demonstriert.

          Fast täglich berichteten das japanische Fernsehen und die Zeitungen von militärischen Vorbereitungen, die im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Raketenstart getroffen wurden. Das Fernsehen zeigte Bilder von Militärkonvois, die über die Autobahnen rollten, um Raketenabwehrgeschütze in Tokio und fünf anderen Orten Japans in Stellung zu bringen. Karten und Modelle erklärten die Einsatzpläne der zwei japanischen, mit dem Aegis-System ausgestatteten Zerstörer, die ins Japanische Meer geschickt wurden, um im Notfall die Rakete oder Raketenteile abzuschießen. Lokale Verwaltungen übten Notfalleinsätze; Zivilschutzvorbereitungen wurden getroffen.

          Erweiterte Aktions-Möglichkeiten

          Nordkoreas vergangene Raketentests im Jahr 2006 hatten Japan überrascht und erschüttert. Diesmal zeigte man sich wohlvorbereitet und betont zuversichtlich, dass man Japan gegen eine Bedrohung verteidigen könnte. Japans Verfassung erlaubt es nicht, Raketen, die nicht auf Japan gerichtet sind, zu zerstören. Sie gestattet es aber, Objekte zu zerstören, die die Sicherheit Japans gefährden.

          Japans öffentliche Vorbereitungen und seine deutlichen Warnungen an Nordkorea vor dem Start dienten nicht nur der Beruhigung der Bevölkerung angesichts der Tatsache, dass Japan wohl am meisten von der nordkoreanischen Rakete gefährdet war. Sie gaben der Regierung auch die Gelegenheit, für die Notwendigkeit von mehr Verteidigungsanstrengungen und weiterer enger militärischer Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten zu werben.

          Die Erweiterung der Aktions-Möglichkeiten der japanischen Selbstverteidigungskräfte ist ohnehin gerade wieder ein Thema. Erstmals sind japanische Kriegsschiffe vor der Küste Somalias im Einsatz gegen Piraten. Obwohl die Einsätze der japanischen Marine starken Beschränkungen unterliegen, ging der Opposition dieser Einsatz schon zu weit.

          In der Ablehnung der nordkoreanischen Raketentests waren sich Regierung und Opposition einig. Jetzt, da bekannt ist, dass Nordkorea offenbar große Fortschritte in seiner Raketentechnik gemacht hat und somit eine noch größere Bedrohung für seinen Nachbarn Japan darstellt, gibt das jenen Argumentationshilfe, die für eine aktivere internationale Rolle Japans und erweiterte Aufgaben der Selbstverteidigungsstreitkräfte werben.

          Japan war diesmal auch der Staat, der den bevorstehende Raketentest am heftigsten kritisiert hat. Das Land nahm damit auch von seiner lange gezeigten Zurückhaltung Abstand. Die japanische Regierung deutete an, die Sanktionen gegen Nordkorea zu verschärfen. Japan hat nach den letzten Raketentests im Jahr 2006 bereits nordkoreanischen Schiffen den Zugang zu japanischen Häfen verweigert; es lässt keine nordkoreanischen Importe mehr ins Land. Vor dem Raketenstart hatte Tokio angekündigt, die Wirtschaftssanktionen, die bis zum 13. April laufen, noch um ein Jahr zu verlängern. Jetzt erwägt Japan auch noch ein Exportverbot nach Nordkorea und will die Waren beschränken, die Reisende dorthin mitnehmen dürfen.

          Die japanischen Sanktionen haben das Regime in Pjöngjang schon bisher hart getroffen. Geld und Waren, die von koreanischen Staatsangehörigen, die in Japan leben, nach Nordkorea geschickt wurden, galten über Jahrzehnte als Überlebenshilfe für die marode nordkoreanische Wirtschaft und die darbende Bevölkerung.

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