https://www.faz.net/-gpf-9yp15

Nordkoreas Machthaber : Wo ist Kim Jong-un?

Das undatierte Bild der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA vom 12. April zeigt Kim beim Besuch eines Jagdflugzeuggeschwaders im Westen des Landes. Bild: AP

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un wurde seit Tagen nicht öffentlich gesehen. Berichten zufolge musste er sich einer Herzoperation unterziehen. Vielleicht schwebt er sogar in Lebensgefahr.

          2 Min.

          Seit mehr als einer Woche wurde der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un auch bei wichtigen Ereignissen nicht mehr mit Nachrichtenberichten der ausländischen Öffentlichkeit gezeigt. Den Grund dafür könnten Meldungen vom Dienstag offenbaren. Danach soll Kim sich einer Herzoperation unterzogen haben und, je nach Quelle, sich in einem lebensbedrohlichen Zustand befinden oder befunden haben. Wie immer umweht die Personalberichte aus Nordkorea viel Geheimnis, und es könnte sich alles wie schon öfter als Spekulation herausstellen. Das gilt umso mehr, als amerikanische und südkoreanische Regierungsquellen sehr unterschiedliche Darstellungen geben.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Ausgangspunkt der Nachricht ist die Internetnachrichtenseite Daily NK. Sie berichtete am Dienstag unter Berufung auf eine Quelle in Nordkorea, Kim habe sich am 12. April einer Herzoperation in einem Krankenhaus nahe dem Berg Myohyang in der Provinz Nord-Pyeongan unterzogen. Sein Zustand wurde als stabil beschrieben, Kim erhole sich in einer Villa in der Nähe des Krankenhauses. Eine Herzoperation des 36 Jahre alten Kim käme nicht überraschend, da er unter Übergewicht leidet und als Raucher bekannt ist. Der amerikanische Fernsehsender CNN meldete dann unter Berufung auf eine Quelle in der amerikanischen Regierung, Kim befinde sich nach einer Operation in einem lebensbedrohlichen Zustand. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berief sich auf Quellen in der amerikanischen Regierung, wonach Kim sich vergangene Woche nach einer Operation am Herz-Kreislauf-System in einem kritischen Zustand befunden habe. Das Weiße Haus sei sich nicht sicher über seinen derzeitigen Gesundheitszustand.

          Ein plötzlicher Tod Kims könnte Nordkorea destabilisieren

          Die südkoreanische Regierung dagegen spielte die Meldungen herunter. Erst erklärte eine Sprecherin von Präsident Moon Jae-in, es gebe an den Berichten nichts zu bestätigen. Später verlautete aus dem Präsidialamt in Seoul, Kim Jong-un gehe, unterstützt von seinen engen Helfern, normalen Aktivitäten in einem ländlichen Teil Nordkoreas nach. Es seien keine besonderen Bewegungen registriert worden. Die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA berichtete am Dienstag von Geburtstagsgeschenken Kims an verdiente Bürger, gab aber keine Hinweise auf seinen Aufenthaltsort.

          Die Online-Flatrate: F+
          FAZ.NET komplett

          Sichern Sie sich alle aktuellen Informationen und Hintergründe zur Präsidentenwahl

          Jetzt F+ für nur 1€/Woche lesen

          Kim, der Enkel von Kim Il-sung, dem Gründer der sozialistischen Dynastie in Nordkorea, hat sich seit 2011 eine recht stabile Machtbasis in Nordkorea geschaffen. Ihm untersteht das Atomwaffenpotential des Landes. Ohne eine klare Nachfolgeregelung könnte sein Tod Nordkorea destabilisieren und noch mehr als bisher zum internationalen Risiko werden lassen.

          Nordkoreanische Medien berichteten zuletzt am 11. April, dass Kim bei einem Treffen des Politbüros der Arbeiterpartei anwesend war. Am Tag darauf hieß es ohne Datumsangabe, er habe eine militärische Einheit besucht. Auffällig war, dass es keine Berichte gab über eine Anwesenheit Kims am 14. April bei Übungen mit Marschflugkörpern und Luft-Boden-Raketen und am 15. April bei der Gedenkveranstaltung am Jahrestag des Geburtstags seines Großvaters. Diese hatte Kim seit seiner Machtübernahme nie ausgelassen. Spekuliert wurde, dass er zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht anwesend gewesen sei. 2014 war Kim vierzig Tage lang aus der Öffentlichkeit verschwunden gewesen, erst nach Wochen wurde bekannt, dass er sich einer Fußoperation unterzogen hatte. Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte am Wochenende gesagt, er habe einen netten Brief von Kim erhalten. Das wiederum dementierte Nordkorea am Montag vehement. Es ist unklar, ob Trump sich auf einen früheren Brief Kims bezogen hatte.

          Beobachter in Südkorea schätzen die Primärquelle der Nachricht, Daily NK, als relativ glaubwürdig ein. Die Nachrichtenseite arbeite viel mit nordkoreanischen Flüchtlingen in Südkorea zusammen und habe gute Quellen in Nordkoreas Bevölkerung, heißt es. Daily NK finanziert sich nach eigenen Angaben durch Spenden und Zuwendungen. Einer der größten Geldgeber soll die amerikanische National Endowment for Democracy sein, die im vergangenen Jahr 400.000 Dollar gab. Die Stiftung wurde in den achtziger Jahren auf Anregung des damaligen Präsidenten Ronald Reagan gegründet.

          Weitere Themen

          Armenien bittet Russland um Hilfe

          Nagornyi Karabach : Armenien bittet Russland um Hilfe

          Der armenische Regierungschef Paschinjan hat den russischen Präsidenten Putin offiziell um Hilfe im Konflikt im die Südkaukasus gebeten. Gespräche über eine neue Feuerpause waren am Freitag gescheitert.

          „Wir werden nie wieder ein Lockdown machen“ Video-Seite öffnen

          Trumps Große Versprechen : „Wir werden nie wieder ein Lockdown machen“

          Der Bundesstaat Florida könnte für den Wahlausgang am 3. November eine wichtige Rolle spielen. In dem Bundesstaat gibt es große lateinamerikanische Bevölkerungsgruppen. Die kubanischen Amerikaner im Süden tendieren traditionell zu den Republikanern, die Puerto Ricaner in Zentralflorida eher zu den Demokraten.

          Im Kampfeinsatz gegen das Virus

          Hilfe der Bundeswehr : Im Kampfeinsatz gegen das Virus

          Die Bundeswehr hält 15.000 Mann gegen die Pandemie bereit. Sie sollen in Pflegeheimen helfen und die Gesundheitsämter unterstützen. Doch nicht überall ist die Hilfe willkommen.

          Topmeldungen

          Allein aber nicht einsam: Michael Collins trainiert im Simulator die Steuerung des Kommandomoduls.

          Michael Collins wird 90 : Die Einsamkeit, die keine war

          Nur wenige Menschen waren je so isoliert wie Michael Collins, der während der ersten Mondlandung im Apollo-Raumschiff allein um den Erdtrabanten kreiste. An diesem Samstag wird er 90 Jahre alt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.