https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/nordkoreas-machthaber-verschwunden-wo-ist-kim-jong-un-16735289.html

Nordkoreas Machthaber : Wo ist Kim Jong-un?

Das undatierte Bild der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA vom 12. April zeigt Kim beim Besuch eines Jagdflugzeuggeschwaders im Westen des Landes. Bild: AP

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un wurde seit Tagen nicht öffentlich gesehen. Berichten zufolge musste er sich einer Herzoperation unterziehen. Vielleicht schwebt er sogar in Lebensgefahr.

          2 Min.

          Seit mehr als einer Woche wurde der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un auch bei wichtigen Ereignissen nicht mehr mit Nachrichtenberichten der ausländischen Öffentlichkeit gezeigt. Den Grund dafür könnten Meldungen vom Dienstag offenbaren. Danach soll Kim sich einer Herzoperation unterzogen haben und, je nach Quelle, sich in einem lebensbedrohlichen Zustand befinden oder befunden haben. Wie immer umweht die Personalberichte aus Nordkorea viel Geheimnis, und es könnte sich alles wie schon öfter als Spekulation herausstellen. Das gilt umso mehr, als amerikanische und südkoreanische Regierungsquellen sehr unterschiedliche Darstellungen geben.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Ausgangspunkt der Nachricht ist die Internetnachrichtenseite Daily NK. Sie berichtete am Dienstag unter Berufung auf eine Quelle in Nordkorea, Kim habe sich am 12. April einer Herzoperation in einem Krankenhaus nahe dem Berg Myohyang in der Provinz Nord-Pyeongan unterzogen. Sein Zustand wurde als stabil beschrieben, Kim erhole sich in einer Villa in der Nähe des Krankenhauses. Eine Herzoperation des 36 Jahre alten Kim käme nicht überraschend, da er unter Übergewicht leidet und als Raucher bekannt ist. Der amerikanische Fernsehsender CNN meldete dann unter Berufung auf eine Quelle in der amerikanischen Regierung, Kim befinde sich nach einer Operation in einem lebensbedrohlichen Zustand. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berief sich auf Quellen in der amerikanischen Regierung, wonach Kim sich vergangene Woche nach einer Operation am Herz-Kreislauf-System in einem kritischen Zustand befunden habe. Das Weiße Haus sei sich nicht sicher über seinen derzeitigen Gesundheitszustand.

          Ein plötzlicher Tod Kims könnte Nordkorea destabilisieren

          Die südkoreanische Regierung dagegen spielte die Meldungen herunter. Erst erklärte eine Sprecherin von Präsident Moon Jae-in, es gebe an den Berichten nichts zu bestätigen. Später verlautete aus dem Präsidialamt in Seoul, Kim Jong-un gehe, unterstützt von seinen engen Helfern, normalen Aktivitäten in einem ländlichen Teil Nordkoreas nach. Es seien keine besonderen Bewegungen registriert worden. Die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA berichtete am Dienstag von Geburtstagsgeschenken Kims an verdiente Bürger, gab aber keine Hinweise auf seinen Aufenthaltsort.

          Wissen war nie wertvoller

          Lesen Sie jetzt F+ 30 Tage kostenlos und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Kim, der Enkel von Kim Il-sung, dem Gründer der sozialistischen Dynastie in Nordkorea, hat sich seit 2011 eine recht stabile Machtbasis in Nordkorea geschaffen. Ihm untersteht das Atomwaffenpotential des Landes. Ohne eine klare Nachfolgeregelung könnte sein Tod Nordkorea destabilisieren und noch mehr als bisher zum internationalen Risiko werden lassen.

          Nordkoreanische Medien berichteten zuletzt am 11. April, dass Kim bei einem Treffen des Politbüros der Arbeiterpartei anwesend war. Am Tag darauf hieß es ohne Datumsangabe, er habe eine militärische Einheit besucht. Auffällig war, dass es keine Berichte gab über eine Anwesenheit Kims am 14. April bei Übungen mit Marschflugkörpern und Luft-Boden-Raketen und am 15. April bei der Gedenkveranstaltung am Jahrestag des Geburtstags seines Großvaters. Diese hatte Kim seit seiner Machtübernahme nie ausgelassen. Spekuliert wurde, dass er zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht anwesend gewesen sei. 2014 war Kim vierzig Tage lang aus der Öffentlichkeit verschwunden gewesen, erst nach Wochen wurde bekannt, dass er sich einer Fußoperation unterzogen hatte. Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte am Wochenende gesagt, er habe einen netten Brief von Kim erhalten. Das wiederum dementierte Nordkorea am Montag vehement. Es ist unklar, ob Trump sich auf einen früheren Brief Kims bezogen hatte.

          Beobachter in Südkorea schätzen die Primärquelle der Nachricht, Daily NK, als relativ glaubwürdig ein. Die Nachrichtenseite arbeite viel mit nordkoreanischen Flüchtlingen in Südkorea zusammen und habe gute Quellen in Nordkoreas Bevölkerung, heißt es. Daily NK finanziert sich nach eigenen Angaben durch Spenden und Zuwendungen. Einer der größten Geldgeber soll die amerikanische National Endowment for Democracy sein, die im vergangenen Jahr 400.000 Dollar gab. Die Stiftung wurde in den achtziger Jahren auf Anregung des damaligen Präsidenten Ronald Reagan gegründet.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Luxus-Yacht eines Oligarchen im Hafen von San Remo

          Hanks Welt : Die Lust am Enteignen

          Lange haben Banken, Anwälte und Immobilienmakler im Westen von den reichen Russen profitiert. Wie sich die Neidgesellschaft nun an den Oligarchen abreagiert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis
          Sprachkurs
          Lernen Sie Englisch
          Kapitalanlage
          Pflegeimmobilien als Kapitalanlage
          Automarkt
          Top-Gebrauchtwagen mit Garantie