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Nordkoreanische Raketen : Wie real ist die Bedrohung für den Westen?

  • -Aktualisiert am

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un beobachtet den Start einer t Hwasong-12-Rakete. Das Foto veröffentlichte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Bild: AFP

Dass Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un seine Raketenanlage nach dem gescheiterten Treffen mit Trump wieder aufbaut, ist eine deutliche Warnung gen Amerika. Doch über die tatsächlichen Fähigkeiten der Raketen ist wenig bekannt. Ein Gastbeitrag.

          Vor dem gescheiterten Gipfel in Hanoi hatte Präsident Trump in seiner Ansprache zur Lage der Nation erklärt, es habe „seit 15 Monaten keine nordkoreanischen Raketenabschüsse mehr gegeben“, und die Vereinigten Staaten „befänden sich jetzt in einem größeren Krieg mit Nordkorea“, wenn er nicht zum Präsidenten Amerikas gewählt worden wäre. Inzwischen sind Äußerungen Trumps bekannt geworden, die den Gedanken nahelegen, er sei nicht der Ansicht, dass Nordkorea wegen seiner Interkontinentalraketen eine echte Bedrohung für Amerika darstelle. Er glaube Putin, der behauptet, Nordkorea besäße solch eine Fähigkeit nicht.

          Dagegen heißt es im diesjährigen Missile Defense Review des amerikanischen Verteidigungsministeriums, Nordkorea stelle „weiterhin eine außergewöhnliche Bedrohung“ dar. Begründet wird dies mit der Feststellung, Nordkorea habe „umfangreiche Kernwaffen- und Raketentests unternommen, um die Fähigkeit zu erlangen, die Vereinigten Staaten mit Raketen zu bedrohen“. Diese Aussage wird jedoch im nächsten Satz relativiert: „Im Ergebnis nähert Nordkorea sich dem Zeitpunkt, da es dies glaubwürdig tun kann.“

          Nur durch eine sorgfältige Lektüre erschließt sich die tatsächliche Bedeutung dieses Absatzes. Er stellt eine Warnung dar, wonach Nordkorea schon in naher Zukunft in der Lage sein könnte, die Vereinigten Staaten ernsthaft zu bedrohen – aber offenbar heute noch nicht. Diese Interpretation basiert auf den dort erwähnten „umfangreichen Kernwaffen- und Raketentests“ in den vergangenen zehn Jahren. Man erinnere sich an die nahezu wöchentlichen Berichte über immer weitere nordkoreanische Raketentests in den Jahren 2014 bis 2017 – und das trotz der extrem harten internationalen Sanktionen. Informierte Leser konnten dadurch zu dem Schluss gelangen: „Nordkorea hat zahlreiche Raketen abgeschossen, also verfügt das Land heute möglicherweise über Langstreckenraketen und kann inzwischen die Vereinigten Staaten bedrohen.“

          Raketentests sind nordkoreanische Drohgebärden

          Ein genauerer Blick auf die Realität der nordkoreanischen Raketentests in dieser Zeitspanne zeigt jedoch etwas anderes. Von den 61 seit 2014 registrierten Raketenstarts (die Zahlen können je nach Quelle variieren) wurden fast zwei Drittel mit Raketen durchgeführt, die die alte sowjetische Scud-Technologie einsetzten. Neun Raketenstarts wurden mit der unzuverlässigen Musudan durchgeführt (,die eine andere sowjetische Technologie nutzt – aber acht dieser Starts missglückten). Nicht einmal zehn Prozent der 61 Raketenstarts entfielen auf große Feststoffraketen (nicht eingerechnet sind einfache Ausstoß-Tests, bei denen nur eine Attrappe mit der Abschussvorrichtung abgeschossen wird).

          Keine dieser Technologien waren allerdings bedeutsam für die großen nordkoreanischen Interkontinentalraketen, die tatsächlich die Insel Guam oder andere amerikanische Territorien bedrohen könnten, die Hwasong-12, die Hwasong-14 oder die Hwasong-15. Alle der Raketen verwenden Triebwerke, die auf Experten sehr vertraut wirken und an die alte sowjetische RD-250-Technologie erinnern. Diese drei Raketentypen wurden insgesamt nur neun Mal abgeschossen (einschließlich dreier misslungener Starts der Hwasong-12, die noch nicht bestätigt sind). Die beiden „Big Boys“, die Hwasong-14 und die Hwasong-15, die tatsächlich eine ausreichende Reichweite besitzen könnten, um Amerika zu erreichen, wurden insgesamt nur dreimal abgeschossen: die Hwasong-14 zweimal, die Hwasong-15 nur einmal.

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