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Nordkoreanischer Artillerie-Angriff : Will sich Pjöngjangs junger General profilieren?

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Die militärische Provokation Nordkoreas könnte Ergebnis ungeklärter Machtverhältnisse im kommunistischen Regime sein. Die Führung scheint in deutlich kriegerischerer Stimmung zu sein als in der jüngeren Vergangenheit. Die Lösung für den Konflikt liegt in Peking.

          Ist das die Handschrift von Nordkoreas designiertem Führer, dem jungen General Kim Jong-un? Die Attacke auf die südkoreanische Insel Yeongpyeong ist eine neue schwere Provokation des Regimes in Nordkorea. Zwei Tote hat Südkorea zu beklagen, mehrere Verletzte hat es gegeben, und die Bewohner der Insel, Fischer und ihre Familien, sahen ihre Häuser beschädigt oder in Flammen aufgehen. Das ist kein kleines Scharmützel mehr, wie sie sich an der Seegrenze zwischen Nord- und Südkorea schon öfter ereignet haben.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Das südkoreanische Präsidialamt sprach in einer ersten Stellungnahme davon, dass es sich bei dem Angriff möglicherweise um eine Reaktion auf südkoreanische Marine-Manöver an der Seegrenze handelt, gegen die Nordkorea vorab protestiert hatte. Nordkorea beschuldigte Südkorea am Dienstag, das Feuer eröffnet zu haben und drohte mit weiteren Schlägen, falls Südkorea die nordkoreanische Grenze „auch nur einen Millimeter“ verletze.

          Nordkorea erkennt die Seegrenze, die 1953 von den Vereinten Nationen festgelegt wurde, nicht an. Wenn es Zwischenfälle an der Grenze provoziert, will es damit auch daran erinnern, dass die „Nördliche Grenzlinie“ umstritten ist. Und es will warnend darauf hinweisen, dass Nord- und Südkorea noch immer im Kriegszustand leben und damit seiner Forderung nach einem Friedensvertrag Nachdruck verleihen.

          Machtkämpfe? Die nordkoreanische Führung mit Machthaber Kim Jong-il (Mitte) und dessen designiertem Nachfolger, Sohn Kim Jong-un (2.v.l.)

          Nordkorea scheint derzeit aber auch in besonders kriegerischer Stimmung. Im März hat es ein südkoreanisches Kriegsschiff versenkt und dabei 46 südkoreanische Seeleute in den Tod geschickt. Im Oktober gab es Schusswechsel an der Entmilitarisierten Zone, der Landgrenze zwischen beiden Koreas. Jetzt greifen Nordkoreas Soldaten auch südkoreanische Zivilisten und Territorium an.

          In der Vergangenheit hat Nordkorea öfter mit Provokationen versucht, international Aufmerksamkeit zu erringen und Gespräche zu erzwingen. Das könnte auch jetzt ein Grund für den Beschuss der Insel Yeongpyeong sein. Nordkorea hatte seit einigen Monaten, vermutlich auf Drängen Chinas, seine Bereitschaft bekundet, wieder zu den Sechser-Gesprächen über sein Atomprogramm zurückzukehren, die es vor Jahren verlassen hatte. Nordkorea kam sogar amerikanischen Forderungen nach, die auf eine Verbesserung der innerkoreanischen Beziehungen drängten und zeigte gegenüber Südkorea Entgegenkommen. Die (kurzzeitige) Familienzusammenführung kam ebenso wieder in Gang wie innerkoreanische Gespräche.

          Bosworth: Provozierende Aktionen Nordkoreas

          Doch bislang haben ihm Südkorea und seine Verbündeten nach nordkoreanischer Einschätzung zu sehr die kalte Schulter gezeigt. Nach dem Angriff auf das Kriegsschiff Cheonan waren weder Seoul noch Washington in Eile, wieder mit Pjöngjang zu sprechen. Derzeit bereist der Nordkorea-Beauftragte der amerikanischen Regierung, Bosworth, die Region, um Möglichkeiten für neue Verhandlungen auszuloten. Er sprach von einer Reihe provozierender Aktionen Nordkoreas.

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