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Nordkoreaner in Südkorea : Prominenter Überläufer kandidiert für Parlament

Thae Yong-ho während einer Pressekonferenz in Seoul Bild: AP

Thae Yong-ho war bis 2016 nordkoreanischer Top-Diplomat in London. Dann setzte er sich ab und wurde zum scharfen Kritiker des Regimes. Nun will er in Südkorea kandidieren.

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          Einer der ranghöchsten Überläufer des nordkoreanischen Regimes, Thae Yong-ho, kandidiert bei den kommenden südkoreanischen Parlamentswahlen, die im April stattfinden. Thae war 2016 als stellvertretender nordkoreanischer Botschafter in London geflohen und lebt heute unter Personenschutz in Südkoreas Hauptstadt Seoul.

          Martin Benninghoff
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit seiner spektakulären Flucht, mit der er einer Rückberufung seiner Familie nach Nordkorea zuvorgekommen war, tritt er immer wieder als harscher Kritiker des Kim-Regimes in Erscheinung. Im November 2019 kam er auch nach Berlin, um dort über das Regime und seine Erfahrungen als wichtiger Diplomat im inneren Machtzirkel zu berichten. Offenbar reicht ihm seine Rolle als Publizist und Mahner nicht mehr. Bei der Parlamentswahl im April tritt er als Kandidat der konservativen Oppositionspartei Liberty Korea Party an, deren Mitglied er kürzlich geworden ist.

          Die Partei kritisiert die Versöhnungspolitik von Südkoreas Präsidenten Moon Jae-in. Moons Politik, so Thae Yong-ho, sei ein „zentrales Hindernis“ für eine effektive Wiedervereinigung und gehe „in die falsche Richtung“. Damit gemeint sind beispielsweise die Bestrebungen der südkoreanischen Führung, geschlossene Tourismusprojekte oder die stillgelegte Industriezone Kaesong wiederzubeleben. Diese innerkoreanischen Projekte waren im Zuge der Atom- und Raketentests von Machthaber Kim Jong-un gestoppt worden.

          Dass Nordkoreas Regime seine Aufrüstungspolitik trotz der Sanktionen fortsetzt, daran bestehen keine begründeten Zweifel. Im März veröffentlichen die Vereinten Nationen einen neuen Bericht, wonach Nordkorea sein „nukleares und ballistisches Programm“ weiter verbessere. Um die nötigen finanziellen Mittel zu bekommen, umgehe das Regime nach wie vor illegal die Sanktionen – beispielsweise in Form von Devisen- und Goldschmuggel.

          Sollte Thae den Einzug ins südkoreanische Parlament schaffen, wäre er erst der zweite ranghohe Nordkoreaner in der Nationalversammlung. 2012 war Cho Myung-chul, ein Ökonom aus Pjöngjang, 16 Jahre nach seiner Flucht aus Nordkorea ins Parlament gewählt worden. Er war während seiner Zeit als Professor im Nachbarland China geflüchtet.

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