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Nordkorea : Zum Geburtstag Hilferufe an den Erzfeind

  • -Aktualisiert am

Pekinger Geschenke: Kim Jong-il (vorne) empfängt vom chinesischen Sicherheitsminister ein Präsent Bild: AFP

Kim Jong-il wird an diesem Mittwoch 69 oder 70 - doch die Geschenke für sein Volk fallen magerer aus als sonst: Die Versorgungsschwierigkeiten in Nordkorea spitzen sich zu. Wie gesund der Führer an seinem Geburtstag ist, weiß außerdem niemand.

          Nordkorea feiert an diesem Mittwoch seinen größten Feiertag, den Geburtstag von Staatsführer Kim Jong-il. Plakate mit den großen Zahlen 16.2. sind ausgehängt, kulturelle Veranstaltungen wie ein Filmfestival haben begonnen, in dem Epen wie „Unter der Leitung des brillanten Führers“ in der Hauptstadt und in den Provinzen aufgeführt werden. Die nordkoreanische Nachrichtenagentur berichtet seit Tagen, dass auch überall im Ausland der Geburtstag Kim Jong-ils gefeiert wird.

          Da werden Gratulationen der Kommunistischen Partei Großbritanniens (ML) und Elogen aus äthiopischen Zeitungen zitiert. Eine Zeitung in Nepal habe den „noblen Charakter“ des Führers gepriesen. Und besondere Erwähnung fand ein Blumenbouquet eines alten Freundes von Kim Jong-il. Damit hat Kambodschas Königsvater Norodom Sihanouk, der sich im Lauf seines Lebens öfter für längere Zeit in Nordkorea aufgehalten hat, gratuliert. In Tokio hörten ethnische Koreaner einen Vortrag zum Thema „Der große Führer bringt früh der Nation eine strahlende Zukunft“.

          Gefeiert wird der 69. Geburtstag des Führers, der seit dem Tod seines Vaters Kim Il-sung 1994 Nordkorea regiert. Die wenigsten in Nordkorea dürften wissen, dass Kim Jong-il tatsächlich in diesem Jahr 70 Jahre alt wird. Sein Vater fand es angemessen, ihn ein Jahr jünger zu machen, damit zwischen seinem und dem Geburtstag des Sohnes genau 30 Jahre, traditionell genau die Spanne einer Generation, liegt. Auch Kim Jong-ils Geburtsort wurde von der Propaganda verlegt. Nach westlichen Quellen wurde Kim Jong-il in der Sowjetunion geboren. Doch nach der Legende, die in Nordkorea verbreitet wird, kam er auf dem heiligen Berg der Koreaner, dem Paektu, zur Welt.

          Die Leitung der Geburtstagsfestlichkeiten, ein der Bedeutung des Ereignisses entsprechend wichtiges Amt, soll in diesem Jahr bei Kim Jong-ils Sohn und designiertem Nachfolger Kim Jong-un liegen. Kim Jong-un, der 28 Jahre alte Sohn, wurde im vergangenen Jahr als Nachfolger vorgestellt, wenn auch noch nicht offiziell benannt. Wenn Kim Jong-un die Feierlichkeiten leitet, ist dies ein weiterer Schritt dazu, ihn als Nachfolger einzuführen.

          Die Bevölkerung hat Grund, sich auf den Geburtstag zu freuen, kommt sie doch in den Genuss von Sonderzuteilungen, die im kargen Alltag selten sind. So werden seit Jahren zu des Führers Geburtstag eine Flasche Schnaps, zwei Tagesrationen Reis, ein bis zwei Kilo Fleisch und Zigaretten und Süßigkeiten verteilt. Gelegentlich gab es auch Stoff oder Kleidung. Dieses Jahr könnten die Geschenke magerer ausfallen. Die Wirtschaftslage ist schlecht. Nach Berichten von Radio Free Asia importiert Nordkorea jetzt sogar aus China Tierfutter und verteilt es unter die Bevölkerung als Nahrung. Offiziell ist in diesen Tagen auch noch ein Ausbruch der Maul- und Klauenseuche vermeldet worden. Tausende Tiere verendeten.

          Hilfsleistungen landen beim nordkoreanischen Militär

          Nordkorea hat seine Botschaften zu Beginn dieses Jahres angewiesen, in Geberländern wieder um Lebensmittelhilfe zu bitten, und hat vor einer Woche sogar beim Erzfeind, den Vereinigten Staaten, nachgefragt, ob diese die vor zwei Jahren abgebrochenen Hilfslieferungen wiederaufnehmen könnten. Nordkorea hat dabei sogar angeboten, es werde eine internationale Überwachung der Verteilung zulassen. Wegen des Streits über die Überwachung hatten die Vereinigten Staaten vor zwei Jahren die Lieferungen von Lebensmitteln eingestellt, da nicht sichergestellt werden konnte, dass die Hilfsmittel auch wirklich der notleidenden Bevölkerung zugestellt würden.

          Seit Südkorea vor zwei Jahren die Hilfsleistungen eingestellt hat, spitzen sich die Versorgungsschwierigkeiten in Nordkorea zu. In den Jahren zuvor hatte Südkorea pro Jahr 400.000 Tonnen Reis und 300.000 Tonnen Dünger geschickt. Präsident Lee Myung-bak hat diese Hilfen eingestellt, die ohne Vorbedingung gewährt wurden. Immer wieder wurde auch berichtet, dass Hilfsleistungen aus dem Süden beim nordkoreanischen Militär landeten. Seither bestehen alle Geber auf Kontrolle, die Nordkorea bislang nicht gewähren wollte.

          So viele Inspektionsreisen wie noch nie

          Wegen der anhaltend schwierigen Wirtschaftslage hat Kim Jong-il schon stillschweigend ein im Jahr 2007 gegebenes Versprechen revidiert. Eigentlich war dem Volk angekündigt worden, dass Nordkorea 2012, im hundertsten Geburtsjahr von Staatsgründer Kim Il-sung und dem offiziell 70. Geburtsjahr von Kim Jong-il, ein wohlhabender Staat sein sollte. Jetzt heißt es offiziell nur noch, man wolle 2012 die Grundlagen dafür legen, als blühender Staat aufzusteigen und erst bis 2020 ein fortgeschrittener Staat sein.

          Wie gesund Kim Jong-il seinen Geburtstag feiert, ist nicht klar. Er soll nach dem vermuteten Schlaganfall immer noch schwach sein. Es gibt auch Berichte, nach denen er in Dialyse-Behandlung ist. Nordkorea-Beobachter in Seoul berichten unter Bezug auf nordkoreanische Quellen, dass Kim Jong-il nicht nur körperlich geschwächt sei, sondern auch zunehmend an Erinnerungsschwächen leide.

          Allerdings hat er im vergangenen Jahr so viele Inspektionsreisen wie noch nie unternommen und wirkt auf den veröffentlichten Fotos recht rüstig. Auch bei der Reise nach China im Sommer 2010 war er bei guter Gesundheit. Bei dieser Reise wurde auch eine weibliche Begleitung des Führers gesichtet. Vor zwei Jahren soll Kim Jong-il kurz nach seiner Genesung Kim Ok, seine heute 46 Jahre alte Gefährtin, geheiratet haben. Sie wäre dann seine vierte Frau. Angeblich hat er mit ihr auch einen sieben Jahre alten Sohn.

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