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Nordkorea zieht Leute ab : „Kim Jong-un ist beträchtlich verärgert“

Da war die Laune noch gut: Nordkoreas Diktator Kim Jong-un mit seinem Dienstzug, der ihn zum Gipfeltreffen mit Donald Trump gebracht hat. Bild: AFP

Aller Optimismus verflogen? Nordkorea zieht seine Verbindungsleute aus dem gemeinsamen Büro mit Südkorea ab – und verschlechtert die Beziehungen im steinigen Friedensprozess. Eine Botschaft Kims, die wohl an zwei Adressen gerichtet ist.

          Nordkorea hat sich am Freitag „überraschend“, wie die Nachrichtenagentur dpa schrieb, aus seinem Verbindungsbüro mit Südkorea nahe der gemeinsamen und streng bewachten Grenze zurückgezogen. Eine Entscheidung offenbar auf „Anweisung von höchster Stelle“, teilte das südkoreanische Wiedervereinigungsministerium in Seoul danach mit. Eine Erklärung aus Nordkorea gab es zunächst nicht, klar aber ist: Ganz so „überraschend“ ist dieser Schritt des Regimes von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un mit Sicherheit nicht. Denn nach dem verunglückten Gipfel mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump Ende Februar 2019 in Hanoi, bei dem sich die beiden noch nicht einmal auf eine symbolische Erklärung verständigen konnten, deuteten zuletzt mehrere Anzeichen daraufhin, dass sich die ja erst 2018 verbesserten Beziehungen zu Amerika und Südkorea wieder eintrüben. Und zwar kräftig.

          Das Verbindungsbüro, um das es geht, ist ein konkreter Verhandlungserfolg des ersten Gipfeltreffens zwischen dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in und Kim Jong-un im April 2018 in Panmunjom inmitten der Demilitarisierten Zone. Das Büro wurde erst im vergangenen September eröffnet, und zwar in der alten Königsstadt Kaesong, die für Süd- wie Nordkoreaner eine wichtige symbolische Bedeutung hat, da sie über viele Jahrhunderte die Hauptstadt des geeinten Koreas war. Zudem liegt hier auch die Industriezone, in der südkoreanische Unternehmen einst nordkoreanische Arbeiter beschäftigten. Seit Februar 2016 läuft hier kein Produkt mehr vom Band: Die Spannungen durch die wiederholten Atom- und Raketentests Nordkoreas beendeten die Kooperation vorerst, und die Sanktionen verhindern nun, dass die Sonderwirtschaftszone wieder ans Laufen gebracht wird.

          Das ist nun noch unwahrscheinlicher geworden, da das gemeinsame Verbindungsbüro dort nicht nur praktisch für den Friedensprozess wichtig war, sondern darüber hinaus auch symbolisch: Man sprach wieder miteinander, und zwar nicht nur über Militärisches, wie dies in der Demilitarisierten Zone bei Panmunjom – dem Ort mit den berühmten blauen Baracken auf der Grenze der beiden Staaten – der Fall ist, sondern auch über wirtschaftliche oder kulturelle Projekte. Die Vergangenheitsform ist allerdings angemessen: „Spätestens seit dem Gipfeltreffen sind die Beziehungen beider Länder eingeschlafen“, sagt Hannes Mosler, Juniorprofessor für Koreastudien an der FU Berlin. Die faktische Außerdienststellung des Verbindungsbüros – die 25 Südkoreaner dürfen zwar vorerst bleiben, aber zu welchem Zweck ohne Nordkoreaner? – sei „bedauerlich“, auch wenn es weiterhin andere Kommunikationskanäle wie die genannten militärischen gebe.

          Gerade für „Schlechtwetterperioden“ gedacht

          Es geht vor allem um mehr als nur ein lapidares Verbindungsbüro: Die Ankündigung von „höchster Stelle“ Nordkoreas, wie die südkoreanische Regierung behauptet, lässt nichts Gutes erahnen. „Diplomatische Vertretungen sollten ja gerade auch für Schlechtwetterperioden einsatzfähig sein“, sagt Hanns-Günther Hilpert, Forschungsgruppenleiter Asien bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. Zweck des Büros war es unter anderem, sich jederzeit über bilaterale Projekte zu beraten, einfach einen kurzen Dienstweg zu haben, um über Erleichterungen oder auch Probleme zu sprechen. Seoul wollte das Büro zudem dazu nutzen, um mit Nordkorea über den Abbau von dessen Atomwaffenprogramm zu reden. Pjöngjangs Schritt weise auf eine „beträchtliche Verärgerung von Kim Jong-un“ hin, sagt Christian Taaks, Leiter des Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung in Seoul. Schon direkt nach dem gescheiterten Gipfel in Hanoi ließ der Diktator seine stellvertretende Außenministerin Choe Son-hui öffentlich über die Wiederaufnahme von Atomtests philosophieren – seit 2017 und dem Beginn des Tauwetters auf der koreanischen Halbinsel hat es keine Testläufe dieser Art gegeben.

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