https://www.faz.net/-gpf-9rtv4

Vor neuen Atom-Gesprächen : Nordkorea will U-Boot-Rakete getestet haben – Amerika dementiert

  • Aktualisiert am

Dieses von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA am 02.10.2019 zur Verfügung gestellte Foto zeigt eine von einem U-Boot abgefeuerte Rakete. Bild: dpa

Mit dem Test einer von einem U-Boot abgefeuerten Rakete wollte Nordkorea die Vereinigten Staaten unter Druck setzen. Doch in Washington glaubt man nicht daran, dass die Rakete tatsächlich von einem U-Boot gestartet wurde.

          2 Min.

          Wenige Tage vor der geplanten Wiederaufnahme von Gesprächen mit den Vereinigten Staaten über sein Atomwaffenprogramm wollte Nordkorea mit einem abermaligen Raketentest Stärke demonstrieren. Das Militär in Pjöngjang teilte in der Nacht zum Donnerstag mit, dass Nordkorea am Mittwoch eine ballistische Rakete getestet habe, die vor der Küste von einem U-Boot aus abgefeuert worden sei.

          Der Test sei erfolgreich verlaufen und habe „keine nachteiligen Auswirkungen“ auf die Sicherheit eines der Nachbarländer gehabt, hieß es dazu in Pjöngjang nach Angaben der Staatsagentur KCNA. Zudem werde damit „eine neue Phase in der Eingrenzung der Bedrohung (des Landes) von außen eingeleitet“.

          Japans Regierungschef Shinzo Abe warf Nordkorea schon kurz nach dem Test am Mittwoch vor, gegen UN-Resolutionen verstoßen zu haben, die dem isolierten Land den Test ballistischer Raketen verbieten. Solche Raketen können in der Regel Atomsprengköpfe befördern und sind damit Massenvernichtungswaffen.

          Amerika sieht keine Hinweise für Test

          Doch trotz Erfolgsmeldungen aus Pjöngjang hat Nordkoreas Militär nach Ansicht der amerikanischen Regierung keine ballistische Rakete von einem U-Boot aus abgefeuert. Man habe dafür keine Hinweise, erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Donnerstag. Vieles deute darauf hin, dass Nordkorea die „ballistische Rakete mit kurzer bis mittlerer Reichweite“ von einer „Plattform“ im Meer abgeschossen habe, sagte er. Verteidigungsminister Mark Esper habe mit seinem japanischen Amtskollegen Taro Kono gesprochen. Beide seien sich einig gewesen, dass „Nordkorea diese Tests beenden sollte“.

          Mit dem jüngsten Raketentest wollte Nordkorea offenbar vor den neuen Atomgesprächen, die mit Amerika am Samstag auf Expertenebene beginnen sollen, Stärke demonstrieren. Weltweit haben nur wenige Staaten die Fähigkeit, mit Atomwaffen bestückte Raketen von U-Booten abzufeuern. Raketen, die von einem U-Boot aus abgefeuert werden, sind schwerer vom Gegner zu entdecken und zu zerstören als solche, die von mobilen Abschussrampen oder festen Silos am Land gestartet werden.

          Das amerikanische Außenministerium und die EU forderten Nordkorea zum Verzicht auf Provokationen auf. Die Regierung in Pjöngjang müsse sich an ihre Verpflichtungen aus UN-Sicherheitsresolutionen halten. Sowohl Washington als auch Brüssel appellierten außerdem an Nordkorea, sich weiter in Verhandlungen für Frieden und Stabilität sowie für die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel zu engagieren.

          Südkorea präsentiert amerikanische Kampfflugzeuge

          Nordkorea entwickelt seit vielen Jahren verschiedene Raketentypen jeglicher Reichweite, die vom Land oder vom Wasser aus gestartet werden können. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten Südkorea und Japan befürchten, dass Nordkorea mit jedem neuen Test einer U-Boot-gestützten ballistischen Rakete (SLBM) neue technische Fortschritte erzielt.

          Die kommunistische Führung in Pjöngjang hatte im Mai 2015 erklärt, das Land habe erstmals von einem U-Boot eine ballistische Rakete abgefeuert. Die Angaben wurden damals vom Ausland noch angezweifelt. Etwa ein Jahr später testete Nordkorea eine neue SLBM-Rakete, bei dem der Flugkörper etwa 500 Kilometer weit flog. Beim jetzigen Test wurde nach Angaben aus Nordkorea eine Rakete des Typs Pukguksong-3 an der Ostküste bei Wonsan gestartet.

          Der südkoreanische Generalstab rief Pjöngjang auf, alles zu unterlassen, was neue Spannungen auf der koreanischen Halbinsel schüren könne. Wenige Stunden vor dem Raketenstart hatte Südkorea erstmals öffentlich einige der 40 in den Vereinigten Staaten gekauften Kampfflugzeuge des Typs F-35 gezeigt, die als modernste der Welt gelten. Die Beschaffung der Tarnkappenflugzeugs wird von Nordkorea massiv kritisiert.

          Weitere Themen

          Wege aus der Sackgasse

          Keine Freunde : Wege aus der Sackgasse

          Die Beziehungen zwischen China und Japan sind schlecht. Als Rechtfertigung muss oft die Geschichte herhalten - für beide.

          Topmeldungen

          Frankfurt am Main : Stadt der Türme

          Nicht nur den Banken hat Frankfurt seine in Deutschland einzigartige Skyline zu verdanken. Auch Gewerkschaften und Seifenfabrikanten bauten schon Hochhäuser. Wir zeigen die größten und schönsten.

          Bei Vortrag angegriffen : Weizsäcker-Sohn in Klinik getötet

          Fritz von Weizsäcker, Sohn des früheren Bundespräsidenten, ist von einem Angreifer in Berlin bei einem Vortrag erstochen worden. Der Täter wurde festgenommen, über sein Motiv besteht noch Unklarheit.

          Braunau : In Hitlers Geburtshaus zieht die Polizei ein

          Nach einem jahrelangen Rechtsstreit hat Österreich angekündigt, das Geburtshaus von Adolf Hitler in eine Polizeistation umzuwandeln. Das Haus dürfe „niemals ein Ort zum Gedenken an den Nationalsozialismus sein", so Innenminister Peschhorn.
          Trotz geringer Einwohnerzahl: Mit mehr als einer Billion Dollar ist der norwegische Staatsfonds der größte der Welt.

          Staatsfonds in Deutschland : Schaut nach Norwegen

          Deutschland altert, das Rentensystem stößt an seine Grenzen. Kommt als Lösung nun ein deutscher Staatsfonds? Klarheit könnte der anstehende CDU-Parteitag bringen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.