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Rüstungswettlauf : Nordkorea und Südkorea testen Raketen

In diesem Bild, das einem Video des südkoreanischen Verteidigungsministeriums entnommen wurde, wird am Mittwoch, dem 15. September, Südkoreas erste U-Boot-gestützte ballistische Rakete getestet. Bild: AP

Mit einem Raketentest verstößt Nordkorea abermals gegen Resolutionen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Wenige Stunden später legt Südkorea nach.

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          Der Rüstungswettlauf auf der koreanischen Halbinsel beschleunigt sich. Innerhalb weniger Stunden haben Nord- und Südkorea am Mittwoch Raketen aus eigener Entwicklung getestet. Am frühen Nachmittag um 12.34 Uhr und 12.39 Uhr Ortszeit testete zunächst das nordkoreanische Militär zwei Kurzstreckenraketen. Den Vereinigten Stabschefs des südkoreanischen Militärs zufolge wurden sie aus der Region um die Stadt Yangdeok im Landesinneren abgefeuert und flogen etwa 800 Kilometer weit in das Japanische Meer (in Südkorea Ostmeer genannt) zwischen Japan und der koreanischen Halbinsel.

          Anna Schiller
          Volontärin.

          Bei den Raketen soll es sich um den Typ KN-23 gehandelt haben, berichtet die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. In Flugbahn und äußerer Erscheinung ähneln die Raketen dem russischen Modell Iskander. Analysten gehen davon aus, dass es entweder mit russischer Hilfe entwickelt oder von Nordkorea eigenständig nachgebaut wurde. Im Zuge vorheriger Tests des Raketentyps hatte das nordkoreanische Militär die Reichweiche der Raketen kontinuierlich ausgebaut. Mit seiner kurzen Reichweite und der Fähigkeit, mit Nuklearsprengköpfen bestückt zu werden, wäre das Modell im Falle einer militärischen Auseinandersetzung mit Südkorea von strategischer Bedeutung. Mit dem Test verstößt Nordkorea abermals gegen Resolutionen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen.

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          Wenige Stunden später testete Südkorea erstmals eine U-Boot-gestützte ballistische Rakete. Der Test sei erfolgreich verlaufen und die Rakete habe in der angedachten Flugbahn ihr Ziel getroffen, teilte ein Regierungssprecher mit. Präsident Moon Jae-in soll den Test bei der Agency for Defense Development, die Waffen für das südkoreanische Militär entwickelt, mitverfolgt haben. Der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zufolge sagte Moon, dass sein Land die Verteidigungskapazitäten kontinuierlich ausbauen werde, um gegen Nordkoreas asymmetrische Kriegsführung gewappnet zu sein.

          Zusammenhang mit diplomatischen Treffen

          Die südkoreanische Regierung teilte zudem mit, dass das Militär eine Luft-Boden-Rakete erfolgreich getestet habe. Das Waffensystem sei mit Südkoreas eigens entwickelten Kampfflugzeugtyp KF-21 Boramae kompatibel, der sich derzeit in Entwicklung befinde. Das Verteidigungsministerium veröffentlichte nachträglich Videomaterial der Manöver und gab zurückliegende Tests weiterer Waffensysteme bekannt.

          Am Vormittag hatte sich der chinesische Außenminister Wang Yi mit dem südkoreanischen Außenminister Chung Eui-yong in Seoul getroffen. Am Rande der Gespräche soll er der Nachrichtenagentur Yonhap zufolge gesagt haben, dass Nordkorea – wie andere Länder auch – Militärmanöver durchführe. Man müsse gemeinsam daran arbeiten, den Dialog mit Nordkorea wieder aufzunehmen.

          Am Vortag hatte sich Sung Kim, Sonderbeauftragter für Nordkorea der Vereinigten Staaten, in Tokio mit seinen japanischen und südkoreanischen Amtskollegen getroffen. In der Vergangenheit waren nordkoreanische Raketentests häufiger zeitlich mit diplomatischen Treffen zusammengefallen. Nordkorea nutzt die Bühne politischer Gespräche, um Druck auf seine Schutzmacht China und die anderen Konfliktparteien auszuüben.   

          Die Tests von südkoreanischer Seite weisen darauf hin, dass das Land im Konflikt mit Nordkorea zukünftig verstärkt auf eigene Verteidigungskapazitäten setzt. Unter Präsident Donald Trump hatten sich die Vereinigten Staaten und Südkorea erst nach langen Verhandlungen auf eine Aufteilung der Verteidigungsausgaben einigen können. Südkorea hatte seinen Verteidigungsetat daraufhin erhöht. Die derzeitige amerikanische Regierung hatte mehrfach signalisiert, für Gespräche mit Vertretern Nordkoreas zur Verfügung zu stehen. Auf das Gesprächsangebot ist die nordkoreanische Seite bislang nicht eingegangen.

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