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Entscheidung in Pjöngjang : Nordkorea stoppt Militäraktionen gegen Südkorea

Ein Zaun an der innerkoreanischen Grenze im Juni Bild: AP

Vor kurzem hatte Pjöngjang mit Vergeltungsmaßnahmen gegen den Süden gedroht. Gründe für deren Halt wurden nicht genannt. Auch Propagandalautsprecher seien abgestellt worden.

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          Nordkorea hat nach eigenen Angaben „Pläne für militärische Aktionen gegen den Süden ausgesetzt“. Einen entsprechenden Beschluss traf die Zentrale Militärkommission unter Leitung von Machthaber Kim Jong-un laut der Nachrichtenagentur KCNA am Mittwoch. Ein Grund für die Entscheidung wurde in dem Bericht nicht genannt.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Es ist das erste Zeichen einer Deeskalation, nachdem Pjöngjang in den vergangenen Wochen den Druck auf den Süden mit Drohungen, Strafmaßnahmen und verbalen Ausfällen sukzessive erhöht hatte. Vergangene Woche hatte Nordkorea das innerkoreanische Verbindungsbüro in der Grenzstadt Kaesong und damit ein Symbol jener Annäherungspolitik gesprengt, die den Machthaber Kim Jong-un und den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in im Jahr 2018 zu drei Gipfeltreffen zusammengebracht hatte.

          Zudem hatte das Regime damit gedroht, wieder Militär in Bereiche der entmilitarisierten Zone zu verlegen, aus denen die Soldaten im Herbst 2018 im Zuge eines Abkommens mit dem Süden abgezogen worden waren. Auch von nicht näher spezifizierten „Aktionen“ des Militärs sowie einer Kampagne der psychologischen Kriegsführung war die Rede.

          Die Eskalationsschritte der vergangenen Wochen waren von der Schwester des Machthabers, Kim Yo-Jong, verkündet worden. Das gab bei manchen Analysten nun Anlass zu der Vermutung, dass es sich um eine taktische Rollenverteilung handle, in der Kim Jong-un die Rolle des versöhnlichen Staatsmannes zukomme, während seine Schwester sich mit Härte gegenüber dem Militär im eigenen Land zu profilieren suche.

          Neben innenpolitischen Erwägungen könnte hinter dem Manöver das Ziel stehen, Südkorea zu wirtschaftlichen Hilfen und damit zu einer Aufweichung der internationalen Sanktionen zu bewegen. Bei der Sitzung der Militärkommission kamen auch „Maßnahmen zur weiteren Stärkung der Kriegsabschreckung“ zur Sprache.   

          Kurz nach Veröffentlichung des Berichts über die Sitzung der Militärkommission meldete Südkorea am Mittwoch, dass Hassbotschaften gegen den Süden von nordkoreanischen Webseiten entfernt worden seien. Auch seien in der entmilitarisierten Zone auf nordkoreanischer Seite mehrere Propagandalautsprecher wieder abmontiert worden, die erst am Montag dort installiert worden waren. Eine Wiederaufnahme der Beschallung der entmilitarisierten Zone mit Propagandabotschaften hätte gegen das Abkommen verstoßen, dass Kim und Moon 2018 in Panmunjom unterschrieben hatten. 

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