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Nordkorea : Steigender Unmut, verschärfte Töne

Das nordkoreanische Frachtschiff „Wise Honest“ Bild: dpa

Beschlagnahmter Frachter, verstopfte Kommunikationskanäle: Monate nach dem gescheiterten Gipfel in Hanoi steht es nicht gut um den politischen Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel. Auf der Sachebene aber gibt es Hoffnung.

          Monate nach den – in den Augen vieler Beobachter – gescheiterten Verhandlungen zwischen dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un in Hanoi verschärft sich wieder der Ton zwischen Pjöngjang und Washington. Neuester Anlass ist ein von den Vereinigten Staaten beschlagnahmter nordkoreanischer Frachter, die „Wise Honest“. Die Vereinigten Staaten sollten über die möglichen Folgen ihres Handelns für die künftige Entwicklung zwischen den beiden Ländern nachdenken, sagte Nordkoreas Botschafter bei den Vereinten Nationen, Kim Song, am Dienstag in New York.

          Amerika wirft Nordkorea vor, unter anderem mit diesem Frachtschiff, das unter anderem Kohle transportiert haben soll, die internationalen Sanktionen zu umgehen. Das Schiff war amerikanischen Angaben zufolge bereits im April 2018 von indonesischen Behörden festgesetzt worden. Mittlerweile ist der Frachter zur Inspektion nach Amerikanisch-Samoa gebracht worden.

          Der Vorfall ist ein weiteres Indiz dafür, dass sich das Verhältnis zwischen den verfeindeten Staaten nach den Friedensbemühungen in Singapur 2018 und zuletzt in Hanoi wieder deutlich verschlechtert. Im Mai ließ Kim Jong-un erstmals seit 2017 wieder Raketen testen, was bei Beobachtern als Zeichen steigenden Unmuts in Pjöngjang interpretiert wird. „Das In-die-Luft-Ballern dient dazu, die Falken zuhause und das Militär bei Laune zu halten“, sagt Hartmut Koschyk (CSU), der frühere langjährige Vorsitzende der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe im Bundestag.

          „Bislang alle geplanten informellen Dialoge abgesagt“

          Davon unmittelbar betroffen sind vor allem die Kontakte und Kommunikationskanäle zwischen dem Regime in Pjöngjang und zivilgesellschaftlichen Akteuren in Staaten wie Schweden oder auch Deutschland, die oftmals unterhalb der Regierungsebene rege Austausche organisieren. „Nordkoreanische Offizielle haben nach Hanoi bislang alle geplanten informellen Dialoge abgesagt“, sagt der Korea-Forscher Eric Ballbach von der FU Berlin. Betroffen seien aber auch die innerkoreanischen Kontakte, „die von nordkoreanischer Seite drastisch reduziert worden sind, vor allem unterhalb der Regierungsebene“, sagt Christian Taaks, Leiter des Seouler Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung.

          Die Naumann-Stiftung konnte zuletzt im April 2019 mit zwei Fachleuten nach Nordkorea reisen – zu einem Workshop zum Thema Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung, bei dem knapp 60 nordkoreanische Fachleute anwesend waren. Die Atmosphäre sei „ausgesprochen freundlich, kooperativ und konstruktiv“ gewesen, sagt Taaks, der Hoffnung hat, dass der Wissenstransfer auf der Expertenebene weiter geht – trotz der zunehmenden politischen Spannung auf höheren Regierungsebenen.

          Dass Nordkorea auf die Expertise ausländischer Hilfsorganisationen weiter angewiesen ist, darauf lässt die aktuelle Dürre schließen, die zu einer der größten Hungersnot der vergangenen Jahre führen könnte. „Wenn es nicht regnet in den nächsten zwei Wochen, dann droht eine Hungerkrise“, warnt Kim Hartzner, der Gründer der deutsch-dänischen Hilfsorganisation Mission East. Zuvor hatten bereits die Welthungerhilfe sowie die Vereinten Nationen vor einer ernsthaften Hungersnot gewarnt. Südkorea hat mehrfach Hilfe angeboten.

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