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Nach Drohungen : Seoul: Nordkorea sprengt Verbindungsbüro an der Grenze

  • Aktualisiert am

Südkoranische Soldaten patrouillieren am Montag an der Grenze zu Nordkorea. Bild: AP

Nordkorea hat nach südkoreanischen Angaben das innerkoreanische Verbindungsbüro in der Grenzstadt Kaesong gesprengt. Zuvor hatte die Regierung in Pjöngjang mehrmals damit gedroht.

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          Nordkorea hat nach südkoreanischen Angaben ein Verbindungsbüro für die Beziehungen der beiden Staaten gesprengt. Die Explosion habe sich am Dienstag um 14.49 Uhr (Ortszeit) ereignet, teilte das Vereinigungsministerium mit. Das Gebäude befand sich in der Stadt Kaesong, knapp nördlich der Grenze zwischen den beiden Staaten.

          Nordkorea hatte zuvor angedroht, das Verbindungsbüro abzureißen. Es äußerte die Drohung im Zuge zunehmend scharfer Kritik daran, dass Südkorea Aktivisten nicht stoppt, die Propaganda-Flugblätter über die Grenze in den Norden fliegen lassen. „Unsere Armee beobachtet die Lage genau, in der sich die innerkoreanischen Beziehungen zusehends verschlechtern“, teilte die Armeeführung des international isolierten Landes am Dienstag mit. Es würden Pläne der Regierung und der Arbeiterpartei geprüft, wonach die Armee wieder in Zonen vorstoßen könne, die unter dem Abkommen zwischen den beiden Ländern entmilitarisiert worden seien, wurde der Generalstab von den Staatsmedien zitiert. Auch deutete er an, die Volksarmee könnte ihrerseits Flugblätter nach Südkorea schicken.

          Halbe Million Flugblätter mit Ballons verschickt

          Den Plänen zufolge soll die Frontlinie in eine Festung verwandelt und die militärische Wachsamkeit gegenüber Südkorea weiter erhöht werden. Details zu den Zonen, in die das Militär wiedereintreten könnte, wurden nicht genannt.

          Die kommunistische Führung Nordkoreas fühlt sich durch die abermalige Verbreitung von Flugblättern durch südkoreanische Aktivisten und nordkoreanische Flüchtlinge an der Grenze provoziert. Dabei wurden Ende Mai mit Ballons etwa eine halbe Million Flugblätter, die sich gegen die autokratische Führung in Pjöngjang richten, über die Grenze geschickt. Pjöngjang wirft der Regierung in Seoul vor, diese schon seit Jahren durchgeführte Kampagne weiter zu tolerieren.

          Nordkorea hatte mit dem Ausstieg aus einem Militärabkommen von 2018 über vertrauensbildende Maßnahmen gedroht, sowie mit Vergeltungsaktionen, in die auch das Militär einbezogen werden sollte. Südkoreanische Medien spekulierten jetzt, Nordkorea könnte unter anderem wieder Soldaten in das Gebiet um seine westliche Grenzstadt Kaesong schicken. Dort hatten beide Länder bis 2016 einen gemeinsamen Industriekomplex betrieben. Vor der Öffnung des Industrieparks 2004 waren auf dem Gelände Soldaten stationiert gewesen.

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