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Nordkorea : Spekulationen über Kims Nachfolge

  • Aktualisiert am

Bild: ap

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-il hat Medienberichten zufolge seinen jüngsten Sohn als Nachfolger bestimmt, was offiziell nicht bestätigt wird. Zudem trifft das Regime anscheinend Vorbereitungen für einen weiteren Raketentest.

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          Nordkorea will nach seinem Atomtest offenbar seine Provokationen fortsetzen und plant weitere Raketenstarts. Nach Geheimdiensterkenntnissen aus Amerika und Südkorea werden eine Langstreckenrakete und drei Raketen mittlerer Reichweite zum Abschuss vorbereitet. Außerdem hält Nordkorea militärische Übungen an seiner Westküste ab. Südkorea hat ein Kriegsschiff an die Seegrenze geschickt, um etwaige Provokationen abzuwehren.

          Nordkoreas Langstreckenraketen sind theoretisch in der Lage, amerikanisches Gebiet zu erreichen. Kurz- und Mittelstreckenraketen sind vor allem eine Bedrohung für Südkorea und Japan. Japan hat am Dienstag Pläne für ein Raketen-Frühwarnsystem gebilligt. Beobachter halten es für möglich, dass Nordkorea die Langstreckenrakete abfeuern will, wenn Südkoreas Präsident Lee Myung-bak am 16. Juni mit dem amerikanischen Präsidenten Obama zusammentrifft. An diesem Donnerstag will Nordkorea auch zwei amerikanische Journalistinnen, denen unter anderem illegaler Grenzübertritt vorgeworfen wird, vor Gericht stellen.

          Abgemagert und hinfällig

          Nordkoreas Machthaber Kim Jong-il hat nach Geheimdienstberichten aus Südkorea doch seinen dritten Sohn Kim Jong-un zu seinem Nachfolger bestimmt. Die Mitteilung von dessen Nominierung sei kurz vor dem Atomtest Nordkoreas an ranghohe Parteifunktionäre ausgegeben worden, berichtete die südkoreanische Zeitung „Hangkook Ilbo“ am Dienstag. Angeblich müsse die nordkoreanische Bevölkerung schon ein Loblieb auf den Kim-Sohn lernen.

          Wird Kim Jong-un der neue Machthaber?
          Wird Kim Jong-un der neue Machthaber? : Bild: REUTERS

          Seit der 67 Jahre alte Kim Jong-il im vergangenen Sommer wahrscheinlich wegen eines Schlaganfalles mehrere Monate nicht in der Öffentlichkeit aufgetreten war, reißen Spekulationen über seine Nachfolge nicht ab. Kim Jong-il war nach langer Zeit der Abwesenheit wieder bei der Sitzung des Obersten Volksversammlung erschienen, die ihn wieder zum Vorsitzenden der Nationalen Verteidigungskommission wählte. Er sah abgemagert und hinfällig aus.

          Bereits vor der Wahl zur Obersten Volksversammlung hatte es Geheimdienstberichte gegeben, nach denen sein erst 27 Jahre alter Sohn Kim Jong-un mit der Wahl als „Volksvertreter“ seine politische Karriere beginnen sollte. Auf der Liste der gewählten Kandidaten fehlte aber dann sein Name. Jetzt wollen südkoreanische Beobachter ihn als Kandidaten eines ländlichen Wahlkreises ausgemacht haben.

          Es ist aber ungewöhnlich, dass in Kim Jong-un ein Nachfolger für das höchste Amt in Nordkorea erwählt würde, der im Ausland erzogen wurde. Nach verschiedenen Berichten ist Kim Jong-un mehrere Jahre auf die internationale Schule in Bern gegangen. Er habe dort einen anderen Namen benutzt. Kim Jong-un ist sehr jung für ein hohes Amt. In Nordkorea, wo Wert auf Seniorität und Erfahrung gelegt wird, dürfte ein solcher Kandidat der Parteiführung schwer zu vermitteln sein.

          Noch keine offiziellen Stellungnahmen

          Nachrichten über die Machtverhältnisse und innere Lage in Nordkorea stützen sich mangels Nachrichten aus Nordkorea oft auf südkoreanische Geheimdienstberichte und Berichte von Überläufern. Diese haben sich aber auch schon oft als unzuverlässig erwiesen. So erscheint die Art des Vorgehens, die Nachfolge zuerst nur der Parteiführung und den Auslandsvertretungen bekannt zu geben neu.

          Nordkorea-Beobachter in Südkorea weisen darauf hin, dass die Ernennung des derzeitigen Machthabers Kim Jong-il zum Nachfolger seines Vaters viele Jahre vor dem Vollzug bekannt gegeben worden sei. Es sei ungewöhnlich, dass der Führer jetzt seine Pläne für eine dynastische Erbfolge vor dem Volk geheimhalte. Eigentlich müsse das Regime Wert darauf legen, seine eigenen Medien die große Neuigkeit schnell verbreiten zu lassen, sagt Brian Myers von der südkoreanischen Dongseo-Universität. Bislang gibt es aber noch keine offiziellen Stellungnahmen.

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