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Nordkorea : Provokationen verschleiern Kims neue Bescheidenheit

  • -Aktualisiert am

Flammender Protest auf den Straßen von Seoul Bild: AFP

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-il wollte bis 2012 ein „wohlhabendes und mächtiges“ Land regieren. Das schafft er nicht. Deshalb will er jetzt nur noch die Anerkennung als Atommacht.

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          Wenn der Weltsicherheitsrat sich nicht für seine Kritik entschuldigt, sind wir gezwungen, zusätzliche Verteidigungsmaßnahmen zu ergreifen. Dazu gehört ein Atomtest.“ So schallte es vor einigen Wochen trotzig aus Pjöngjang, nachdem das UN-Gremium den Raketentest Nordkoreas verurteilt hatte.

          Bereits zwei Wochen später hat Nordkorea seine Drohung wahrgemacht. Zehn Kilometer unter der Erde gab es in der Nacht zum Montag eine Atomexplosion, die Nordkorea als „erfolgreich“ bezeichnet.

          Eine Serie von Provokationen

          Nordkoreas Machthaber Kim Jong-il hat mit dem Test die gewichtigste seiner Karten im großen Poker um Anerkennung und Hilfe für sein marodes Regime gespielt. Nordkorea droht mit seiner Atommacht.

          Extrablatt in Tokio
          Extrablatt in Tokio : Bild: REUTERS

          Um keine Zweifel an seinen Absichten zu lassen, hieß es in der Erklärung aus Pjöngjang, der Test habe dazu gedient, wissenschaftliche und technologische Probleme der Stärkung nuklearer Waffen zu lösen. Die Welt solle nicht vergessen, dass Nordkorea genug Plutonium für etwa sechs Atombomben hat. Und sie solle sich deshalb besser den Forderungen aus Pjöngjang beugen.

          Der Atomtest ist die letzte Steigerung von einer Serie von Provokationen aus dem kommunistischen Nordkorea, die mit dem Machtwechsel in Südkorea begonnen haben. Seit der konservative Lee Myung-bak im März 2008 als Präsident Südkoreas das Ende der „Sonnenschein-Politik“ seiner beiden Amtsvorgänger eingeleitet hat, gibt sich Pjöngjang unversöhnlich und aggressiv.

          Sechsergespräche auf Eis gelegt

          „Die Lee-Myung-bak-Gruppe der Verräter“ heißt die Regierung in Seoul in Stellungnahmen aus Nordkorea. Für die bösartigen Ausfälle gab es nicht nur ideologische Gründe. Lee Myung-bak hat die Hilfsleistungen für Nordkorea einstellen lassen. Ohne Vorleistungen will er dem anderen koreanischen Staat nicht weiter unter die Arme greifen. Der Wegfall von Lebensmittel- und Saatgut-Lieferungen hat das marode Nordkorea, dessen Landwirtschaft kaum die Bevölkerung ernähren kann, schwer getroffen.

          Pjöngjang hatte sich nach der Einigung bei den Sechsergesprächen im Jahr 2007 Hoffnungen auf baldige internationale Anerkennung und Hilfsleistungen gemacht. Besonders die vom Regime so dringend angestrebte Anerkennung durch die Vereinigten Staaten schien näher gerückt. Nachdem Amerika Nordkorea von der Liste der Terror unterstützenden Staaten genommen hatte, sah Pjöngjang eine Chance, einen Keil zwischen Südkorea und die Vereinigten Staaten zu treiben.

          Es wurde säumig mit den Verpflichtungen zur Verifizierung des Abbaus seines Atomprogrammes und wollte nachverhandeln. Die Sechsergespräche wurden auf Eis gelegt und das Regime verstärkte gleichzeitig die verbalen Ausfälle gegen die südkoreanische Regierung. Je näher der Regierungswechsel in Washington rückte, desto lauter schmähte Pjöngjang das „Marionetten-Regime“ in Südkorea. Zu Beginn des Jahres kulminierten die Attacken in der Erklärung, dass man sich an die Vereinbarung zur Vertrauensförderung und Entspannung, die mit Lee Myung-baks Vorgängern getroffen worden waren, nicht mehr gebunden fühle.

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