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Norkoreanischer Raketentest : Pence verkündet „Ende der strategischen Geduld“

  • Aktualisiert am

Amerikas Vizepräsident lässt sich das sogenannte Friedensdorf Pannunjeom zeigen, das Gebiet in der demilitarisierten Zone, in dem der Waffenstillstand zwischen Nord- und Südkorea einst verhandelt wurde. Bild: EPA

Amerikas Vizepräsident besucht Südkorea und zeigt sich unbeeindruckt durch Nordkoreas Säbelrasseln. An Machthaber Kim Jong-un richtet er nach dem jüngsten Raketentest eine klare Warnung.

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          Nur einen Tag nach dem jüngsten Raketentest Pjöngjangs hat Amerikas Vizepräsident Mike Pence Nordkorea im Streit um dessen Raketen und Atomprogramm gewarnt, dass „die Politik der strategischen Geduld“ mit dem stalinistischen Regime beendet sei. Das teilte das Weiße Haus in Washington mit. Dabei ließ Pence offen, was genau die Vereinigten Staaten gegenüber Nordkorea zu tun gedenken. Während des Besuchs des ehemaligen UN-Militärstützpunkt Camp Bonifas, der sich nur rund 2400 Meter südlich der entmilitarisierten Zone der beiden verfeindeten Länder befindet, bezeichnete Amerikas Vizepräsident die Allianz Washingtons mit Seoul als „unangreifbar“.

          Am Sonntag hatte das nordkoreanische Militär einen Flugkörper von der Ostküste nahe der Hafenstadt Sinpo abgeschossen. Nach Angaben des südkoreanischen und des amerikanischen Militärs explodierte die Kurz- oder Mittelstreckenrakete allerdings fünf Sekunden nach dem Start. Der Test erfolgte nur einen Tag nach einer großen Militärparade in Pjöngjang anlässlich des 105. Geburtstags von Staatsgründer Kim Il-sung und wenige Stunden vor der Ankunft des amerikanischen Vizepräsidenten in Seoul. Den befürchteten sechsten Atombombentest seines Landes ordnete Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un indes offenbar ebenso wenig an wie den Test einer weiteren Langstreckenrakete. Beides hätte als klare Provokation der Vereinigten Staaten gewertet werden können.

          Misslungene Provokation : Nordkoreanische Rakete bei Test explodiert

          Amerikas Präsident Trump hatte vergangene Wochene gesagt, dass alle Optionen auf dem Tisch lägen und die Vereinigten Staaten notfalls auch im Alleingang gegen Nordkorea vorgehen würden. Ein Regierungsvertreter, der nicht namentlich zitiert werden wollte, hatte dazu in Washington ausgeführt, Amerika habe bereits mehrere militärische Möglichkeiten geprüft.

          Als Demonstration militärischer Stärke hatte Trump einen Flottenverband mit dem amerikanischen Flugzeugträger „USS Carl Vinson“ entsandt. Er sollte am vergangenen Wochenende nahe der koreanischen Halbinsel in Position gehen.

          Pence sagte, er verbinde mit der entmilitarisierten Zone auch eine persönliche Geschichte. Sein Vater, Edward Pence, habe mit den südkoreanischen Truppen im Koreakrieg (1950-53) gekämpft. Später am Montag wollte er den kommissarischen Präsidenten Südkoreas, Hwang Kyo-ahn, treffen. Dabei dürfte die von Nordkorea ausgehende wachsende nukleare Bedrohung im Mittelpunkt stehen.

          Vor einer Gruppe amerikanischer Soldaten sagte Pence weiter, unter der Führung von Präsident Donald Trump sei „unsere Entschlossenheit und unser Bekenntnis zu dieser historischen Allianz mit dem mutigen Volk Südkoreas niemals stärker gewesen“, versicherte er. Die Vereinigten Staaten haben in Südkorea 28.500 Soldaten stationiert.

          Nordkorea unterhält trotz umfassender Sanktionen seit Jahren ein Atomwaffenprogramm. Seit 2006 hat das Land insgesamt fünf Atomwaffentests vorgenommen, davon zwei im vergangenen Jahr. Zugleich arbeitet die Führung in Pjöngjang an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe bis zu Amerikas Westküste getragen werden könnten.

          Die entmilitarisierte Zone zwischen den beiden verfeindeten Staaten Nord- und Südkorea gehört - anders als es die offizielle Bezeichnung vermuten ließe - zu den weltweit am schwersten gesicherten Grenzgebieten. Die vier Kilometer breite Pufferzone ist gespickt mit Wachtürmen und Landminen. Süd- und Nordkorea befinden sich formal noch im Kriegszustand, weil nach dem Koreakrieg der Jahre 1950 bis 1953 kein Friedensvertrag geschlossen wurde.

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