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Nordkorea : Partielle Grenzöffnung für Familien und Wirtschaftskooperation

  • -Aktualisiert am

Das offizielle Besuchs-Foto: Die Chefin der südkoreanischen Hyundai Gruppe, Hyun Jung-Eun, und Kim Jong-Il am Sonntag in Pjöngjang Bild: AFP

Nordkorea hat einer Öffnung seiner Grenze zu Südkorea zugestimmt. Künftig soll der Grenzübertritt für Tourismus und Familienzusammenführungen wieder möglich sein, meldete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA .

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          In den festgefahrenen Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea zeichnet sich nach Monaten der Spannungen und der aggressiven Rhetorik aus Pjöngjang eine Entspannung ab. Beim Besuch der Vorsitzenden der südkoreanischen Hyundai-Gruppe in Pjöngjang willigte Nordkorea ein, die innerkoreanischen Tourismusprojekte wiederaufzunehmen. Es wurde außerdem angekündigt, dass getrennte Familien aus Nord und Süd wieder zu einem Treffen zusammengeführt werden sollen.

          Bereits in der vergangenen Woche hatte die nordkoreanische Führung einen südkoreanischen Ingenieur freigelassen, der mehr als vier Monate in Nordkorea festgehalten worden war. Das südkoreanische Wiedervereinigungsministerium begrüßte am Montag die Einigung in Pjöngjang, verwies aber darauf, dass sie erst noch durch die Regierungen der beiden Seiten bestätigt werden müssten. Trotz der Einigung versetzte Nordkorea angesichts eines Manövers südkoreanischer und amerikanischer Truppen seine Streitkräfte am Montag in Alarmbereitschaft.

          Aufenthalt fünfmal verlängert

          Die Vorsitzende der Hyundai-Gruppe, Hyun Jeong-eun, war am Sonntag zu einem vier Stunden währenden Gespräch und Mittagessen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-il zusammengetroffen. Das Treffen am Berg Myohyang nördlich der Hauptstadt Pjöngjang habe in einer freundlichen Atmosphäre stattgefunden, sagte Frau Hyun am Montag, wollte aber keine Einzelheiten bekanntgeben. Sie zeigte sich optimistisch, dass auch vier südkoreanische Fischer, die im Norden festgehalten werden, bald freikommen werden.

          Entspannungszeichen : Nordkorea öffnet Grenze zu Südkorea

          Frau Hyun hatte ihren Aufenthalt in Pjöngjang, der ursprünglich für drei Tage geplant war, fünfmal verlängert, wahrscheinlich weil Kim Jong-il sie auf eine Audienz warten ließ. Südkoreanische Beobachter glauben, dass Kim Jong-il die Verhandlungen in die Länge ziehen ließ, um möglichst viele Zugeständnisse zu erreichen. Möglich ist aber auch, dass Kim Jong-il eine Grundsatzrede des südkoreanischen Präsidenten Lee Myung-bak zum Jahrestag des Kriegsendes am vergangenen Samstag abwarten wollte. Lee Myung-bak gab sich in dieser Rede gegenüber Nordkorea versöhnlicher im Ton und deutete an, dass seine Regierung dem nördlichen Nachbarn wieder Hilfe leisten könne.

          Stillschweigen über neue Geldforderungen Nordkoreas

          Anders als in früheren Verlautbarungen machte Lee in seiner Rede Hilfeleistungen für den Norden nicht mehr von einer vollzogenen Denuklearisierung abhängig, sondern er sprach davon, dass Südkorea dem Norden helfen würde, wenn dieser sich „entschlossen“ zeige, sein Atomprogramm aufzugeben. Lee schlug erstmals Gespräche über konventionelle Abrüstung vor. Vertrauensbildende Maßnahmen, die beim innerkoreanischen Gipfel 2007 vereinbart worden waren, sind seit dem Amtsantritt Lee Myung-baks ausgesetzt, weil Nordkorea dem neuen Staatschef in Seoul eine feindselige Haltung vorwarf. Jetzt zeigte sich Lee Myung-bak bereit, eine Wirtschaftszone einzurichten und ein Treffen auf hoher Ebene zu planen.

          Es wurde nicht bekannt, ob die Hyundai-Chefin mit Kim Jong-il auch über die neuen Geldforderungen Nordkoreas für die gemeinsame Industriezone Kaesong gesprochen hat. Der Hyundai-Konzern ist der wichtigste Financier und Organisator der innerkoreanischen Projekte. Der Konzern veranstaltet Reisen in zwei Gebiete in Nordkorea und hat auch in der gemeinsamen Industriezone von Kaesong investiert.

          Umdenken in Pjöngjang seit Besuch Clintons

          Die Reisen nach Nordkorea waren eingestellt worden, nachdem ein nordkoreanischer Soldat im vergangenen Jahr eine südkoreanische Touristin erschossen hatte, die sich angeblich in einem Sperrgebiet aufhielt. Die Tourismuszonen und die Industriezone in Kaesong sind wichtige Devisenquellen für das abgewirtschaftete kommunistische Land, das nach den von den Vereinten Nationen verhängten Sanktionen jetzt noch mehr unter Druck steht.

          Neben der misslichen Wirtschaftslage hat der Besuch des früheren amerikanischen Präsidenten Clinton vor zwei Wochen in Pjöngjang ein Umdenken in Pjöngjang eingeleitet. Nun gibt es Aussichten auch auf diplomatische Fortschritte. Nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenangentur Yonhap will China seinen Unterhändler für Nordkorea diese Woche nach Pjöngjang schicken, um über eine Wiederaufnahme der Sechser-Gespräche zu verhandeln.

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