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Nordkorea : Martialische Sprache bei der Suche nach Schuldigen

  • -Aktualisiert am

Machthaber Kim Jong-il im August 2007 Bild: AFP

Während Nordkorea mit seinen Drohungen weltweit Empörung auslöst, lässt sich das Regime im eigenen Land feiern. Wenn Kim Jong-il seine wirtschaftlichen Ziele, wie vorherzusehen, nicht erreicht, will er daran nicht schuld sein. Der Atomtest ist Ablenkung und kalkulierte Provokation in einem.

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          Während die Welt sich empört und Kritik von allen Seiten geäußert wird, lässt Pjöngjang feiern. Zehntausende kamen am Dienstag zu einem Massenaufmarsch in der nordkoreanischen Hauptstadt, um den Atomtest zu bejubeln. Die nordkoreanische Armee kam zu einer eigenen Jubelveranstaltung im Stadion von Pjöngjang zusammen. Der Atomtest sei ein „großartiges Ereignis, mit dem Nordkorea seine Würde und Souveränität gegen die Bedrohung der amerikanischen Imperialisten“ verteidigt habe, rief „Parlamentspräsident“ Choe Thae-bok den pflichtschuldig jubelnden Massen zu. Amerika plane einen nuklearen Erstschlag gegen Nordkorea und versuche es mit Sanktionen unter Druck zu setzen.

          Eine „bösartige Politik“ der Vereinigten Staaten zusammen mit konservativen Regierungen in Japan und Südkorea habe die Lage Nordkoreas schwierig werden lassen, sagte Choe. Und in einem Kommentar der Parteizeitung „Rodong Sinmun“ hieß es, die „amerikanischen Imperialisten“ wollten die ganze asiatisch-pazifische Region unter ihre Kontrolle bringen. Die neue amerikanische Regierung rede nur von Wandel und Dialog, doch tatsächlich verfolge sie dieselbe Politik wie die Bush-Regierung, nämlich Nordkorea mit Waffengewalt zu ersticken.

          Als Nordkorea im vergangenen Jahr seine Provokationen gegen Südkorea begann und seine martialische Sprache sowie sein zunehmend unberechenbares Verhalten immer mehr steigerte, glaubten die meisten Auguren, dass Kim Jong-il damit die Aufmerksamkeit der neuen amerikanischen Regierung auf sich lenken wollte. Direkte Gespräche mit Washington waren schon immer das Ziel der nordkoreanischen Regierung gewesen, und nur nach direkten Gesprächen mit Washington hatte Nordkorea im Jahr 2007 auch Zugeständnisse bei den Sechsergesprächen gemacht.

          Konfrontation in Korea : Pjöngjang droht mit Militärschlag

          Von der Regierung Obama konnte sich Pjöngjang einen Wechsel in der Politik gegenüber Nordkorea erhoffen. Tatsächlich lud Obama die Feinde Amerikas zu Gesprächen ein. Doch Nordkorea reagierte nicht, und Obamas neuer Nordkorea-Beauftragter reiste bald in die Region und war auch bereit nach Nordkorea zu fahren, doch die erwartete Einladung blieb aus. Auch andere Gesprächsangebote schlug Pjöngjang aus. Stattdessen steigerte Nordkorea seine Provokationen, zuerst mit dem Raketenstart und dann mit dem Atomtest.

          Pjöngjangs Diplomaten müssen wissen, dass der Raketenstart und Atomtest es schwierig für Präsident Obama macht, eine Politik des Dialoges mit Nordkorea zu verfolgen. Zumindest wird sich die Kontaktaufnahme verzögern. In absehbarer Zeit wird Washington nicht willens und in der Lage sein, Nordkorea mit irgendwelchen Zugeständnissen entgegenzukommen. Ist Kim Jong-il nicht mehr interessiert an Kontakt und der Anerkennung durch die Vereinigten Staaten? Es scheint zumindest, dass der Austausch mit der Supermacht nicht mehr die Haupttriebkraft hinter den Manövern des nordkoreanischen Machthabers ist.

          Demonstration der Macht

          Kim Jong-il kämpft um sein Überleben und das seiner Dynastie. Der Raketenstart und der Atomtest dienen als Demonstration der Macht an Kader und Massen im kommunistischen Staat. Alles richtet sich derzeit nach dem Planziel 2012. Wenn dann der 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-sung gefeiert wird, soll Nordkorea zu einem starken und wohlhabenden Staat werden. Dazu hat der Machthaber Kim Jong-il eine „150 Tage Kampagne“ ausgerufen, mit der die arbeitende Bevölkerung mobilisiert werden soll, alle Kräfte für einen wirtschaftlichen Aufschwung zu mobilisieren.

          In der Hauptstadt Pjöngjang gibt es tägliche Kundgebungen und Propaganda-Bekanntmachungen, die die werktätige Bevölkerung für die 150 Tage anspornen sollen. Doch kaum jemand weiß besser als der Führer, dass Nordkorea aus eigener Kraft keinen Aufschwung schaffen kann. Schon jetzt deuten sich neue Schwierigkeiten in der Landwirtschaft an, weil der Kunstdünger, der bislang von Südkorea geliefert wurde, zur Neige geht. Trotzdem verweigert sich Pjöngjang auch nur der kleinsten Reform. Selbst das Hoffnungs-Projekt Kaesong, wo südkoreanische Firmen produzieren lassen, stellt Kim Jong-il in Frage.

          Angesichts der wirtschaftlichen Lage hilft es, wieder am Feindbild zu arbeiten und die Schuld am Versagen möglicher Anstrengungen auf die Amerikaner und ihre Politik zu schieben. Wenn die selbstgesetzten Ziele in drei Jahren nicht erreicht sind, werden die „amerikanischen Imperialisten“, Südkorea und Japan schuld sein, nicht die Kim- Dynastie.

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