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Nordkorea lehnt Angebot ab : „Niemand tauscht sein Schicksal gegen Maiskuchen“

Aufnahme der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA vom 14. August von Kim Yo Jong Bild: dpa

Nordkorea hat ein südkoreanisches Angebot von Wirtschaftshilfen für atomare Abrüstung zurückgewiesen. Die Schwester von Machthaber Kim Jong Un, Kim Yo Jong, reagierte mit harschen Worten und persönlichen Beschimpfungen.

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          In harschen Worten und mit persönlichen Beschimpfungen hat die Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un, Kim Yo-jong, das südkoreanische Angebot von Wirtschaftshilfe im Tausch gegen nu­kleare Abrüstung zurückgewiesen. Kim bezeichnete das Angebot als „dumm“ und forderte Südkoreas Präsident Yoon Suk-yeol auf, mit dem „vergeblichen Träumen“ aufzuhören. Kim schloss in einer Stellungnahme, die am Freitag von den nordkoreanischen Staatsmedien verbreitet wurde, ein Gipfeltreffen mit Yoon aus. Südkoreanische Regierungsstellen reagierten auf die Tiraden aus Pjöngjang gelassen. Das Präsidialamt und das Vereinigungsministerium sprachen von tiefer Enttäuschung und bezeichneten die Vorwürfe als unhöflich.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der südkoreanische Präsident hatte in dieser Woche seinen „kühnen Plan“ skizziert, mit dem er Nordkorea zur Abkehr von der Atomwaffenentwicklung verlocken will. Yoon verspricht dem nordkoreanischen Regime umfassende Wirtschafts-,  Nahrungsmittel- und medizinische Hilfe. Als Voraussetzung verlangt er keine vollständige nukleare Abrüstung, aber entschiedene Schritte des Nordens in diese Richtung (F.A.Z. vom 18. August).

          Yoons Plan „unpraktikabel“

          Die Schwester des Diktators, die als stellvertretende Abteilungsleiterin im Zentralkomitee der Arbeiterpartei für innerkoreanische Beziehungen zuständig ist, verspottet den Vorschlag. Yoons Plan sei „so unpraktikabel wie der Versuch, den dunkelblauen Ozean auszutrocknen und daraus ein Maulbeerfeld zu machen“, heißt es. „Niemand tauscht sein Schicksal gegen Maiskuchen“, kommentiert sie die Forderung, die Atomwaffen aufzugeben.

          Kim bezeichnete Yoons Initiative als Replik eines analogen Angebots des früheren südkoreanischen Präsidenten Lee Myung-bak, der damit vor einem Jahrzehnt in Nordkorea keinen Erfolg gehabt hatte. Lee wurde vom Norden als Verräter, Betrüger und Schieber beschimpft. Auch Yoon wird nicht mit Schimpfworten verschont. „Wir mögen Yoon Suk-yeol nicht persönlich“, schreibt Kim in der Erklärung. Sie beschimpft ihn als „Hund, der bellt“, als „sogenannten Präsidenten“, als „Schurken“ und als „Schuft“. Egal mit welchem großen Plan er in der Zukunft an die Tür klopfen werde, werde man sich mit Yoon nicht von Angesicht zu Angesicht gegenübersetzen.

          Schon vergangene Woche hatte Kim Südkorea vorgeworfen,  das Coronavirus mit Flugblättern nach Nordkorea eingeschleust zu haben. Im Gegensatz zur vorherigen Regierung lässt die Regierung von Yoon es wieder zu, dass Bürgerrechtsgruppen Flugblätter mit Luftballons in den Norden schicken. Kim hatte damit gedroht, die Führung in Seoul zu vernichten, wenn diese Aktionen nicht unterbunden würden.

          Die Beschimpfungen aus Nordkorea kommen wenige Tage, bevor die Vereinigten Staaten und Südkorea in der kommenden Woche ein großes Militärmanöver beginnen. Am Mittwoch hatte Nordkorea zwei Marschflugkörper in Richtung Gelbes Meer abgefeuert. Kim behauptet in ihrer Erklärung, dass Südkorea den Standort der Lenkflugkörper nicht richtig erkannt habe. Das Verteidigungsministerium in Seoul hielt dagegen an seiner Darstellung fest.

          Wütende Tiraden aus Pjöngjang gegen südkoreanische Präsidenten sind nicht ungewöhnlich. Auch der linksliberale Vorgänger von Yoon, Moon Jae-in, hatte sich teils wilde Beschimpfungen anhören müssen, nachdem die Gipfeldiplomatie zwischen Süd- und Nordkorea und zwischen Amerika und Nordkorea ins Leere gelaufen war. Moon war von Nordkorea fallen gelassen worden, nachdem er Kim Jong-un die Tür für drei Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump geöffnet hatte.

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