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Nordkorea lässt Studenten frei : Ein Musterbeispiel diskreter Diplomatie

In Sicherheit: Alek Sigley bei der Ankunft am Flughafen in Peking Bild: dpa

Nordkorea hat den Australier Alek Sigley freigelassen. Hinter den Kulissen wurde zügig verhandelt. Schweden war dabei nicht ganz unbeteiligt.

          Am Ende ließ sich Nordkorea nicht lange bitten: Schon einen Tag, nachdem sich schwedische Diplomaten in Pjöngjang für den festgenommenen Australier Alek Sigley stark gemacht hatten, wurde er freigelassen. Am Donnerstagmorgen durfte der Student gemeinsam mit einer schwedischen Regierungsdelegation Nordkorea in Richtung China verlassen. Australiens Premierminister Scott Morrison drückte gegenüber Schweden seine „aufrichtigste Dankbarkeit“ aus. Die schwedische Botschaft in Pjöngjang vertritt Australien konsularisch, weil das Land keine eigene Vertretung in Nordkorea hat. Morrison sagte, die rasche Lösung der Krise sei ein Beleg für den Wert diskreter Diplomatie hinter den Kulissen im Fall von sensiblen konsularischen Fällen.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Tatsächlich hatte Australien sich in der Sache äußerst geräuschlos verhalten und auf jegliche Kritik oder Forderungen gegenüber Nordkorea verzichtet. Erst am Donnerstag, als der 29 Jahre alte Sigley das Land bereits verlassen hatte, wurde überhaupt bekannt, dass er sich zuvor in den Händen des nordkoreanischen Sicherheitsapparats befunden hatte. Bis dahin war nur die Rede davon gewesen, dass er seit Dienstag vergangener Woche verschwunden sei. Seine Familie und Freunde hatten das daraus geschlossen, dass er nicht zu erreichen sei und anders als sonst auch keine Botschaften über soziale Netzwerke verschickte.

          Für Nordkorea war Sigley ein Gewinn

          Offen blieb zunächst, warum Sigley festgenommen worden war. Es ist möglich, dass der Sicherheitsapparat in diesem Fall eigenmächtig agierte und nicht auf entsprechende Anweisung von ganz oben. Das wäre nicht das nicht das erste Mal. Diplomatisch hätte der Fall für Nordkorea schnell zur Belastung werden können, zumal er düstere Erinnerungen an den amerikanischen Studenten Otto Warmbier weckte, der in nordkoreanischer Haft ins Koma fiel, aus dem er nie wieder erwachte.

          Hinzu kommt, dass der australische Student eigentlich ein politischer Gewinn für Nordkorea war. Seit er vor gut einem Jahr in Pjöngjang sein Masterstudium in koreanischer Literatur antrat, hat er auf Twitter und in einem Reiseblog allerhand Positives und Harmloses über das Land verbreitet. Zum Beispiel Restaurantkritiken. Nach eigenen Angaben hatte Sigley sich vorgenommen, die „negativen Klischees“, die es über Nordkorea gebe, zu widerlegen.

          Strengste Informationskontrollen

          Aus diesem Grund gab er auch einigen westlichen Medien Interviews und schrieb einen Gastbeitrag für die britische Zeitung „Guardian“. Beobachter halten es für denkbar, dass die Vielschreiberei den nordkoreanischen Sicherheitsapparat auf den Plan rief. Denn normalerweise wird strengstens kontrolliert, welche Informationen aus dem Land nach außen dringen. Nicht auszuschließen ist, dass auch die Nationalität von Sigleys Mutter eine Rolle spielte, die aus China stammt. Trotz aller Freundschaftsbekundungen wird das Nachbarland in Nordkorea mit besonderem Argwohn betrachtet.

          Sigley selbst äußerte sich am Donnerstag ebenso wenig wie die Regierung in Canberra zu der Frage, wie es zu seiner Festnahme gekommen sei. „Ähm“ war das Einzige, was dem Studenten bei seinem Zwischenstopp in Peking dazu über die Lippen kam, bevor seine schwedischen Begleiter ihn durch die Reporter zu einem Botschaftswagen manövrierten. „Es geht mir sehr gut“, sagte er noch. Von Peking aus wollte Sigley weiter nach Tokio fliegen, wo seine japanische Frau lebt.

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