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Nordkorea-Krise : Bloß nicht von Atomdesperados provozieren lassen

In der vergangenen Woche haben sich Trump und Kim Jong-un verbale Einschüchterungsduelle geliefert. Bild: AP

Im Nordkorea-Konflikt wäre eine militärische Eskalation verheerend. Das sollten alle wissen – und ihre diplomatischen Mittel ausschöpfen. Ein Kommentar.

          Schon im Frühjahr hielten amerikanische Fachleute den Konflikt um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm für weitaus brisanter, gefährlicher und explosiver als andere Krisen und Konflikte auf der Welt. Während hierzulande der Blick auf die europäische Nachbarschaft fiel, wenn es um Risiken und Gefahren ging, empfing das amerikanische Radar vor allem Krisensignale aus Ostasien.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Was die Fachleute vor einem halben Jahr umtrieb und erst recht heute bewegt, ist neben der Sache selbst die Frage, ob der Mann im Weißen Haus in der Lage wäre, eine internationale Großkrise zu meistern; oder ob er sich, unbeherrscht und unberechenbar wie er ist, auf eine Eskalation einließe, die in einem Inferno münden könnte.

          Heute ist auch einer breiteren Öffentlichkeit die Dimension der ostasiatischen Krise nicht mehr verborgen; die Verwundbarkeit der südkoreanischen Hauptstadt Seoul zum Beispiel ist offenkundig. Nordkorea hat Interkontinentalraketen getestet und Angriffsdrohungen gegen die Pazifikinsel Guam ausgestoßen. Der amerikanische Präsident Trump wiederum hat dem Regime in Pjöngjang mit Feuer und Zorn gedroht, sollte es mit seiner – immerhin von den Vereinten Nationen untersagten – Atom- und Raketenaufrüstung weitermachen wie bisher.

          Jetzt wäre die Stunde für kühle Gemüter

          Keine Frage: In dem Konflikt mit einem Regime, das die eigene Bevölkerung kujoniert, quält und darben lässt, das seine Nachbarn sowie die Vereinigten Staaten mit aggressiver Dauerbeschallung belegt und mit Atomversuchen und Raketenstarts in Unruhe versetzt, wäre jetzt die Stunde gekommen für kühle Gemüter: Für Leute mit Sachverstand etwa, die rational denken und handeln und sich nicht von Atomdesperados eines GULag-Staates am Ende der Wohlstandsskala provozieren lassen; oder für Staatsmänner, die die Sicherheit der Bürger nicht dadurch glauben wahren zu können, dass sie sich auf Duelle rhetorischer Einschüchterung einlassen, sondern ruhig Blut bewahren, ohne an ihrer Verteidigungsbereitschaft auch nur einen Hauch von Zweifel aufkommen zu lassen.

          Man kann nicht sicher sein, um es vorsichtig zu formulieren, dass Donald Trump zu dieser Rationalität fähig ist. Bislang hat er allzu oft einfach seinem impulsiven Naturell und seinen (verbalen) Strafbedürfnissen nachgegeben; seine Regierung musste wiederholt diplomatische Aufräumarbeiten leisten.

          Es ist deswegen auch nicht verwunderlich, dass sich die Mahnung, in diesem Konflikt gebe es keine militärische Lösung, in erster Linie an Trump richtet; zumindest ist das die Absicht vieler Europäer, die sich zu Wort melden. Aber es wäre gut, über den Ermahnungen nicht zu vergessen, wer die Eskalationsspirale in Gang gesetzt hat, wer daran dreht und wer, direkt oder indirekt, daran mitwirkt.

          Seit der Amtszeit Bill Clintons in den neunziger Jahren haben die Vereinigten Staaten versucht, Nordkorea mit Angeboten vom Kurs der atomaren Bewaffnung abzubringen. Das Ergebnis waren Täuschung und eine Ausweitung der entsprechenden Programme. Auch die Bemühungen im Rahmen der Sechser-Gespräche unter Einschluss Chinas und Russlands fruchteten nichts.

          Wenn die amerikanischen Geheimdienste nicht ganz danebenliegen, dann verfügt Nordkorea nicht nur über eine Langstreckenrakete, welche die amerikanische Westküste erreichen kann. Pjöngjang ist zudem nicht mehr weit davon entfernt, dieses Trägersystem mit einem Atomsprengkopf auszurüsten. Raketen kürzerer Reichweite, die Japan und Südkorea treffen können, haben diese Fähigkeit schon. Selbst wenn man unterstellt, dass die Atomwaffen aus Sicht der nordkoreanischen Machthaber deren Lebensversicherung sind, so kann kein verantwortlicher Politiker eines demokratischen Landes darauf die Sicherheit der eigenen Bevölkerung gründen. Das wäre ein gefährliches Wagnis.

          Die Stunde der Diplomatie

          Eher sollte man sich mit China befassen, von dem es heißt, es sei der letzte Verbündete Nordkoreas und habe noch Einfluss auf den Despoten Kim Jong-un. Selbst wenn die Führung in Peking sich den UN-Sanktionen gegen Pjöngjang angeschlossen und soeben die Einfuhr von Rohstoffen gestoppt hat, so ist China doch der wichtigste Handelspartner Nordkoreas und liefert lebenswichtige und strategische Güter.

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          So recht ist es nicht vorstellbar, dass Nordkorea seine Atomwaffen- und Raketenprogramme vorangetrieben hat ohne Mitwirkung Chinas – und wenn es nur eine im Stillen ist. Kim Jong-un und seine Clique mögen Peking mittlerweile Kopfzerbrechen bereiten, weil eine militärische Eruption gravierende, unkalkulierbare Auswirkungen auf die ganze Region hätte – und weil die amerikanische Politik unberechenbarer geworden ist. Aber für einen Stich gegen Amerika lassen sich die Allmachtsphantasien der nordkoreanischen Führung immer noch nutzen.

          Dennoch sollte die Regierung Trump versuchen, China zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen den Zauberlehrling zu bewegen. Dass Nordkorea sich in den Besitz von Atomwaffen gebracht hat, also faktisch Atommacht ist, fügt der Politik der Nichtverbreitung schweren Schaden zu. Es sollte nicht erst zur Katastrophe kommen, um zu erkennen, wie groß der Schaden ist. Wenn also Diplomatie sich bewähren muss, dann jetzt.

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