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Nordkorea : Kranker Führer, armes Land

  • -Aktualisiert am

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-il hat unter anderem ein Nierenleiden und muss regelmäßig zur Dialyse Bild: AFP

Die Zeit für eine Nachfolge an der Spitze Nordkoreas scheint zu drängen - Kim Jong-ils Gesundheitszustand ist instabil. Nun mehren sich Anzeichen, dass der 68 Jahre alte Herrscher bald seinen dritten Sohn, Kim Jong-eun, offiziell als Nachfolger präsentieren wird, um einen Machtkampf zu vermeiden.

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          Der Gesundheitszustand von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-il ist instabil, und es mehren sich die Anzeichen, dass der 68 Jahre alte Herrscher bald seinen dritten Sohn, Kim Jong-eun, offiziell als Nachfolger präsentieren wird, um einen Machtkampf für den Fall einer ernsten Erkrankung zu vermeiden.

          Kim Jong-il, so meldet das südkoreanische Institut für Nationale Strategie, müsse sich alle zwei Wochen einer Dialyse-Behandlung unterziehen. Außerdem leide er unter Bluthochdruck. Zudem laboriere der „geliebte Führer“ Nordkoreas immer noch an den Folgen eines Schlaganfalls, den er vermutlich im August des Jahres 2008 erlitten hat.

          Das südkoreanische Institut, das sich auf Geheimdienstberichte bezieht und Fotos und Fernsehbilder von den öffentlichen Auftritten des Führers auswertet, will festgestellt haben, dass Kim Jong-il stark abgenommen hat, und schließt daraus, dass er nach seinem Schlaganfall auf Diät gesetzt wurde, um einen zweiten Anfall zu vermeiden. Nordkorea hat bislang eine Erkrankung seines Führers lediglich als böswillige Propaganda des Auslandes bezeichnet.

          Wir die Bevölkerung auf einen dynastischen Machtwechsel vorbereitet?

          Nach Schätzung des südkoreanischen Institutes hat Kim Jong-il mehr als zehn Kilogramm Gewicht verloren. In Fernsehbildern von einem Auftritt Kim Jong-ils bei einer Massenveranstaltung Anfang März ist zu sehen, dass der Machthaber beim Klatschen seine linke Hand kaum bewegen konnte. Dies könnte eine Folge des Schlaganfalles sein. Außerdem zeige sich eine Nierenerkrankung an der Entfärbung seiner Haut an den Fingern.

          In Südkorea wird vermutet, dass sich Kim Jong-il einer Nierentransplantation nicht unterziehen will. Grund dafür könnten die Risiken des Eingriffs sein, aber auch die Sorge, dass eine längere Abwesenheit zu Unsicherheiten oder Machtkämpfen in der Führung führen wird. Die amerikanische Regierung glaubt, dass Kim Jong-il allenfalls noch drei Jahre zu leben hat. In diesem Sinn äußerte sich jedenfalls der stellvertretende amerikanische Außenminister Campbell kürzlich in einem Treffen mit südkoreanischen Regierungsmitgliedern unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

          Nordkorea-Beobachter Andrei Lankov von der Kookmin-Universität in Seoul hält es für möglich, dass sich angesichts des schlechten Gesundheitszustandes des Führers Rivalitäten zwischen Seilschaften oder Fraktionen in der nordkoreanischen Führung offenbaren. Die einzelnen Gruppierungen könnten nun versuchen, ihre jeweiligen eigenen Interessen durchzusetzen. Das Chaos um die jüngste Währungsreform in Nordkorea könnte ein Indiz für solche Fraktionskämpfe sein.

          Eine solche Entwicklung würde es für Kim Jong-il umso dringlicher machen, seine Nachfolge selbst zu regeln. Kim Jong-il ist offenbar entschlossen, seinen dritten Sohn Kim Jong-eun als seinen Nachfolger aufzubauen. Entsprechende Gerüchte gibt es seit einigen Monaten, doch fehlt noch immer eine offizielle Erhebung des Sohnes in eine Position von Belang, wie sie etwa Kim Jong-il selbst durch seinen Vater Kim Il-sung erfuhr.

          Nach verschiedenen Berichten soll die Bevölkerung jetzt auf einen solchen dynastischen Machtwechsel vorbereitet werden. So berichtet die südkoreanische Zeitung „Joong Ang Ilbo“ von einer Rede des stellvertretenden Vorsitzenden der Volksversammlung Nordkoreas, Yang Hyong-sop. Die Zukunft Nordkoreas liege in der Loyalität zu künftigen Generationen der Kim-Familie, sagte er vor Parteifunktionären in der vergangenen Woche. Er legte sich damit aber nicht auf einen bestimmten Sohn des Führers fest.

          Im Sonderzug nach China, diesmal mit Sohn

          Die Internetzeitung „Daily NK“, die sich nach eigenen Angaben auf nordkoreanische Informanten stützt, hat in Erfahrung gebracht, dass Funktionäre der Partei bereits in internen Dokumenten auf eine Nachfolge durch Kim Jong-eun eingeschworen werden. „Der junge Hauptmann, Genosse Kim Jong-eun, zeigt die Würde und die Eigenschaften eines großen Mannes und trägt die Ideologie und die Führung des großen Generals“, heißt es in einem der Dokumente.

          Danach wird Kim Jong-eun sowohl mit dem militärischen Rang als auch mit dem Hinweis, er werde die Politik des „Militär zuerst“ weiter vorantreiben, dem Militär empfohlen. Kim Jong-eun sei ein Meister der Ideologie, der die Statur „des Generals“, als der Kim Jong-il in Nordkorea allgemein bezeichnet wird, geerbt habe. Seit Januar müssen die hohen Funktionäre des Zentralkomitees der Partei, der Armee und der Regierung nach Angaben von „Daily NK“ diese Dokumente studieren. Im März soll die Schulung für Kader der Staatsbetriebe und Universitäten begonnen haben.

          Ob und wann Kim Jong-il seine geplante Reise nach China antreten kann, ist noch ungewiss. Nach südkoreanischen Informationen sollte Kim Ende März oder Anfang April mit seinem Sonderzug von Pjöngjang nach China aufbrechen. Frühere Besuche des nordkoreanischen Machthabers in China wurden sowohl von Nordkorea als auch von der chinesischen Regierung nicht vorher angekündigt, sondern erst nach der Rückkehr des Führers in seine Heimat offiziell bekanntgegeben. Sie wurden generell als nichtoffizielle Besuche tituliert. Kim Jong-il reist grundsätzlich nur mit seinem eigenen Sonderzug, nie mit dem Flugzeug, vermutlich aus Angst vor Attentaten.

          Nach Informationen des „Open Radio for North Korea“ soll Kim Jong-eun seinen Vater diesmal auf der Reise nach China begleiten. Damit solle sichergestellt werden, dass China seine Unterstützung für Nordkorea auch unter einer Herrschaft des jungen Kim fortsetzt. Beim Besuch werden vor allem Nordkoreas Rückkehr zu den Sechsergesprächen über sein Atomprogramm und Hilfsleistungen aus China an Nordkorea auf der Agenda stehen. Die Hilfsleistungen aus und der Handel mit China sind für Nordkorea wichtiger denn je. Seit Südkorea die Hilfsleistungen fast gänzlich eingestellt hat, hängt Nordkoreas Wirtschaft ganz vom Handel mit China ab. Das Land hofft auf Investitionen aus der Volksrepublik.

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