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Nordkorea-Konflikt : Putin ist Kims Anwalt

Nordkoreas Status Quo ist für ihn der Beste: Präsident Wladimir Putin am Tag der russischen Marine in Sankt Petersburg Bild: AFP

Der Kreml trägt die UN-Sanktionen gegen Nordkorea mit, kritisiert sie aber zugleich. Man sieht die Strafmaßnahmen vor allem als Mittel zur Eindämmung Washingtons.

          Vor kurzem erschien in Moskau ein neuer Stern am Tourismushimmel: Eine Agentur, die Einzel- und Gruppenreisen in das Nachbarland Nordkorea anbietet, mit dem Russland einige Kilometer Grenze teilt. „Nkorean“ ruft dazu auf, sich das „am wenigsten erforschte Land der Welt“ zu erschließen. Bei einer Pressekonferenz in Moskau wurde das Potential des Reiseziels hervorgehoben, auch wenn im vergangenen Jahr offiziell nur 423 Russen das Land bereisten, 51 weniger als 2015. Ein nordkoreanischer Botschaftsvertreter hob hervor, dass Nuklearstreitkräfte des Landes „Sicherheit und Frieden auf der koreanischen Halbinsel vollständig garantieren“, wovon auch die Touristen profitierten. Auf das Schicksal des jungen Amerikaners Otto Warmbier angesprochen, der vor eineinhalb Jahren wegen Diebstahls eines Plakats in Nordkorea zu 15 Jahren Haft verurteilt, im Juni „aus humanitären Gründen“ im Wachkoma liegend entlassen worden und kurz darauf in seiner Heimat gestorben war, sagte ein anderer nordkoreanischer Vertreter, jeder Tourist müsse die Gesetze des Landes achten, Warmbier hingegen habe sie gebrochen.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Wegen des Falls Warmbier hat Washington seinen Bürgern ein Nordkorea-Reiseverbot ausgesprochen, das Anfang September in Kraft getreten ist. Russische Besucher dürften in Nordkorea indes weit weniger gefährdet sein. Denn Moskau tritt, obwohl es das UN-Sanktionsregime mitträgt, als Anwalt Pjöngjangs auf. Die Verbundenheit reicht in die Zeit Stalins zurück, dem Paten der Machtergreifung Kim Il-sungs, des Großvaters des heutigen Machthabers Kim Jong-un. Das Raketenprogramm des Landes geht laut Fachleuten auf sowjetischen Technologietransfer zurück. Ein Bericht des International Institute for Strategic Studies äußerte vor kurzem die Vermutung, für die jüngst getesteten Raketentypen Hwasong-12 und Hwasong-14 müssten die Triebwerke aus der früheren Sowjetunion stammen, und zwar aus Beständen eines ukrainischen oder eines russischen Raketenbauers, und womöglich auf dem Schwarzmarkt in die Hände des Regimes gelangt.

          Moskau hat sich offiziell dem internationalen Ziel verschrieben, Nordkorea von seinem Nuklear- und Raketenprogramm abzubringen und die koreanische Halbinsel zu „denuklearisieren“. Man ist nicht angetan von der Aussicht, den Nuklearmachtstatus mit einem weiteren Staat zu teilen. Andererseits, so hob Alexander Gabujew vom Moskauer Carnegie-Zentrum in einem Bericht Anfang August hervor, wird das Ziel, Nordkoreas Nuklearmachtstreben zu beenden, als unrealistisch eingeschätzt. Denn nur der Status einer Nuklearmacht, welche die Vereinigten Staaten mit ihren Raketen treffen könnte, schützte letztlich vor einer Intervention wie im Irak oder in Libyen, so das Kalkül. In Moskau hat man Verständnis für die Ängste des Kim-Regimes, schließlich kultiviert man sie selbst unter dem Stichwort der „Farbenrevolutionen“. Zwar sehe man, wie Gabujew hervorhob, das Risiko von Unfällen, etwa für die Gegend um die Stadt Wladiwostok ganz nahe der gemeinsamen Grenze; es gab auch früher schon Raketen-Fehlschüsse in russische Richtung. Allerdings muss Russland aus dieser Sicht gerade an einer Verbesserung der Abschusspräzision der nordkoreanischen Raketen gelegen sein –und man habe dazu, so Gabujew, tatsächlich mittlerweile eine „dramatische Verbesserung“ festgestellt. Zudem sehe Moskau das Risiko des Verkaufs der Technologien etwa an Terroristen aufgrund von finanziellen Nöten. Doch das macht Sanktionen gegen Pjöngjang geradezu gefährlich. Diese Sicht schwingt mit, wenn etwa Außenminister Sergej Lawrow gegen ein „wirtschaftliches Strangulieren“ Nordkoreas eintritt oder Konstantin Kossatschow, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Oberhaus, sagt, im Falle Nordkoreas könnten die Sanktionen das Gegenteil von dem bewirken, was gewünscht sei.

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