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Nach Nordkoreas Provokationen : Japan plant Verstärkung der Raketenabwehr

  • -Aktualisiert am

Der japanische Aegis-Zerstörer Kongou im Jahr 2008 in seinem Heimathafen Sasebo Bild: AP

Als Reaktion auf einen Raketentest Nordkoreas soll das japanische Verteidigungsbudget um 2,5 Prozent wachsen. Außerdem will der Inselstaat die Kooperation mit seinen Verbündeten verstärken.

          Japan will auf die nordkoreanische Bedrohung mit höheren Rüstungsausgaben und einer Verbesserung seiner Raketenabwehr reagieren. Das japanische Verteidigungsministerium hat am Donnerstag eine Budgetveranlagung vorgelegt, die eine Steigerung des Verteidigungshaushaltes um 2.5 Prozent vorsieht, das wäre ein Rekordzuwachs.

          Nordkorea hat unterdessen auch Japan gedroht. Dessen Militärbündnis mit den Vereinigten Staaten beschleunige die Selbstzerstörung Japans, hiess es am Donnerstag in einer Stellungnahme der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA. Tokio dürfe nicht blind den Vereinigten Staaten folgen.

          Als mögliches Ziel nordkoreanischer Angriffe sei die Verbesserung der Verteidigungsfähigkeit von vorrangiger Wichtigkeit für Japan, hieß es in Tokio. Der japanische Verteidigungsminister Itsunori Onodera fordert, dass Japan sein Raketenarsenal schnell verbessern müsse. Mit den neuen Mitteln sollen neue Abfangraketen gekauft werden, die genauer sind und einen größeren Radius haben. Die Ausgaben für die Raketenabwehr würden sich nach der Vorlage auf umgerechnet 1.6 Milliarden Dollar belaufen.

          THAAD oder Aegis-Ashore

          Der japanische Außenminister Taro Kono und Verteidigungsminister Onodera berieten am Donnerstag telefonisch mit ihren amerikanischen Amtskollegen Tillerson und Mattis über die Lage nach Nordkoreas Raketentest. Sie kamen überein, dass Nordkoreas Rakete eine schwere Sicherheitsbedrohung für Japan darstelle. Kono und Tillerson wollen sich bei den Vereinten Nationen für neue Sanktionen gegen Nordkorea einsetzen. Mattis und Onodera wollen „zusätzlichen und sichtbaren Druck“ ausüben. Außerdem nahm die britische Regierungschefin Theresa May, die derzeit Japan besucht, an einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrats Japans teil und einigte sich mit Premierminister Abe auf eine Stärkung der gemeinsamen Sicherheitskooperation.

          Die japanischen Selbstverteidigungsverteidigungskräfte verfügen derzeit über das zweistufige Raketenabwehrsystem Aegis mit SM-3 Flugabwehrraketen auf japanischen Zerstörern und – für den Fall, dass diese nicht erfolgreich sind – Boden-Luft-Raketen. Dieses System könne zwar herunter fallende Teil oder Raketen, die auf Japan gerichtet sind abfangen, aber es sei nicht gut genug für Mehrfachangriffe und Raketen in großen Höhen, heißt es. Das japanische Verteidigungsministerium möchte zusätzlich das landgestützte Aegis-Ashore-Raketenabwehrsystem erwerben. Von einer Anschaffung des amerikanischen Raketenabwehrsystems THAAD (Terminal High Altitude Area Defense), das in diesem Jahr in Südkorea installiert wird, ist noch nicht die Rede. Wegen der hohen Kosten ist diese Anschaffung in Japan umstritten. Der Budgetvorschlag für die Selbstverteidigungskräfte muss zuerst vom Finanzministerium genehmigt werden und wird dann dem japanischen Parlament vorgelegt.

          Der jüngste Raketentest Nordkoreas gibt in Japan jenen Auftrieb, die eine verbesserte und erweiterte Ausstattung der Selbstverteidigungskräfte fordern. Der konservative Ministerpräsident Abe setzt sich für eine Stärkung des japanischen Militärs und eine Erweiterung seiner Einsatzmöglichkeiten ein und wirbt auch für eine Änderung von Japans pazifistischer Verfassung. Nordkoreas Rakete, die über Japan flog und 1180 km östlich von Hokkaido ins Meer stürzte, könnte ihm für diese Pläne neue Unterstützung einbringen. Abe hatte Nordkoreas Raketentest als nie dagewesene, und schwere Bedrohung für Japan bezeichnet.

          Einige Mitglieder von Abes Liberaldemokratischer Partei, unter ihnen Verteidigungsminister Onodera, haben bereits gefordert, dass Japan sich auch mit offensiven Waffen ausstatten sollte und dafür die wachsende Bedrohung aus Nordkorea als Grund genannt. Es war das fünfte Mal, dass Nordkorea eine Rakete über Japan fliegen ließ, jedoch das erste Mal, dass dies ohne Vorwarnung geschah. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un bezeichnete den Raketentest als Reaktion auf die derzeit laufenden amerikanisch-südkoreanischen Militärmanöver. Man habe aber auch an den 107. Jahrestag der Annexion Koreas durch Japan erinnern wollen.

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