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Konflikt mit Nordkorea : „Amerika hat den Weg der Erpressung betreten“

  • Aktualisiert am

Vom Flugzeugträger USS Carl Vinson könnte ein militärischer Schlg gegen Nordkorea ausgehen. Bild: Reuters

Für den Fall eines weiteren Atomwaffentests Nordkoreas erwägt Amerika eine militärische Reaktion, heißt es aus dem Weißen Haus. Nordkorea reagiert mit einer deutlichen Warnung – und China befürchtet eine schnelle Eskalation.

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          Das nordkoreanische Militär hat vor dem 105. Jahrestag des Geburtstags von Staatsgründer Kim Il Sung Drohungen gegen die Vereinigten Staaten ausgestoßen. Mit ihrem Raketenangriff in Syrien habe die Regierung von Präsident Donald Trump „den Weg der offenen Drohung und Erpressung“ gegen Nordkorea betreten, erklärten die Streitkräfte in Pjöngjang am Freitag.

          Am Samstag begeht Nordkorea den Geburtstag Kim Il Sungs, des Großvaters und Vor-Vorgängers des aktuellen Staatsführers Kim Jong Un. Die Erklärung des nordkoreanischen Militärs enthielt martialische Drohungen gegen amerikanische Stützpunkte in Südkorea und den Präsidentenpalast in Seoul, der bei einem Militärschlag Nordkoreas „in wenigen Minuten zertrümmert“ werden könnte.

          Angesichts der zunehmenden Spannungen hat auch China eindringlich davor gewarnt, dass ein Konflikt jederzeit losbrechen könne. „Die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Südkorea auf der einen Seite und Nordkorea auf der anderen Seite haben zuletzt zugenommen, und man hat das Gefühl, dass nun jederzeit ein Konflikt losbrechen kann“, sagte der chinesische Außenminister Wang Yi am Freitag in Peking.

          Wang warnte zugleich vor den Folgen einer direkten Konfrontation. „Wenn es einen Krieg gibt, ist das Ergebnis eine Situation, in der jeder verliert und es keinen Gewinner geben kann.“ Egal welche Seite einen Konflikt provoziere, müsse diese die „historische Verantwortung dafür übernehmen und den entsprechenden Preis zahlen“. China sei der Auffassung, dass „Dialog die einzige Lösung“ sei.

          Die Frage nach einem Raketentest ist nicht „ob“, sondern „wann“

          Die chinesische Fluggesellschaft Air China hat alle Flüge von Peking in die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang ausgesetzt. Dies gelte von Freitagabend an, berichtete der staatliche Fernsehsender CCTV auf seiner Internetseite. Ein Grund dafür wurde nicht genannt. Auch eine Quelle für die Information nannte der Sender nicht. Air China war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Der letzte Flug zwischen den beiden Städten fand dem Sender zufolge am  Freitagabend örtlicher Zeit statt. Es sei ein Rückflug aus Pjöngjang nach Peking gewesen.

          Die Vereinigten Staaten rechnen mit einem baldigen neuen Atomwaffentest Nordkoreas. Es stelle sich nicht die Frage, „ob“ Nordkorea erneut eine Rakete testen werde, sondern „wann“, sagte ein außenpolitischer Berater des Weißen Hauses am Freitag. Amerika prüftt deshalb eine mögliche militärische Reaktion.

          In Erwartung eines neuen nordkoreanischen Atomwaffentests erwägt Amerika eine militärische Lösung. „Militärische Optionen“ würden bereits geprüft, sagte ein außenpolitischer Berater des Weißen Hauses am Freitag in Washington. In der amerikanischen Regierung rechnet man offenbar mit weiteren Provokationen Nordkoreas: Es stelle sich nicht die Frage, ob Nordkorea erneut eine Rakete testen werden, sondern wann, sagte der Berater.

          Möglicher Test am Samstag

          Dass die Vereinigten Staaten möglicherweise sogar vor weiteren Waffentests angreifen könnten, wies die Regierung jedoch zurück. Ein entsprechender Bericht des TV-Senders NBC sei schlicht falsch, hieß es am Donnerstag. Ein anderer Regierungsvertreter sagte, der Beitrag sei „bestenfalls spekulativ“. Das Verteidigungsministerium lehnte eine Stellungnahme ab. Man diskutiere mögliche Szenarien grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit.

          NBC hatte unter Berufung auf amerikanische Geheimdienstkreise berichtet, Amerika sei zu einem Angriff auf Nordkorea bereit, wenn die Verantwortlichen von einem bevorstehenden neuen Atomwaffentest überzeugt seien. Zwei amerikanische Zerstörer, bewaffnet mit Marschflugkörpern des Typs „Tomahawk“, halten sich nach diesen Geheimdienstangaben in der Nähe der koreanischen Halbinsel auf. Einer davon sei etwa 480 Kilometer vom Atomtestgelände entfernt.

          Am Mittwoch hatte der amerikanische Auslandssender „Voice of America“ unter Berufung auf amerikanische Regierungsvertreter und andere Quellen berichtet, zum 105. Geburtstag des verstorbenen Staatsgründers Kim Il-sung am Samstag könne ein nuklearer Sprengsatz gezündet werden. Nach Angaben von Experten der Johns-Hopkins-Universität zeigen Satellitenbilder verdächtige Aktivitäten auf dem Testgelände. So soll bereits ein atomarer Sprengsatz in einen Tunnel geschoben worden sein.

          In den vergangenen Tagen drohte Trump mehrfach damit, das Atomprogramm Nordkoreas notfalls im Alleingang zu stoppen. Am vergangenen Wochenende entsandte Washington als Demonstration der Stärke eine Flugzeugträgergruppe in Richtung der Koreanischen Halbinsel. Trump demonstriert zudem militärische Stärke: Am Donnerstag warfen amerikanische Streitkräfte ihre stärkste nicht-atomare Bombe in Afghanistan ab.

          „Bis an die Grenzen des Möglichen“

          Trotz der Drohgebärden der Vereinigten Staaten sieht der Nordkorea-Kenner Hartmut Koschyk (CSU) den Versuch, gemeinsam mit China eine diplomatische Lösung des Konflikts um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm zu finden. Nach seinem Eindruck bestehe der Kern der Absprache zwischen Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping darin, „jetzt bis an die Grenzen des Möglichen zu gehen, um Nordkorea zum Einlenken zu bewegen, und die Vereinigte Staaten im Gegenzug auf einen militärischen Alleingang verzichten“, sagte der Vorsitzende der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe im Bundestag.

          „Ich glaube, dass China und die Vereinigte Staaten zusammenarbeiten, um eine politisch-diplomatische Lösung zu finden, um es überhaupt erst nicht zu einer Eskalation kommen zu lassen“, sagte Koschyk, der regelmäßig Nordkorea besucht und dort Gespräche auf hoher Ebene geführt hat.

          China und die Vereinigten Staaten würden auf Dauer aber nicht bereit sein, Nordkorea als Atomstaat zu akzeptieren. „Das würde dazu führen, dass auch Südkorea und Japan einen Nuklear-Status anstreben.“

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